Nach 100 Jahren: Ampeln könnten sich bald wieder elementar verändern

Forscher schlagen vor, Ampeln mit einer vierten Farbe auszustatten: Weiß. Das soll für einen deutlich besseren Verkehrsfluss sorgen und hängt mit der in Zukunft steigenden Anzahl autonomer Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen zusammen.
Licht, Straßenverkehr, Signal, Ampel, weiß, Verkehrsfluss

Vierte Ampelfarbe im Gespräch

Ampeln sind schon seit knapp hundert Jahren ein fester Bestandteil des deutschen Straßenverkehrs. Doch in letzter Zeit verändern sich die bunten Lichtsignale. Mehrere Städte und Kommunen wie Hamm oder Essenbach testen etwa KI-Ampeln und stellen damit die Geduld der Autofahrer teils hart auf die Probe. Schon vor einiger Zeit haben Forscher der North Carolina State University zudem eine Idee hervorgebracht, die Ampeln revolutionieren soll.

Die Wissenschaftler plädieren für eine vierte, weiße Ampelphase. Die soll den Verkehrsfluss erheblich verbessern. Das weiße Licht würde immer dann aufleuchten, wenn mehrere autonome Fahrzeuge an einer Kreuzung zusammenkommen. Dann sollen die Autos untereinander ausmachen, wer fahren darf und wer warten muss.


Das Konzept funktioniert über drahtlose Kommunikation zwischen den autonomen Fahrzeugen und der Ampelanlage. Sobald eine kritische Anzahl selbstfahrender Autos erkannt wird, schaltet die Ampel auf Weiß. Menschliche Fahrer müssten dann lediglich dem Fahrzeug vor ihnen folgen. Stoppt es, stoppen sie, fährt es weiter, fahren sie ebenfalls.

Die Idee einer vierten Ampelfarbe ist nicht völlig neu. Bereits in den 1990er Jahren diskutierten Verkehrsexperten über zusätzliche Signale für intelligente Verkehrssysteme. Professor Ali Hajbabaie von der North Carolina State University erklärte laut BBC Science Focus, dass die zusätzliche weiße Ampelphase autonomen Fahrzeugen ermöglichen könnte, den Verkehrsfluss zu kontrollieren und die Reisezeit zu verbessern.

Erhebliche Verbesserungen

Die Simulationsergebnisse der Forschergruppe sind vielversprechend. Bereits bei nur zehn Prozent autonomen Fahrzeugen reduzieren sich Verzögerungen um drei Prozent, bei 30 Prozent autonomen Fahrzeugen sogar um 10,7 Prozent. Das System basiert dabei auf dem sogenannten "Mobile Control Paradigm", bei dem die Rechenleistung der autonomen Fahrzeuge selbst genutzt wird.

Die Autos tauschen dabei kontinuierlich Informationen über Geschwindigkeit, Position und Fahrtrichtung aus und treffen gemeinsam Entscheidungen in Sekundenbruchteilen. Diese Vehicle-to-Infrastructure-Kommunikation (V2I) ermöglicht es, dass autonome Fahrzeuge als eine Art dezentrales Verkehrsmanagementsystem fungieren.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass das System auch bei gemischtem Verkehr funktionieren soll. Während autonome Fahrzeuge die Koordination übernehmen, können herkömmliche Fahrzeuge in der Theorie einfach dem Verkehrsfluss folgen, ohne spezielle Technologie zu benötigen.

Erste Tests in kontrollierten Umgebungen geplant

Das Forscherteam bereitet bereits die ersten Tests des neuen Systems vor, die in kontrollierten Bereichen stattfinden sollen, wo autonome Fahrzeuge bereits regelmäßig unterwegs sind. Erste Testorte könnten etwa Häfen sein, da dort viel Verkehr herrscht, aber kaum Fußgänger unterwegs sind.

Die Farbe Weiß ist dabei nicht in Stein gemeißelt. Die Forscher sagten, jede leicht erkennbare Farbe könne als viertes Signal dienen, aber Weiß werde bevorzugt, da es unter allen Bedingungen sichtbar ist und natürlich mit Rot, Gelb und Grün kontrastiert.

Historisch gesehen haben sich Ampelfarben über mehr als ein Jahrhundert entwickelt. Die ersten Verkehrsampeln aus dem Jahr 1868 in London verwendeten nur Rot und Grün. Gelb kam erst 1920 in Detroit hinzu. Eine vierte Farbe wäre somit die erste große Erweiterung des Systems seit über 100 Jahren.

Praktische Umsetzung noch Jahre entfernt

Sollte es jemals zu einer praktischen Umsetzung auf öffentlichen Straßen kommen, dürften noch Jahre vergehen. Obwohl autonome Fahrzeuge bisher nicht ausgestattet sind, den neuen Ansatz zu übernehmen, wäre die Implementierung relativ unkompliziert und würde 'nur' die Änderung der Ampeln an Kreuzungen und Software-Updates für die Autos erfordern.

Die größte Herausforderung liegt daher nicht in der Technik, sondern in der Standardisierung und rechtlichen Anerkennung. Verkehrsregeln müssten international angepasst werden, und Fahrschulen müssten die neue Ampelfarbe in ihre Lehrpläne aufnehmen.

Das Konzept zeigt allerdings, wie sich die Verkehrsinfrastruktur an die wachsende Präsenz autonomer Fahrzeuge anpassen könnte und verspricht nicht nur weniger Staus, sondern auch geringeren Kraftstoffverbrauch und weniger Emissionen. Experten schätzen, dass eine flächendeckende Einführung frühestens in den 2030er Jahren realistisch wäre, wenn autonome Fahrzeuge einen signifikanten Marktanteil erreicht haben.

Was haltet ihr von der Idee einer vierten Ampelfarbe? Seht ihr das als sinnvolle Ergänzung für die Zukunft oder eher als unnötige Komplikation?

Zusammenfassung
  • Forscher planen weiße Ampelphase für selbstfahrende Fahrzeuge
  • Weiße Ampelfarbe soll bei Kreuzungen mit autonomen Autos aktiviert werden
  • Fahrzeuge kommunizieren untereinander und entscheiden selbstständig
  • Erste Tests zeigen Verzögerungsreduktion von bis zu 10,7 Prozent
  • System funktioniert auch bei gemischtem Verkehr mit konventionellen Autos
  • Weiße Signalfarbe kontrastiert optimal mit den bestehenden Ampelfarben
  • Umsetzung frühestens in den 2030er Jahren nach Standardisierung möglich

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Interessante Artikel & Testberichte
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!