Selbst Roboter-Hersteller geben zu:
Roboter sind überbewerteter Hype
Humanoide Roboter ziehen derzeit Investitionen in Milliardenhöhe an, doch Experten warnen vor verfrühter Euphorie. Auf einem Gipfel im Silicon Valley wurde deutlich, dass zwischen den Visionen von Tesla und Co. und der technischen Realität noch Welten liegen.
Zwar flossen allein in diesem Jahr weltweit rund 5 Milliarden Dollar (etwa 4,3 Milliarden Euro) in Startups, die an menschenähnlichen Maschinen arbeiten, doch der Weg vom Prototypen zum zuverlässigen Arbeiter gestaltet sich weitaus schwieriger als erwartet.
Die ambitionierten Versprechen von Tesla, bis zum Jahr 2030 jährlich eine Million Optimus-Roboter zu fertigen, stehen im Kontrast zu den Aussagen derjenigen, die diese Maschinen tatsächlich konstruieren. Kaan Dogrusoz, Geschäftsführer von Weave Robotics und ehemaliger Apple-Ingenieur, betonte, dass es zwar technologische Fortschritte gebe, humanoide Roboter aber derzeit noch keine wohldefinierten Produkte seien.
Das Hauptproblem liegt in der Zuverlässigkeit bei komplexen Aufgaben: Sobald Roboter kontrollierte Laborbedingungen verlassen und mit der Unvorhersehbarkeit der realen Welt konfrontiert werden, sinkt ihre Erfolgsrate drastisch.
Wie Pras Velagapudi, Technologiechef bei Agility Robotics, gegenüber The Wall Street Journal erklärte, besteht das Ziel für die Industrie nicht primär darin, einen Roboter zu bauen, der wie ein Mensch aussieht, sondern einen, der "nützliche Arbeit verrichtet".
Agility setzt seine "Digit"-Roboter bereits bei Amazon ein, doch Velagapudi warnt vor falschen Hoffnungen: Das Bewegen von genormten Kisten in Lagerhallen ist durchaus machbar, doch der Traum vom Roboter-Butler im eigenen Haushalt liegt noch in weiter Ferne. Für solch unstrukturierte Umgebungen fehlen den aktuellen Systemen schlicht die notwendige Adaptionsfähigkeit und Fehlertoleranz.
Obwohl humanoide Roboter wie der rund 57 Kilogramm schwere Tesla Optimus oder der leichtere Unitree G1 theoretisch weniger Sicherheitsvorkehrungen benötigen könnten als tonnenschwere Industriearme, bleibt die Skepsis in der Branche groß. Kelkar warnte explizit davor, von gut inszenierten Demo-Videos auf die Realität zu schließen. Es sei eine unzulässige Extrapolation, von einem Video, in dem ein Roboter langsam ein Wäschestück faltet, auf einen voll funktionsfähigen Haushaltsbutler zu schließen, der sicher mit Menschen interagieren kann.
Erst über ein Jahrzehnt später setzte das iPhone die Vision erfolgreich um. "Vollständige zweibeinige Humanoide sind die Newtons unserer Zeit", so Dogrusoz. Das Risiko besteht darin, dass verfrühte Markteinführungen unfertiger Produkte zu Enttäuschungen führen und die Technologie für Jahre diskreditieren könnten.
Hinzu kommen fundamentale physikalische Herausforderungen, die oft ignoriert werden. Max Goncharov, Technikchef von RemBrain, argumentierte, dass die humanoide Form selbst ein Hindernis darstellen kann. Zweibeinige Roboter besitzen einen hohen Schwerpunkt und neigen zum Umkippen, was komplexe Ausgleichsmechanismen erfordert. Zudem bleibt die Replikation der menschlichen Hand ein weitgehend ungelöstes Problem. Einer mechanischen Hand fehlen die tausenden taktilen Sensoren und die feinen Freiheitsgrade des menschlichen Vorbilds, um fragile Objekte sicher zu manipulieren. In Fabriken zählt Effizienz, und Effizienz bedeutet spezialisiertere Roboter.
Seht ihr in humanoiden Robotern die Zukunft der Arbeit oder doch eher eine technische Spielerei? Wir sind gespannt auf eure Einschätzungen in den Kommentaren!
Siehe auch:
Euphorie trifft auf technische Grenzen
Technologie-Milliardäre wie Elon Musk und Jensen Huang prophezeien eine nahe Zukunft voller humanoider Helfer, doch Brancheninsider zeichnen ein deutlich nüchterneres Bild. Auf dem kürzlich abgehaltenen Humanoids Summit im kalifornischen Mountain View wurde offensichtlich, dass zwischen den Visionen der Geldgeber und dem tatsächlichen Stand der Technik eine gewaltige Kluft klafft.Zwar flossen allein in diesem Jahr weltweit rund 5 Milliarden Dollar (etwa 4,3 Milliarden Euro) in Startups, die an menschenähnlichen Maschinen arbeiten, doch der Weg vom Prototypen zum zuverlässigen Arbeiter gestaltet sich weitaus schwieriger als erwartet.
Die ambitionierten Versprechen von Tesla, bis zum Jahr 2030 jährlich eine Million Optimus-Roboter zu fertigen, stehen im Kontrast zu den Aussagen derjenigen, die diese Maschinen tatsächlich konstruieren. Kaan Dogrusoz, Geschäftsführer von Weave Robotics und ehemaliger Apple-Ingenieur, betonte, dass es zwar technologische Fortschritte gebe, humanoide Roboter aber derzeit noch keine wohldefinierten Produkte seien.
Roboter Unitree G1 tritt "unabsichtlich" seinen menschlichen Bediener
Das Hauptproblem liegt in der Zuverlässigkeit bei komplexen Aufgaben: Sobald Roboter kontrollierte Laborbedingungen verlassen und mit der Unvorhersehbarkeit der realen Welt konfrontiert werden, sinkt ihre Erfolgsrate drastisch.
Wie Pras Velagapudi, Technologiechef bei Agility Robotics, gegenüber The Wall Street Journal erklärte, besteht das Ziel für die Industrie nicht primär darin, einen Roboter zu bauen, der wie ein Mensch aussieht, sondern einen, der "nützliche Arbeit verrichtet".
Agility setzt seine "Digit"-Roboter bereits bei Amazon ein, doch Velagapudi warnt vor falschen Hoffnungen: Das Bewegen von genormten Kisten in Lagerhallen ist durchaus machbar, doch der Traum vom Roboter-Butler im eigenen Haushalt liegt noch in weiter Ferne. Für solch unstrukturierte Umgebungen fehlen den aktuellen Systemen schlicht die notwendige Adaptionsfähigkeit und Fehlertoleranz.
Kostenfalle Sicherheit und Infrastruktur
Ein häufig unterschätzter Faktor bei der Einführung von Robotern sind die immensen versteckten Kosten. Ani Kelkar, Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey, wies darauf hin, dass die Hardware selbst oft nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtausgaben ausmacht. Für jede 100 Dollar, die ein Unternehmen für den Einsatz von Robotern budgetiert, fließen laut Kelkar lediglich etwa 20 Dollar in die Maschine selbst. Die restlichen 80 Dollar werden für Sicherheitssysteme, Schutzzäune und spezielle Infrastruktur benötigt, um menschliche Arbeiter vor den schweren Geräten zu schützen.UBTech Robotics zeigt angebliche Massenauslieferung von Robotern
Obwohl humanoide Roboter wie der rund 57 Kilogramm schwere Tesla Optimus oder der leichtere Unitree G1 theoretisch weniger Sicherheitsvorkehrungen benötigen könnten als tonnenschwere Industriearme, bleibt die Skepsis in der Branche groß. Kelkar warnte explizit davor, von gut inszenierten Demo-Videos auf die Realität zu schließen. Es sei eine unzulässige Extrapolation, von einem Video, in dem ein Roboter langsam ein Wäschestück faltet, auf einen voll funktionsfähigen Haushaltsbutler zu schließen, der sicher mit Menschen interagieren kann.
Der Newton-Moment der Robotik
Einige Experten ziehen interessante Parallelen zur IT-Geschichte, um die aktuelle Phase einzuordnen. Kaan Dogrusoz verglich den derzeitigen Stand der zweibeinigen Humanoiden mit dem Apple Newton MessagePad aus den frühen 1990er Jahren. Der PDA war seiner Zeit visionär voraus, scheiterte aber kommerziell spektakulär an technischen Unzulänglichkeiten - insbesondere der unzuverlässigen Handschrifterkennung.Erst über ein Jahrzehnt später setzte das iPhone die Vision erfolgreich um. "Vollständige zweibeinige Humanoide sind die Newtons unserer Zeit", so Dogrusoz. Das Risiko besteht darin, dass verfrühte Markteinführungen unfertiger Produkte zu Enttäuschungen führen und die Technologie für Jahre diskreditieren könnten.
Hinzu kommen fundamentale physikalische Herausforderungen, die oft ignoriert werden. Max Goncharov, Technikchef von RemBrain, argumentierte, dass die humanoide Form selbst ein Hindernis darstellen kann. Zweibeinige Roboter besitzen einen hohen Schwerpunkt und neigen zum Umkippen, was komplexe Ausgleichsmechanismen erfordert. Zudem bleibt die Replikation der menschlichen Hand ein weitgehend ungelöstes Problem. Einer mechanischen Hand fehlen die tausenden taktilen Sensoren und die feinen Freiheitsgrade des menschlichen Vorbilds, um fragile Objekte sicher zu manipulieren. In Fabriken zählt Effizienz, und Effizienz bedeutet spezialisiertere Roboter.
Seht ihr in humanoiden Robotern die Zukunft der Arbeit oder doch eher eine technische Spielerei? Wir sind gespannt auf eure Einschätzungen in den Kommentaren!
Zusammenfassung
- Trotz Milliarden-Investitionen bestehen große Lücken zwischen Vision und Realität
- Humanoide Roboter scheitern außerhalb kontrollierter Laborbedingungen häufig
- Hohe versteckte Kosten: Nur 20 Prozent der Ausgaben fließen in die Roboter selbst
- Experten vergleichen aktuelle Humanoide mit dem gescheiterten Apple Newton
- Physikalische Herausforderungen wie hoher Schwerpunkt und fehlende Sensibilität
- Roboterhersteller warnen selbst vor überzogenen Erwartungen und Demo-Videos
- Spezialisierte Maschinen gelten als effizienter als menschenähnliche Allrounder
Siehe auch:
- LG zeigt Haushaltsroboter mit Armen und Händen wie ein Mensch
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- Roboter-Pionier iRobot muss jetzt endgültig in die Insolvenz
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Thema:
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