Resteverwertung: Gescheiterte The Line soll zu KI-Serverfarm werden

Saudi-Arabiens Megaprojekt The Line steht wohl endgültig vor dem Aus in seiner ursprünglichen Form. Statt einer 170 Ki­lo­me­ter langen Band-Stadt plant die Regierung angeblich eine dras­ti­sche Ver­klei­ne­rung und eine neue Nutzung als riesige KI-Serverfarm.
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Realitätscheck für das Wüsten-Utopia

Eines der wohl ambitioniertesten Bauprojekte der modernen Geschichte kollidiert offenbar endgültig mit der ökonomischen und physikalischen Realität. Nachdem es bereits 2024 Berichte über eine Verkleinerung und ein promptes Dementi von den Verantwortlichen gab, steht Saudi-Arabiens futuristische Bandstadt The Line nun wohl doch vor einer radikalen Neuausrichtung.

Ursprünglich als 170 Kilometer langes, verspiegeltes Wohnparadies für neun Millionen Menschen ohne Autos und Straßen konzipiert, zwingen die explodierenden Kosten und technische Hürden den Kronprinzen Mohammed bin Salman letztlich wohl doch zum Umdenken. Die Vision einer Stadt, die sich vom Roten Meer durch die Wüste zieht, wird wohl niemals zur Realität.

Vom Wohntraum zur Serverfarm

Interne Prognosen deuteten bereits im vergangenen Jahr darauf hin, dass bis 2030 lediglich 2,4 Kilometer der geplanten Strecke fertiggestellt sein könnten. Jetzt heißt es zudem von einer Person, die mit den aktuellen Planungen vertraut sein soll, dass aus dem ursprünglich als Lebensraum für Millionen Menschen konzipierten Gebilde in Zukunft etwas völlig anderes werden könnte: ein Standort für riesige KI-Rechenzentren. Dieser vermeintliche strategische Schwenk würde auf eine Reihe von Verzögerungen und Budgetüberschreitungen folgen, die durch sinkende Einnahmen aus dem Ölgeschäft und eine angespannte Liquidität des saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) noch verschärft wurden.

Wie die Financial Times berichtet, beabsichtigen die Planer demnach, die geografische Lage am Roten Meer pragmatisch zu nutzen. So soll das Meerwasser zur Kühlung der KI-Server eingesetzt werden. Das würde eines der größten Probleme beim Betrieb von Hochleistungsrechnern in der heißen Wüstenregion lösen, wenngleich die Entsalzung und der Transport des Wassers enorme energetische Herausforderungen mit sich bringen dürften.

Die Transformation von einer Wohnstadt zu einem Industrie-Hub für Datenverarbeitung erscheint als logischer Schritt, um die bisherigen Investitionen nicht vollständig abschreiben zu müssen. Die Regierung hatte zuletzt Schwierigkeiten, ausländische Direktinvestitionen in der erhofften Höhe anzuziehen. Der Fokus auf KI-Infrastruktur könnte nun zumindest einen Teil der Module für The Line wirtschaftlich nutzbar machen, auch wenn das weit entfernt von der ursprünglichen Vision einer futuristischen Zivilisation ist.


Luxus-Flops und künstliche Kulissen

Die Probleme bei übergeordneten Neom-Projekt beschränken sich jedoch nicht nur auf The Line. Auch andere Teilprojekte kämpfen mit massiven Schwierigkeiten und Zeitverzug. Das geplante Skigebiet Trojena in den Bergen, das eigentlich die Asiatischen Winterspiele 2029 ausrichten soll, wird laut aktuellen Berichten nicht rechtzeitig fertiggestellt und muss wohl ebenfalls verkleinert werden. Zudem geriet die Eröffnung der Luxusjachtinsel Sindalah im Roten Meer zum PR-Desaster. Um bei der Eröffnungsfeier Betriebsamkeit vorzutäuschen, habe das Management angeblich 40 zusätzliche Jachten angemietet, um die Zahl der anwesenden Privatjachten künstlich aufzublähen.

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Diese Vorfälle führten bereits zu personellen Konsequenzen. Der langjährige Neom-CEO Nadhmi al-Nasr wurde Ende 2024 entlassen und durch Aiman al-Mudaifer ersetzt. Der hat jetzt wohl die komplexe Aufgabe, das Portfolio der saudischen Gigaprojekte auf ein realistisches Maß zurechtzustutzen. Ob die Umwidmung von The Line zur "KI-Festung" jedoch ausreicht, um das Projekt langfristig zu retten und Investoren zu beruhigen, bleibt abzuwarten.

Haltet ihr die Umwandlung von The Line in ein riesiges Rechenzentrum für eine sinnvolle Resteverwertung oder wäre das Projekt damit endgültig gescheitert? Schreibt uns eure Meinung dazu gerne in die Kommentare!

Zusammenfassung
  • Saudi-Arabiens Bandstadt The Line wird angeblich drastisch verkleinert
  • Statt Wohnraum könnte nun ein KI-Rechenzentrum entstehen
  • Meerwasser soll zur Kühlung der Serverfarmen genutzt werden
  • Budgetüberschreitungen und sinkende Öleinnahmen zwingen zum Umdenken
  • Auch andere Neom-Teilprojekte wie Skigebiet Trojena haben Verzögerungen
  • Neom-CEO wurde Ende 2024 entlassen und durch al-Mudaifer ersetzt

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