Strom für Datenzentren: Kernkraft viel teurer als grüne Microgrids

Der weltweite Ausbau von Rechenzentren für KI-Systeme sorgt zu­nehmend für Diskussionen über deren Energieversorgung. Diverse Betreiber wollen verstärkt auf Kernkraft setzen - und sind damit auf einem falschen Weg, wie aktuelle Untersuchungen zeigen.
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Vielfalt statt Monokultur

Eine aktuelle Analyse des britischen Forschungsinstituts Centre for Net Zero (CNZ), die dem britischen Magazin The Register vorliegt, kommt zu dem Ergebnis, dass erneuerbare Energien deutlich kostengünstiger eingesetzt werden könnten als etwa kleine modulare Atomreaktoren (SMR). Das hat dann entsprechende Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit in dem stark umkämpften Markt.

Nach den Berechnungen würde der Betrieb eines 120-Megawatt-Rechenzentrums mit einem Mix aus Offshore-Windkraft, Solaranlagen, Batteriespeichern und ergänzender Gasenergie rund 43 Prozent weniger kosten als die Stromversorgung durch ein SMR. Ein solcher lokaler Energieverbund, eine sogenannte Microgrid-Struktur, sei nicht nur günstiger, sondern auch schneller zu realisieren. Während der Bau und die Inbetriebnahme von SMRs frühestens im kommenden Jahrzehnt erwartet werden, könnten erneuerbare Microgrids in etwa fünf Jahren bereitstehen.


Die Forscher stützen sich dabei auf Modellierungen mit dem Open-Source-Tool PyPSA. Demnach könnten Windkraftanlagen auf See den Großteil des Strombedarfs eines großen Rechenzentrums decken. Batteriespeicher würden kurzfristige Schwankungen ausgleichen, während Gaskraftwerke lediglich als Reserve einspringen müssten. Je stärker die Speichertechnologien ausgebaut werden, desto geringer wäre die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern - ein Trend, der sich angesichts schnell sinkender Speicherpreise verstärken dürfte.

Erneuerbare sind schneller

Das CNZ betont, dass seine Untersuchung zwar auf den britischen Energiemarkt zugeschnitten ist, die Ergebnisse aber auch international Gültigkeit haben könnten. Denn nicht nur in Großbritannien, sondern weltweit steigt der Strombedarf durch Elektromobilität, Digitalisierung und vor allem durch die rasch wachsende Zahl an KI-Rechenzentren.

CNZ-Direktorin Izzy Woolgar erklärte, die Studie belege, dass "bewährte erneuerbare Technologien die kurzfristigen Anforderungen des KI-Sektors schneller und günstiger erfüllen können als nukleare Alternativen". SMRs könnten zwar langfristig Teil des Energiemixes werden, doch vor allem kurzfristig biete der Einsatz erneuerbarer Energien die realistischere Lösung.

Zusammenfassung
  • Erneuerbare Energien für Rechenzentren 43 Prozent günstiger als Atomkraft
  • Microgrids aus Wind, Solar und Batterie effizienter als modulare Atomreaktoren
  • Erneuerbare Energiequellen in fünf Jahren einsatzbereit, SMRs erst im nächsten Jahrzehnt
  • Modellierungen mit PyPSA zeigen Überlegenheit von Offshore-Windkraft für Datenzentren
  • Sinkende Preise für Speichertechnologien verstärken den Trend zu erneuerbaren Energien
  • CNZ-Studie betont globale Anwendbarkeit der Ergebnisse bei steigendem Energiebedarf
  • Direktorin Woolgar: Bewährte erneuerbare Technologien erfüllen KI-Anforderungen besser

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