Sonnen am Fließband: Astronomen finden extrem schnelle "Sternfabrik"

Rund 800 Millionen Jahre nach dem Urknall existierte offenbar eine Galaxie, die neue Sterne in atemberaubender Geschwindigkeit her­vor­brachte. Der Fund ist eine Erklärung für Phänomene, die Forscher voller Fragen zurückließen.
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Rasantes Wachstum wird klarer

Ein internationales Forschungsteam berichtet, dass die Galaxie mit der Bezeichnung Y1 Sterne rund 180-mal schneller bildete als unsere Milchstraße. Die Beobachtung eines derart extremen Entstehungsgebiets könnte erklären helfen, wie junge Galaxien im frühen Universum so rasant wachsen konnten.

Um die ungewöhnlichen Eigenschaften von Y1 zu bestimmen, analysierten die Forschenden zunächst die Temperatur des kosmischen Staubs innerhalb der Galaxie. Mithilfe des Observatoriums ALMA im Norden Chiles werteten sie Licht aus, das 13 Milliarden Jahre unterwegs war, bevor es die Erde erreichte. Die Messungen deuten auf eine bis dahin verborgene Epoche der Sternentstehung hin, in der das Universum wesentlich produktiver war als heute.


Tom Bakx von der Technischen Universität Chalmers, Leiter des Forschungsteams, erklärt, frühere Hinweise auf große Staubmengen in Y1 hätten den Verdacht nahegelegt, dass es sich um eine besonders energetische Form einer Sternschmiede handeln könnte. Ziel sei es daher gewesen, die Staubtemperatur präzise zu bestimmen, ein wichtiger Indikator für die Aktivität innerhalb der Galaxie.

Die Untersuchung ist Teil einer breiteren Forschungsinitiative, die klären soll, unter welchen Bedingungen die ersten Sterne, sogenannte Population-III-Sterne, entstanden sind. Diese urzeitlichen Sterne unterscheiden sich stark von heutigen Sternen wie unserer Sonne, die zur jüngeren Population-I-Gruppe gehören.

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Wie moderne Sternentstehungsregionen, etwa der Orion- oder der Carina-Nebel, zeigt auch Y1 stark leuchtende Wolken aus Gas und Staub, die von der Strahlung junger, massereicher Sterne zum Glühen gebracht werden. ALMAs hohe Empfindlichkeit, insbesondere im sogenannten Band 9, machte es möglich, die Staubtemperatur auf etwa minus 180 Grad Celsius zu bestimmen. Trotz dieser "kosmischen Kälte" liegt sie deutlich über den Temperaturen vergleichbarer Galaxien.

Für Yoichi Tamura von der Universität Nagoya ist dies ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Y1 zu den extremsten bekannten Sternfabriken zählt. Die Forschenden vermuten zudem, dass ähnliche Galaxien im frühen Universum keine Seltenheit waren - bislang jedoch im Dunkeln bleiben. Obwohl der Beobachtungszeitraum nur einen kurzen Moment der kosmischen Geschichte abbildet, gehen Astrophysiker davon aus, dass solche intensiven Sternentstehungsphasen häufiger vorkamen. Das Team plant nun, gezielt nach weiteren Beispielen zu suchen und Y1 mithilfe zukünftiger ALMA-Beobachtungen noch detaillierter zu analysieren.

Zusammenfassung
  • Galaxie Y1 bildet 180-mal schneller neue Sterne als unsere Milchstraße
  • Entdeckung könnte rasantes Wachstum junger Galaxien im frühen All erklären
  • Forschende analysierten kosmischen Staub mittels ALMA-Observatorium in Chile
  • Trotz extremer Kälte von -180 Grad Celsius ist Y1 wärmer als vergleichbare Galaxien
  • Fund stammt aus einer Zeit rund 800 Millionen Jahre nach dem Urknall
  • Beobachtungen deuten auf bisher verborgene produktive Epoche der Sternentstehung hin
  • Wissenschaftler planen weitere Untersuchungen ähnlicher kosmischer Sternfabriken

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