Börsenmakler ergaunern Nanosekunden-Vorteile mit Fake-Datenpaketen
Was früher als kaum vorstellbarer Vorsprung galt, reicht heute nicht mehr aus: Im Hochfrequenzhandel der Börsen sind Millisekunden längst Schnee von gestern. In einem Streit zwischen Maklern geht es inzwischen um Nanosekunden.
Nach Angaben des französischen Unternehmens Mosaic Finance haben mehrere Hochfrequenzhandelsfirmen diese Praxis systematisch genutzt und damit in den vergangenen drei Jahren bis zu 600 Millionen Euro verdient. Mosaic selbst sieht sich als Opfer: Das Unternehmen berichtet, dass seine Gewinne auf Eurex ab 2022 plötzlich um rund 90 Prozent eingebrochen seien. Erst nach umfangreichen Tests habe man erkannt, dass Wettbewerber sich durch den massenhaften Versand manipulierter Datenpakete einen konstanten Zeitvorteil verschafften.
Mosaic hat inzwischen Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. In dem Schreiben wirft die Firma Eurex vor, diese Praxis zu dulden und damit eine kleine Gruppe von Marktteilnehmern zu begünstigen. Zudem profitiere die Börse finanziell, da sie besonders schnelle Datenverbindungen kostenpflichtig anbiete.
Technisch basiert der Trick darauf, dass Börsenorders in Datenpakete zerlegt werden. Händler können zunächst nur den Paketanfang senden und so wertvolle Nanosekunden gewinnen, bevor sie entscheiden, ob sie tatsächlich kaufen oder verkaufen. Laut Mosaic beträgt der Vorteil rund 3,2 Nanosekunden, ein kaum messbarer, aber im automatisierten Handel entscheidender Vorsprung. Branchenkenner betonen, dass solche Methoden unter Hochfrequenzhändlern bekannt seien und von mehreren Firmen genutzt würden.
Siehe auch:
Eurex in Frankfurt wird manipuliert
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht eine hoch spezialisierte technische Methode, bei der Hochfrequenzhändler die in Frankfurt ansässige Eurex mit nutzlosen oder fehlerhaften Datenpaketen überfluten. Ziel ist es nicht, Geschäfte auszuführen, sondern die eigene Verbindung zur Börse permanent "auf Betriebstemperatur" zu halten. So sollen Orders minimal schneller platziert werden können, sobald marktbewegende Informationen eintreffen, berichtete das Wall Street Journal.Nach Angaben des französischen Unternehmens Mosaic Finance haben mehrere Hochfrequenzhandelsfirmen diese Praxis systematisch genutzt und damit in den vergangenen drei Jahren bis zu 600 Millionen Euro verdient. Mosaic selbst sieht sich als Opfer: Das Unternehmen berichtet, dass seine Gewinne auf Eurex ab 2022 plötzlich um rund 90 Prozent eingebrochen seien. Erst nach umfangreichen Tests habe man erkannt, dass Wettbewerber sich durch den massenhaften Versand manipulierter Datenpakete einen konstanten Zeitvorteil verschafften.
Mosaic hat inzwischen Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. In dem Schreiben wirft die Firma Eurex vor, diese Praxis zu dulden und damit eine kleine Gruppe von Marktteilnehmern zu begünstigen. Zudem profitiere die Börse finanziell, da sie besonders schnelle Datenverbindungen kostenpflichtig anbiete.
Technisches Update kommt
Eurex, die zur Deutschen Börse gehört, weist die Vorwürfe zurück. Eine Sprecherin erklärte, man überwache den Handel kontinuierlich und verfüge über Instrumente zur Erkennung fehlerhafter Daten. Die Anschuldigungen eines einzelnen Teilnehmers seien unbegründet. Gleichzeitig kündigte Eurex jedoch ein technisches Update an, das ab April greifen soll und die umstrittene Technik deutlich einschränken könnte. Viele Marktteilnehmer sehen die Methode ohnehin in einer regulatorischen Grauzone.Technisch basiert der Trick darauf, dass Börsenorders in Datenpakete zerlegt werden. Händler können zunächst nur den Paketanfang senden und so wertvolle Nanosekunden gewinnen, bevor sie entscheiden, ob sie tatsächlich kaufen oder verkaufen. Laut Mosaic beträgt der Vorteil rund 3,2 Nanosekunden, ein kaum messbarer, aber im automatisierten Handel entscheidender Vorsprung. Branchenkenner betonen, dass solche Methoden unter Hochfrequenzhändlern bekannt seien und von mehreren Firmen genutzt würden.
Zusammenfassung
- Hochfrequenzhändler fluten Eurex mit nutzlosen Datenpaketen für Zeitvorteile
- Gezielte Manipulation hält Börsenverbindungen ständig auf Betriebstemperatur
- Mosaic Finance beklagt Gewinneinbruch von 90 Prozent durch unfaire Praktiken
- Umstrittene Methode verschafft winzigen Vorsprung von 3,2 Nanosekunden
- Betroffene Firma reicht Beschwerde bei der EU-Kommission gegen Eurex ein
- Eurex weist Vorwürfe zurück, plant aber technisches Update für April
- Börsenexperten sehen die Praktik in einer regulatorischen Grauzone
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Christian Kahle
Redakteur bei WinFuture
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