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Kabellose Zukunft: In Tokio fließt Strom über Licht statt Leitungen

Forscher haben ein System entwickelt, das mit Licht kleine Geräte versorgt. Eine adaptive Optik bündelt Infrarotstrahlen präzise auf kleine Solarzellen - automatisch, sicher und sogar im Dunkeln. So entsteht kabellose Energieübertragung für das IoT.
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Automatische Energie aus Licht

Im Labor des Institute of Science in Tokio arbeitet ein System, das Licht in Strom verwandelt - und das ganz ohne Kabel oder Batterien. Entwickelt wurde es von Mingzhi Zhao und Tomoyuki Miyamoto, die zeigen, wie sich Geräte im "Internet der Dinge" künftig selbst versorgen könnten: durch gezielte Energieübertragung über Infrarotlicht, automatisch gesteuert und selbst bei völliger Dunkelheit funktionsfähig.

Der Unterschied zu früheren Konzepten liegt in der Lichtquelle. Statt eines Lasers, der in Innenräumen zu gefährlich wäre, nutzt das System eine leistungsstarke LED. Ihr breiter Lichtkegel wird durch eine Kombination aus zwei Linsen gebündelt - eine davon ist flüssig und kann ihre Brennweite in Echtzeit verändern. So bleibt der Lichtfleck auch über mehrere Meter hinweg klein und energiegeladen. Auf diese Weise lassen sich kleine Photovoltaikzellen noch in bis zu fünf Metern Entfernung zuverlässig mit Strom versorgen.


Damit der Lichtstrahl seine Empfänger trifft, setzt das System auf eine Art mechanisches Auge. Zwei drehbare Spiegel lenken den Strahl, während eine Intel RealSense-Tiefenkamera fortlaufend überwacht, wo sich die Mini-Solarzellen befinden. Das Besondere: Die Anlage funktioniert bei Tag und Nacht. Unter Lichtbedingungen erkennt sie die Zellen über Farbbilder, im Dunkeln über Infrarotreflexionen von winzigen Retroreflektoren, die an den Empfängern angebracht sind - sie reflektieren das ausgesandte Muster der Kamera präzise zurück.

Gesteuert wird das Ganze durch eine lernfähige Bildanalyse-KI, die tausende reale Szenen ausgewertet hat, um Form und Kontur der Photovoltaikflächen sicher zu erkennen. In den Experimenten fand sie ihre Ziele in praktisch jeder Situation - selbst wenn sich die Empfänger bewegten oder der Raum plötzlich abgedunkelt wurde. Das System schaltet innerhalb von weniger als 50 Millisekunden zwischen Tag- und Nachtmodus und hält die Energieübertragung ohne Unterbrechung aufrecht.

Licht statt Kabel

Die Forscher konnten zeigen, dass mehrere Zellen gleichzeitig geladen werden können. Trotz der noch begrenzten optischen Effizienz von rund 56 Prozent gelang eine stabile Energieversorgung auf Distanzen, die für Innenräume völlig ausreichen. Verbesserungen an der Linsenkonstruktion sollen den Wirkungsgrad künftig auf über 80 Prozent steigern. Gefördert wird das Projekt durch die Japan Science and Technology Agency, die Tsurugi-Photonics Foundation und die Takahashi Industrial and Economic Research Foundation.

Die Idee einer optischen Stromleitung ohne Kabel gewinnt mit dem Projekt interessante Gestalt. Was bislang als Laborversuch galt, zeigt reale Alltagstauglichkeit: ein System, das Licht intelligent bündelt, Ziele selbst findet und sogar im Dunkeln weiterlädt. Für die Welt vernetzter Sensoren und Geräte könnte das den wichtigen Schritt bedeuten - hin zu einer Infrastruktur, die Energie wie WLAN Signale verteilen kann.

Was ist das Internet der Dinge?
Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) bezeichnet die Vernetzung physischer Objekte mit dem Internet, sodass diese Geräte Daten sammeln, austauschen und autonom handeln können. Von Haushaltsgeräten über Industriemaschinen bis zu Stadtinfrastruktur - immer mehr Dinge werden "smart".

Die Vision: Objekte kommunizieren miteinander ohne menschliches Zutun. Der Kühlschrank bestellt Milch nach, wenn sie zur Neige geht. Die Heizung regelt sich basierend auf Wetterdaten und Anwesenheit. Fabriken optimieren ihre Produktion in Echtzeit.

Schätzungen gehen von 20-50 Milliarden vernetzten Geräten bis 2030 aus. Diese Entwicklung verändert Wirtschaft, Alltag und Gesellschaft grundlegend - mit großen Chancen, aber auch erheblichen Risiken.
Wie funktioniert das Internet der Dinge technisch?
IoT-Geräte bestehen aus Sensoren (erfassen Daten wie Temperatur, Bewegung, Feuchtigkeit), Prozessoren (verarbeiten Informationen), Kommunikationsmodulen (WLAN, Bluetooth, Mobilfunk) und oft Aktoren (führen Aktionen aus).

Die gesammelten Daten werden an Cloud-Plattformen übertragen, wo sie analysiert, gespeichert und für Entscheidungen genutzt werden. Künstliche Intelligenz erkennt Muster und kann Vorhersagen treffen oder automatisch reagieren.

Wichtige Technologien sind energiesparende Funkstandards wie LoRaWAN oder NB-IoT für batteriebetriebene Sensoren, Edge Computing für lokale Datenverarbeitung und standardisierte Protokolle wie MQTT für effiziente Kommunikation zwischen Geräten.
Welche Anwendungsbereiche gibt es?
Smart Home umfasst vernetzte Thermostate, Beleuchtung, Sicherheitssysteme und Sprachassistenten. Nutzer steuern ihr Zuhause per App oder Sprachbefehl, Systeme lernen Gewohnheiten und passen sich automatisch an.

In der Industrie 4.0 überwachen Sensoren Maschinen kontinuierlich, erkennen Verschleiß frühzeitig und ermöglichen vorausschauende Wartung. Produktionslinien kommunizieren miteinander und optimieren Abläufe selbstständig - das steigert Effizienz und reduziert Ausfälle.

Weitere Bereiche: Landwirtschaft (Bodensensoren, Bewässerungssteuerung), Gesundheit (Fitness-Tracker, medizinische Überwachung), Verkehr (vernetzte Fahrzeuge, intelligente Ampeln), Energie (Smart Grids) und Smart Cities (Müllentsorgung, Parkplatzmanagement).
Welche Sicherheits- und Datenschutzprobleme bestehen?
Viele IoT-Geräte haben gravierende Sicherheitslücken: Standardpasswörter werden nicht geändert, Software-Updates fehlen, Verschlüsselung ist unzureichend. Hacker können Geräte kapern und für Angriffe missbrauchen - etwa im Mirai-Botnet, das 2016 große Teile des Internets lahmlegte.

Datenschutz ist kritisch: Vernetzte Geräte sammeln intimste Informationen über Gewohnheiten, Aufenthaltsorte und Gesundheitszustände. Oft ist unklar, wer diese Daten erhält, wie lange sie gespeichert werden und wofür sie genutzt werden.

Hersteller priorisieren häufig schnelle Markteinführung über Sicherheit. Viele Billiggeräte erhalten nie Updates und bleiben dauerhaft verwundbar. Auch die schiere Menge vernetzter Geräte macht umfassende Sicherheit zur Herausforderung.
Wie entwickelt sich das IoT in Zukunft?
5G-Mobilfunk ermöglicht Echtzeitkommunikation mit minimalen Verzögerungen und kann Millionen Geräte pro Quadratkilometer vernetzen. Dies ist Voraussetzung für autonome Fahrzeuge, Telemedizin und komplexe Industrieanwendungen.

Edge Computing verlagert Datenverarbeitung näher an die Geräte statt alles in entfernte Cloud-Rechenzentren zu schicken. Das reduziert Latenz, spart Bandbreite und verbessert Datenschutz, da sensible Informationen lokal bleiben können.

Regulierung nimmt zu: Die EU arbeitet an Sicherheitsstandards für IoT-Geräte, Datenschutzgesetze werden verschärft. Gleichzeitig entwickeln sich neue Geschäftsmodelle - von "As-a-Service"-Angeboten bis zu datenbasierten Plattformen, die ganze Ökosysteme vernetzen.
Zusammenfassung
  • Forscher in Tokio entwickeln System zur Stromübertragung durch Licht
  • Infrarotlicht wird präzise durch adaptive Optik auf kleine Solarzellen gebündelt
  • Intelligente Steuerung erkennt Empfänger mittels Kamera und KI bei Tag und Nacht
  • System erreicht momentan 56 Prozent Effizienz und funktioniert bis zu fünf Meter
  • Mehrere Geräte können gleichzeitig und kabellos mit Energie versorgt werden
  • Technologie könnte batterie- und kabellose IoT-Geräte in Zukunft ermöglichen
  • Gefördert wird das vielversprechende Projekt durch japanische Stiftungen

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