Jedes Haus eine CO2-Falle:
Bekannte Filter werden zur Klimamaschine

Kohlenstoffnanofasern könnten zum Klimafilter werden: Forscher der University of Chicago haben ein neues Material entwickelt, das CO₂ direkt aus der Raumluft zieht - über Lüftungsanlagen in Ge­bäu­den, regenerierbar einfach mit Sonnenlicht oder Strom.
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Neue Nanofilter machen Gebäude zu CO₂-Staubsaugern

In Klimaanlagen und Belüftungssystemen strömen täglich riesige Luftmengen vorbei. Die Forscher beschichten die Filtermatten darin mit Kohlenstoffnanofasern (CNF) - extrem feinen, elektrisch leitfähigen Fasern, die aus Kunststoff durch Erhitzen gewonnen werden - und einer zweiten Substanz namens Polyethylenimin (PEI), einem Stoff, der stark mit Kohlendioxid reagiert. So bleibt das CO₂ chemisch gebunden, während die restliche Luft weiterströmt.

Im Labor konnte laut der Veröffentlichung in Science ein Gramm dieses Materials bis zu vier Millimol CO₂ aufnehmen - das entspricht etwa 0,18 Gramm Gas. Das ist für Direkt-Luftfilter ein hoher Wert, vor allem, weil er auch bei normaler Luftfeuchtigkeit erreicht wird. Herkömmliche Anlagen, die große Luftmengen verarbeiten, schaffen oft nur einen Bruchteil davon oder benötigen spezielle chemische Flüssigkeiten.


Nach einiger Zeit ist der Filter "voll". Regeneration bedeutet hier: Das gebundene CO₂ wird wieder gelöst, damit der Filter weiterarbeiten kann. Dafür muss das Material auf etwa 80 °C erhitzt werden - deutlich weniger als bei vielen industriellen Verfahren, die teils über 200 °C benötigen.

Die Kohlenstofffasern helfen dabei gleich doppelt: Sie nehmen 94 Prozent des Sonnenlichts auf und leiten Strom. Dadurch lässt sich der Filter entweder direkt durch Sonnenwärme oder durch kurzen Stromimpuls regenerieren - ganz ohne schwere Heizsysteme. In Tests blieb die Leistung auch nach 40 Wiederholungen weitgehend stabil.

Jedes Haus ein CO₂-Filter

Eine Lebenszyklus-Analyse zeigt: Wird der Filter mit Solarenergie betrieben, bleiben 92 Prozent des eingefangenen CO₂ dauerhaft gebunden. Die Kosten lägen laut Berechnung zwischen 209 und 668 US-Dollar pro Tonne - also im Bereich moderner Großanlagen zur CO₂-Abscheidung. Hochgerechnet auf alle Lüftungssysteme weltweit könnten so jährlich bis zu 596 Millionen Tonnen CO₂ eingefangen werden - etwa zwei Prozent der globalen Emissionen.

Die Forschenden sehen darin keinen Ersatz, sondern eine Ergänzung zu großen CO₂-Anlagen. Ihre Idee: Wenn jedes Gebäude über seine Lüftung mitarbeitet, entsteht ein stilles, globales Netz von Klimafiltern - verteilt, effizient und unscheinbar wie ein gewöhnlicher Luftzug.

Was ist CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS)?
CCS (Carbon Capture and Storage) bezeichnet einen Prozess, bei dem Kohlendioxid aus der Umwelt oder direkt an fossilen CO₂-Emissionsquellen abgeschieden, aufbereitet, komprimiert und zu Speicherstätten transportiert wird.

Das abgeschiedene CO₂ wird dann dauerhaft in geologischen Formationen wie tiefen salzwasserführenden Grundwasserleitern oder ausgeförderten Erdöl- und Erdgaslagerstätten gespeichert.

Ziel ist es, das CO₂ dem natürlichen Kreislauf in der Atmosphäre möglichst langdauernd zu entziehen und damit den Treibhauseffekt zu reduzieren.
Welche Abscheidungsverfahren gibt es?
Post-Combustion-Verfahren trennen CO₂ nach der Verbrennung aus dem Abgas ab, meist durch CO₂-Wäsche mit Aminen oder Carbonaten. Die Abscheiderate liegt bei bis zu 95 Prozent, der Wirkungsgrad sinkt jedoch um 8-12 Prozentpunkte.

Pre-Combustion-Verfahren werden in IGCC-Kraftwerken eingesetzt: Kohle wird vergast, das entstehende CO und Wasserdampf reagieren zu CO₂ und H₂, dann wird das CO₂ vor der Verbrennung entfernt.

Oxyfuel-Verfahren verbrennen Kohle in reinem Sauerstoff statt Luft. Das Abgas besteht hauptsächlich aus CO₂ und Wasserdampf, wodurch hoch konzentriertes CO₂ (nahe 100 Prozent) gewonnen werden kann.
Wo und wie wird CO₂ gespeichert?
Tiefe salinare Aquifere (salzwasserführende Schichten) ab 800m Tiefe sind die favorisierten Lagerstätten. Dort herrscht Druck, der CO₂ im überkritischen Zustand hält, und undurchlässige Deckschichten verhindern das Entweichen.

Ausgediente Erdöl- und Erdgaslagerstätten bieten bereits bewährte Dichtigkeit. In Deutschland wird die Speicherkapazität auf etwa 20 Milliarden Tonnen geschätzt - genug für 30-60 Jahre deutsche Kraftwerksemissionen.

Experimentell wird auch die Mineralisierung in Basaltgestein erforscht: Das CarbFix-Projekt in Island zeigte, dass 95 Prozent des injizierten CO₂ innerhalb von 1,5 Jahren zu Mineralien wie Calcit wurden.
Welche Risiken und Nachteile hat CCS?
Der Wirkungsgradverlust beträgt etwa 10 Prozentpunkte, was 30-50 Prozent höheren Brennstoffverbrauch bedeutet. CCS-Kraftwerke produzieren nur etwa 70 Prozent weniger CO₂-Emissionen, nicht null Emissionen.

Leckagen sind problematisch: Bereits 0,01 Prozent jährliche Leckrate können die Klimawirkung zunichtemachen. Plötzliches CO₂-Zutagetreten kann erstickend wirken, wie das Nyos-Unglück 1986 zeigte.

Das verdrängte Salzwasser kann Grundwasser kontaminieren und Schwermetalle aus Gesteinen lösen. Induzierte Erdbeben durch hohen Verpressungsdruck sind möglich, wie Studien der Stanford University zeigen.
Wie ist der aktuelle Stand von CCS weltweit?
Ende 2015 waren weltweit nur 13 größere CCS-Projekte in Betrieb mit 26 Millionen Tonnen CO₂/Jahr - weniger als ein Tausendstel der globalen Emissionen. Viele geplante Projekte wurden gestoppt oder verzögert.

Norwegen ist Vorreiter: Sleipner speichert seit 1996 jährlich 1 Million Tonnen CO₂, Snøhvit seit 2008 etwa 700.000 Tonnen. 2023 startete Dänemark mit der Speicherung belgischen CO₂ in der Nordsee.

Deutschland hat 2012 ein CCS-Gesetz verabschiedet, das nur 4 Millionen Tonnen CO₂/Jahr erlaubt. Viele Bundesländer nutzen die Länderklausel für generelle Verbote. Die meisten deutschen CCS-Projekte wurden eingestellt.
Zusammenfassung
  • Neuartiger CO₂-Filter aus Kohlenstoffnanofasern und Polyethylenimin
  • Filter in Lüftungsanlagen fangen Kohlendioxid direkt aus der Raumluft
  • Ein Gramm des Materials nimmt bis zu 0,18 Gramm CO₂ bei normaler Luftfeuchte
  • Regeneration durch Sonnenenergie oder Stromimpulse bei nur 80 °C möglich
  • Weltweite Anwendung könnte jährlich 596 Millionen Tonnen CO₂ binden
  • Kosten zwischen 209 und 668 US-Dollar pro Tonne CO₂ sind konkurrenzfähig
  • Dezentrales System ergänzt große CO₂-Abscheideanlagen sinnvoll

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