Schwarzes Loch Sagittarius A* verhindert aktiv die Geburt neuer Sterne

In der Nähe des Zentrums unserer Milchstraße müssten eigentlich ständig neue Sterne entstehen. Stattdessen fand man bei Unter­su­chun­gen lediglich seltsame Strukturen, die darauf hindeuten, dass ein solcher Prozess massiv gestört wird.
Weltraum, Astronomie, Solarenergie, Weltraumforschung, Sonnensystem, Astrophysik, Sonne, Plasma, Komet, Himmelskörper, Sonnenaktivität, Sternenexplosion, Schweif, Koment, Sonnencorona, Sternphysik

Extreme Magnetfelder

Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) hat einen Blick in das Herz unserer Galaxie geworfen: In der Sternentstehungsregion Sagittarius C, nur 200 Lichtjahre vom supermassereichen Schwarzen Loch Sagittarius A* entfernt, liefern nun neue Daten Hinweise darauf, warum dort weniger Sterne entstehen als bislang angenommen.

Sagittarius C enthält große Mengen an molekularem Gas - dem Rohmaterial für neue Sterne. Eigentlich müssten dort deutlich mehr Sterne geboren werden, als zu beobachten ist. Mit den Infrarotaugen des JWST gelang es Astronomen jetzt erstmals, durch die dichten Gas- und Staubwolken hindurchzublicken und die junge Sternenpopulation genauer zu analysieren.


Dabei entdeckten die Forschenden unerwartet Dutzende leuchtender, nadelförmiger Filamente aus heißem Plasma, die sich teils über mehrere Lichtjahre erstrecken. "Mit diesen Strukturen hatten wir nicht gerechnet - es war eine vollkommen zufällige Entdeckung", sagt Rubén Fedriani vom Instituto de Astrofísica de Andalucía, Mitautor einer neuen Studie zu den JWST-Daten.

Die Filamente scheinen von starken Magnetfeldern geformt zu werden, die wiederum durch turbulente Gasbewegungen rund um Sagittarius A* verstärkt werden. Dieses Schwarze Loch bringt das 4-millionenfache der Sonnenmasse auf die Waage und beeinflusst seine Umgebung also nicht nur mit gewaltigen Gravitationskräften, sondern auch mit extrem starken Magnetfeldern.

Sagittarius C bald ausgebrannt

Laut den neuen Untersuchungen könnten diese so stark sein, dass sie den natürlichen Kollaps von Gaswolken - der Voraussetzung für Sternentstehung - verhindern. Stattdessen verdichten sie das Material zu den nun beobachteten Filamenten. So könnte sich erklären, warum Sagittarius C trotz seiner extremen Bedingungen vergleichsweise Sternenarm bleibt.

Beobachtungen zeigen zudem, dass Sagittarius C bereits einen Großteil seines sternbildenden Materials verloren hat. In kosmischen Maßstäben könnte die Region schon in wenigen Hunderttausend Jahren vollständig erloschen sein - ein Wimpernschlag im 13,7 Milliarden Jahre alten Universum.

Zusammenfassung
  • JWST untersuchte Sternentstehungsregion Sagittarius C nahe Schwarzem Loch
  • Weniger Sterne als erwartet trotz großer Mengen molekularen Gases
  • Entdeckung nadelförmiger Filamente aus heißem Plasma über Lichtjahre
  • Starke Magnetfelder durch Sagittarius A* formen diese Strukturen
  • Magnetfelder verhindern möglicherweise Kollaps von Gaswolken zur Sternbildung
  • Schwarzes Loch beeinflusst Umgebung durch Gravitation und Magnetfelder

Siehe auch:


Tipp einsenden