Forscher finden mysteriösen Roten Riesen mit dunklem Geheimnis

Mithilfe des NASA-Satelliten Tess, der eigentlich nach fernen Exo­planeten sucht, haben Astronomen ein ungewöhnliches Phänomen untersucht. In den Daten stießen sie auf etwas, das man bildlich als "Gesang" eines Roten Riesen bezeichnen kann.
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NASA-Mission entdeckt turbulente Vergangenheit

Dahinter steckt kein echtes Lied, sondern winzige Schwingungen im Inneren des Sterns, sogenannte Sternbeben. Sie verraten viel über den Aufbau und die Vergangenheit dieses Himmelskörpers. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse jetzt im Astronomical Journal.

Der Rote Riese gehört zum Doppelsternsystem Gaia BH2, rund dreitausendachthundert Lichtjahre entfernt im Sternbild Zentaur. In diesem System kreist der Stern um ein schwarzes Loch. Das System wurde erst zwei Jahre zuvor vom europäischen Weltraumteleskop Gaia entdeckt.


Rhythmische Sternenbewegungen

Tess hat nun die rhythmischen Bewegungen des Sterns aufgezeichnet, ähnlich wie Seismografen Erdbeben auf der Erde registrieren. Bei Sternen funktioniert das Prinzip vergleichbar: Die Erschütterungen wandern durch die verschiedenen Schichten und erlauben einen Blick ins Innere.

Diese Analyse führte zu einer Überraschung. Das Team fand heraus, dass der Stern reich an schweren Elementen ist. Diese Erkenntnis ist etwas, das normalerweise auf ein sehr hohes Alter schließen lässt. Gleichzeitig zeigen die Schwingungen aber, dass der Rote Riese erst rund fünf Milliarden Jahre alt ist. Das macht ihn deutlich jünger als seine chemische Zusammensetzung vermuten lässt.

Rätsel der Vergangenheit

Die Forscher gehen daher davon aus, dass er irgendwann in der Vergangenheit mit einem anderen Stern verschmolzen ist oder Material von einem Begleiter aufgenommen hat, möglicherweise genau in dem Moment, als das Schwarze Loch entstand.

Schwarze Löcher: Faszinierende Erkenntnisse

  • Geburt
    Kollaps massereicher Sterne
    Schwarze Löcher entstehen durch den Kollaps massereicher Sterne am Ende ihres Lebens. Wenn riesige Sterne (mit mindestens der dreifachen Masse unserer Sonne) explodieren, kollabiert ihr Kern zu einem winzigen Punkt, aus dem selbst Licht nicht mehr entweichen kann.
  • Effekt
    Spaghettifizierung
    Wenn Materie einem Schwarzen Loch zu nahe kommt, wird sie durch die extreme Gravitation in die Länge gezogen - ein Effekt, der als "Spaghettifizierung" bezeichnet wird. Sobald der Ereignishorizont passiert wird, kann nichts mehr entkommen.
  • Einfluss
    Galaxienformation
    Supermassive Schwarze Löcher befinden sich im Zentrum vieler Galaxien, einschließlich unserer Milchstraße (Sagittarius A*). Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Galaxien und können beim Verschlingen von Materie enorme Energiemengen freisetzen.

Der Stern dreht sich ungewöhnlich schnell

Auch die Drehung des Sterns passt zu dieser Theorie. Beobachtungen vom Boden zeigen, dass sich der Rote Riese in nur dreihundertachtundneunzig Tagen einmal um die eigene Achse dreht, für einen Stern seiner Art eine ungewöhnlich schnelle Rotation. Normalerweise drehen sich isolierte Rote Riesen wesentlich gemächlicher. Die schnelle Rotation deutet darauf hin, dass äußere Kräfte am Werk waren, etwa starke Gezeitenwechselwirkungen mit dem späteren Schwarzen Loch.

Nicht nur Gaia BH2 gibt Rätsel auf. Das gleiche Forschungsteam hat auch das System Gaia BH3 untersucht, das mit zweitausend Lichtjahren noch näher an der Erde liegt (via Space.com). Dort fanden sie einen Begleitstern, der extrem wenige schwere Elemente enthält. Eigentlich sollten solche Sterne deutliche Schwingungen zeigen, doch in diesem Fall fehlen sie komplett. Warum, ist bislang unklar.

Beide Systeme sind für die Forschung besonders wertvoll, weil ihre Schwarzen Löcher nicht aktiv Materie verschlingen. Dadurch lassen sich ihre stellaren Partner genauer beobachten. Die Forscher beabsichtigen Gaia BH2 mithilfe des Gaia-Teleskops weiterzuverfolgen und hoffen auf noch klarere Hinweise auf eine frühere Verschmelzung.

Zusammenfassung
  • NASA-Satellit Tess entdeckt Schwingungen bei einem Roten Riesen im All
  • Sternbeben ermöglichen Einblick in den Aufbau des fernen Himmelskörpers
  • Der Stern ist Teil des Doppelsternsystems Gaia BH2 im Sternbild Zentaur
  • Trotz hohem Gehalt an schweren Elementen ist der Stern relativ jung
  • Wissenschaftler vermuten frühere Verschmelzung mit einem anderen Stern
  • Die ungewöhnlich schnelle Rotation des Roten Riesen stützt diese Theorie
  • Auch das System Gaia BH3 zeigt überraschende Eigenschaften

Siehe auch:


Bresser National Geographic
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