Europas leistungsstärkste Rakete Ariane 64 startet erfolgreich

Die Ariane 64 hat ihren Erstflug absolviert und bringt Europa zurück in die Schwerlastklasse der Raumfahrt. Beim Start vom Weltraumbahnhof Kourou beförderte die Rakete mit vier Boostern erstmals 32 Satelliten für das Amazon-Leo-Netzwerk ins All.
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ESA/CNES/Arianespace/ArianeGroup/Optique video du CSG?P. Piron

Erfolgreicher Erstflug der Ariane 64

Gestern hat die europäische Raumfahrt einen wichtigen Meilenstein erreicht: Vom Weltraumbahnhof in Kourou, Französisch-Guayana, startete um 13:45 Uhr Ortszeit erstmals die Ariane 6 in ihrer stärksten Konfiguration, der Ariane 64. Die Mission VA267 beförderte 32 Breitband-Satelliten für Amazon Leo in einen niedrigen Erdorbit (LEO). Das neue Trägersystem setzte die Nutzlast in einer Höhe von rund 465 Kilometern planmäßig aus, womit die Einsatzfähigkeit der europäischen Schwerlastrakete demonstriert wurde.

Technisch unterscheidet sich die Ariane 64 von der bisher genutzten Ariane 62 durch die Anzahl der Feststoffbooster. Statt zwei kommen hier vier P120C-Booster zum Einsatz, was die Nutzlastkapazität für den niedrigen Erdorbit auf rund 20 Tonnen verdoppelt.

Bei diesem Start nutzte man zudem erstmals die lange Nutzlastverkleidung. Mit einer Höhe von 20 Metern bietet sie ausreichend Platz für großvolumige Konstellations-Cluster. Die Gesamthöhe der Rakete beträgt 62 Meter und das Startgewicht liegt bei massiven 860 Tonnen - das entspricht etwa dem Gewicht von fast zwei voll beladenen Airbus A380.

Start der ersten Ariane-6-Rakete mit vier Feststoffboostern

Auftakt für kommerzielle Missionen

Wie Arianespace schreibt, markiert dieser Flug den Auftakt einer Serie von insgesamt 18 vertraglich vereinbarten Starts für Amazon Leo. Das Satellitennetzwerk, früher unter dem Namen Project Kuiper bekannt, soll weltweit schnelles Internet bereitstellen und konkurriert direkt mit Starlink.

Für Arianespace ist das der erste Start für einen kommerziellen Kunden mit der Ariane 6, nachdem zuvor staatliche Missionen durchgeführt wurden. Die ESA hebt dabei die Bedeutung für den autonomen europäischen Zugang zum Weltraum hervor, da Europa nach der Krise der vergangenen Jahre nun wieder über eine komplette Flotte verfügt.


Die Entwicklung bleibt jedoch nicht stehen. Für die Zukunft sind bereits Weiterentwicklungen geplant: Die derzeitigen P120C-Booster sollen durch das leistungsstärkere Modell P160C ersetzt werden. Das Kohlefasergehäuse dieser neuen Motoren ist einen Meter länger und enthält 14 Tonnen mehr Treibstoff. Das steigert die Leistungsfähigkeit weiter, um im harten Wettbewerb bestehen zu können.

Zudem wurde bei der Mission VA267 ein komplexes Aussetzmanöver demonstriert. Die wiederzündbare Vinci-Oberstufe ermöglichte es, die Satelliten präzise zu platzieren und sich anschließend durch eine dritte Zündung kontrolliert in der Atmosphäre zu entsorgen, um Weltraumschrott zu vermeiden.

Amazon unter Zeitdruck

Trotz des erfolgreichen Starts steht Amazon unter Druck. Der Konzern hinkt beim Aufbau seiner Konstellation dem Zeitplan hinterher. Laut Lizenzvorgaben der US-Behörde FCC müsste Amazon bis Ende Juli 2026 die Hälfte seiner geplanten 3232 Satelliten im Orbit haben. Das Ziel scheint kaum noch erreichbar, weshalb das Unternehmen eine Fristverlängerung beantragt hat. Um das Tempo zu erhöhen, wurden zusätzlich Starts mit der Falcon 9 gebucht. Das unterstreicht die Dringlichkeit, das Netzwerk operativ zu machen, um die Lizenzrechte nicht zu verlieren.

Der Start ist geglückt, doch der Markt schläft nicht. Glaubt ihr, dass sich die Ariane 6 im harten Wettbewerb gegen die starke Konkurrenz dauerhaft behaupten kann? Schreibt uns eure Einschätzungen gerne in die Kommentare.

Zusammenfassung
  • Ariane 64 mit vier Boostern absolvierte erfolgreich ihren Erstflug
  • Rakete transportierte 32 Satelliten für Amazons Leo-Netzwerk ins All
  • Mit 20 Tonnen Nutzlastkapazität ist sie doppelt so stark wie Ariane 62
  • Mission markiert den Beginn einer Serie von 18 Starts für Amazon Leo
  • Künftige P160C-Booster sollen die Leistungsfähigkeit weiter steigern
  • Wiederzündbare Vinci-Oberstufe ermöglicht präzises Platzieren der Satelliten
  • Amazon muss bis Juli 2026 die Hälfte seiner geplanten Satelliten im Orbit haben

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