Russische Hyperschallrakete verbaut Komponenten aus Gagarin-Zeiten
Russlands Rakete Oreshnik gilt laut Kreml als unaufhaltsame Hyperschall-Waffe, doch Trümmeranalysen zeichnen ein anderes Bild. Statt moderner Chips fanden Experten Technik aus der Ära Juri Gagarins. Das System setzt auf mechanische Gyroskope statt GPS.
Die Experten des Kiewer wissenschaftlichen Forschungsinstituts für forensische Expertise (KNDISE) untersuchten Komponenten, die unter anderem bei einem Angriff auf Dnipro gesichert wurden. Dabei stießen sie u. a. auf Navigationssysteme, die nicht auf modernen MEMS-Sensoren oder Laserkreiseln basieren, sondern auf mechanischen Gyroskopen. Infografik: Russlands Hyperschallrakete Oreschnik
Ein ukrainischer Experte merkte gegenüber CNN an, dass bereits Juri Gagarin mit einer vergleichbaren Technologie ins All geflogen sei. Das deutet darauf hin, dass die Steuerung der Rakete auf analogen Trägheitsnavigationssystemen beruht. Das bietet jedoch durchaus einen taktischen Vorteil: Im Gegensatz zu modernen Systemen wie GPS oder Glonass ist die alte Technologie immun gegen Jamming und Spoofing durch elektronische Kampfführung.
Diese Technik fand typischerweise in Zündsystemen nuklearer Waffen des 20. Jahrhunderts Verwendung. Ihr Einsatz ist ebenfalls als höchst pragmatisch zu werten: Krytrons sind extrem widerstandsfähig gegen elektromagnetische Impulse (EMP), die moderne Transistoren sofort zerstören würden.
Die Fertigungsstempel auf einigen Komponenten weisen das Jahr 2018 aus. Das korrespondiert mit dem Zeitpunkt, an dem Russland die Entwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 Rubezh offiziell einstellte, um Ressourcen für den Hyperschall-Gleiter Avangard freizumachen. Analysten gehen davon aus, dass die nun als Oreshnik bezeichnete Waffe im Wesentlichen eine Wiederverwertung der eingelagerten RS-26-Hardware darstellt. Es handelt sich also weniger um eine Neuentwicklung als um das Ausschlachten alter Lagerbestände.
Die Physik des Wiedereintritts scheint jedoch eine Schwachstelle der russischen Konstruktion zu sein. Beim Angriff auf die Region Lwiw am 9. Januar 2026 beobachteten Analysten, dass das System beim Eintritt in die Atmosphäre massive Instabilitäten zeigte. Von den ursprünglich sechs Clustern, die sich in weitere Submunitionen aufteilen sollten, erreichten offenbar nur vier Gruppen sowie zwei einzelne Fragmente den Boden. Die Experten vermuten, dass die enorme thermische und mechanische Belastung bei elffacher Schallgeschwindigkeit dazu führte, dass Teile der Rakete noch in der Luft zerbrachen oder verglühten.
Haltet ihr den Einsatz solch alter Technik für pragmatisch oder ist das ein Zeichen für fehlende Ressourcen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Siehe auch:
Topmodern oder teilweise ein Museumsstück?
Russland setzt im andauernden Krieg gegen die Ukraine verstärkt auf die ballistische Rakete Oreshnik, die erst vor ein paar Tagen Ziele in der Nähe von Lwiw traf. Während der Kreml das Waffensystem als technologischen Durchbruch und unaufhaltsame Hyperschall-Bedrohung inszeniert, zeichnen ukrainische IT- und Militärexperten nach der Untersuchung geborgener Trümmerteile ein gänzlich anderes Bild. Die Analyse der Hardware legt nämlich nahe, dass unter der Hülle keine futuristische Mikroelektronik, sondern Technik aus der Ära des Kalten Krieges arbeitet.Die Experten des Kiewer wissenschaftlichen Forschungsinstituts für forensische Expertise (KNDISE) untersuchten Komponenten, die unter anderem bei einem Angriff auf Dnipro gesichert wurden. Dabei stießen sie u. a. auf Navigationssysteme, die nicht auf modernen MEMS-Sensoren oder Laserkreiseln basieren, sondern auf mechanischen Gyroskopen. Infografik: Russlands Hyperschallrakete Oreschnik
Ein ukrainischer Experte merkte gegenüber CNN an, dass bereits Juri Gagarin mit einer vergleichbaren Technologie ins All geflogen sei. Das deutet darauf hin, dass die Steuerung der Rakete auf analogen Trägheitsnavigationssystemen beruht. Das bietet jedoch durchaus einen taktischen Vorteil: Im Gegensatz zu modernen Systemen wie GPS oder Glonass ist die alte Technologie immun gegen Jamming und Spoofing durch elektronische Kampfführung.
Vakuum-Röhren und alte Lagerbestände
Wie der Nachrichtensender in einem aktuellen Bericht zeigt, fanden die Ermittler auf den Steuerplatinen zudem keine modernen Halbleiter, sondern glasummantelte Elektronenröhren. Fachleute identifizierten diese Bauteile als Krytrons. Das sind gasgefüllte Kaltkathodenröhren, die als schnelle Hochspannungsschalter fungieren.Diese Technik fand typischerweise in Zündsystemen nuklearer Waffen des 20. Jahrhunderts Verwendung. Ihr Einsatz ist ebenfalls als höchst pragmatisch zu werten: Krytrons sind extrem widerstandsfähig gegen elektromagnetische Impulse (EMP), die moderne Transistoren sofort zerstören würden.
Die Fertigungsstempel auf einigen Komponenten weisen das Jahr 2018 aus. Das korrespondiert mit dem Zeitpunkt, an dem Russland die Entwicklung der Interkontinentalrakete RS-26 Rubezh offiziell einstellte, um Ressourcen für den Hyperschall-Gleiter Avangard freizumachen. Analysten gehen davon aus, dass die nun als Oreshnik bezeichnete Waffe im Wesentlichen eine Wiederverwertung der eingelagerten RS-26-Hardware darstellt. Es handelt sich also weniger um eine Neuentwicklung als um das Ausschlachten alter Lagerbestände.
Signifikante Schwächen
Ein technisches Alleinstellungsmerkmal der Oreshnik ist der Verzicht auf herkömmlichen Sprengstoff in den Gefechtsköpfen. Das System setzt auf reine kinetische Energie. Die Rakete trägt mehrere Wiedereintrittskörper, die beim Aufprall mit einer Geschwindigkeit von etwa Mach 11 (ca. 3740 Meter pro Sekunde) durch ihre bloße Masse und Geschwindigkeit Zerstörung anrichten sollen. Dieses Konzept ähnelt dem theoretischen "Project Thor" der US-Streitkräfte, bei dem Wolfram-Stäbe aus dem Orbit abgeworfen werden sollten, um die Wirkung kleiner taktischer Nuklearwaffen ohne radioaktiven Niederschlag zu erzielen.Die Physik des Wiedereintritts scheint jedoch eine Schwachstelle der russischen Konstruktion zu sein. Beim Angriff auf die Region Lwiw am 9. Januar 2026 beobachteten Analysten, dass das System beim Eintritt in die Atmosphäre massive Instabilitäten zeigte. Von den ursprünglich sechs Clustern, die sich in weitere Submunitionen aufteilen sollten, erreichten offenbar nur vier Gruppen sowie zwei einzelne Fragmente den Boden. Die Experten vermuten, dass die enorme thermische und mechanische Belastung bei elffacher Schallgeschwindigkeit dazu führte, dass Teile der Rakete noch in der Luft zerbrachen oder verglühten.
Haltet ihr den Einsatz solch alter Technik für pragmatisch oder ist das ein Zeichen für fehlende Ressourcen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!
Zusammenfassung
- Russlands Oreshnik enthält statt moderner Chips Technik aus Gagarins Ära
- Mechanische Gyroskope statt GPS bieten Immunität gegen Jamming
- Analysten fanden glasummantelte Elektronenröhren statt moderner Halbleiter
- Waffe nutzt vermutlich recycelte Komponenten der eingestellten RS-26 Rubezh
- Oreshnik verwendet kinetische Energie statt herkömmlichen Sprengstoffs
- System zeigt Instabilitäten beim Wiedereintritt mit elffacher Schallgeschwindigkeit
Siehe auch:
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