Ukraine macht Krieg zum Videospiel:
Punkte für getötete Soldaten

Die Ukraine hat ein Gaming-ähnliches Punktesystem für Drohneneinheiten entwickelt: Soldaten sammeln Punkte für erfolgreiche Angriffe und tauschen diese gegen neue Waffen ein - ein System, das bereits auf andere Militärbereiche ausgeweitet wird.
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Kriegsführung wird zum Videospiel

Das ukrainische Militär hat ein neuartiges Belohnungssystem entwickelt, das Drohneneinsätze in eine Art Computerspiel-Wettbewerb verwandelt. Das "Army of Drones Bonus System" vergibt Punkte für erfolgreiche Angriffe, die Soldaten gegen neue Ausrüstung eintauschen können. Mit Erfolg: Die Teilnehmerzahl explodierte von 95 Drohneneinheiten im August auf 400 im September.

Allein im September sollen Drohnenteams unter diesem System 18.000 russische Soldaten getötet oder verwundet haben. Die Punkte können im Online-Shop "Brave1" gegen über 100 verschiedene Drohnentypen, autonome Fahrzeuge und elektronische Kampfsysteme eingetauscht werden. Teams mit Namen wie "Achilles" oder "Phoenix" führen öffentliche Bestenlisten an.

Wie The Guardian berichtete, liefert das System bereits erhebliche Datenmengen für die Analyse der "Mathematik des Krieges". Jeder Angriff muss durch Videoaufnahmen bestätigt werden, wodurch die Ukraine verstehen kann, welche Waffen und Taktiken am effektivsten sind. Das Konzept erinnert stark an moderne Videospiele, bei denen Spieler durch Erfolge Belohnungen freischalten. Ukraine: Army of Drones Bonus SystemIm 'Online-Store' für Drohnen können die Punkte gegen neue Ausrüstung eingetauscht werden

Punktesystem wird ausgeweitet

Das System expandiert nun auf Artillerie-, Aufklärungs- und Logistikteams, wie der erste stellvertretende Ministerpräsident Mychajlo Fedorow mitteilte. Aufklärungseinheiten erhalten Punkte für das sogenannte "Uber-Targeting" - sie markieren Ziele auf einer Karte, die dann von Drohnen anderer Einheiten angegriffen werden. Artillerieeinheiten sammeln Punkte für bestätigte Treffer, Logistikteams für den Einsatz autonomer Fahrzeuge anstelle menschlicher Fahrer.

Die Punktevergabe folgt klaren Regeln, kann aber auch als zynisch betrachtet werden: Für jeden getöteten Infanteristen gibt es zwölf Punkte - doppelt so viele wie im Vorjahr. Das Töten eines feindlichen Drohnenpiloten bringt 25 Punkte, während die Gefangennahme eines russischen Soldaten mit 120 Punkten belohnt wird. Diese Gewichtung spiegelt Ukraines Bedarf an Kriegsgefangenen für Austauschgeschäfte wider.

Ethische Bedenken

Das System hat erwartungsgemäß auch Kritiker, die warnen, dass das Töten durch das System "weniger real" wirken könne und Soldaten emotional abstumpfen. Fedorow rechtfertigt den Ansatz pragmatisch: "Je mehr Infanterie du tötest, desto mehr Drohnen bekommst du, um noch mehr Infanterie zu töten. Das wird zu einer Art sich selbst verstärkendem Kreislauf."

NATO-Experten warnen allerdings, dass die starke Abhängigkeit von Drohnen möglicherweise nicht nachhaltig sei, da russische Abwehrmaßnahmen gegen unbemannte Luftangriffe immer effektiver werden. Gleichzeitig zeigt das System, wie sich moderne Kriegsführung durch Digitalisierung und Gamification-Elemente verändert.

Das ukrainische Gaming-System zeigt, wie sich moderne Kriegsführung durch Digitalisierung verändert. Was meint ihr zu dieser Entwicklung - revolutionärer Ansatz oder problematische Entmenschlichung des Krieges?

Zusammenfassung
  • Ukrainisches Militär führt spielähnliches Punktesystem für Drohnenangriffe ein
  • Soldaten sammeln Punkte für erfolgreiche Angriffe, die gegen neue Ausrüstung getauscht werden
  • Teilnehmerzahl stieg von 95 Drohneneinheiten im August auf 400 im September
  • Angriffe müssen durch Videoaufnahmen bestätigt werden und liefern wertvolle Daten
  • System wird auf Artillerie-, Aufklärungs- und Logistikteams ausgeweitet
  • Für jeden getöteten Infanteristen gibt es zwölf Punkte, für Gefangennahmen 120
  • Kritiker warnen vor emotionaler Abstumpfung der Soldaten durch Gamifizierung

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