Kuriose Wendung: 4chan verklagt jetzt eine britische Behörde

Die berüchtigten Online-Foren 4chan und Kiwi Farms sind meist eher selbst Ziel von Klagen. Jetzt aber ziehen die Betreiber der Platt­formen selbst vor Gericht. Ihr Gegner ist die britische Re­gu­lie­rungs­behörde Ofcom mit ihrer Forderung nach mehr Jugendschutz.
Internet, Forum, 4chan
4chan

Streit um Jugendschutz

Hintergrund ist der neue britische Online-Safety-Act, berichtet das US-Magazin 404media. Dieser verpflichtet Webseiten dazu, umfangreiche Altersverifikationen einzuführen - auch dann, wenn sie ihren Sitz außerhalb des Vereinigten Königreichs haben.

In der am Mittwoch vor einem US-Bundesgericht eingereichten Klage argumentieren die Betreiber der Plattformen 4chan und Kiwi Farms, dass sie ausschließlich in den Vereinigten Staaten ansässig seien und keinerlei geschäftliche Präsenz in Großbritannien hätten. Entsprechend seien sie auch nicht an britisches Recht gebunden.


Die von Ofcom angedrohten Strafen - unter anderem tägliche Bußgelder von über 23.000 Euro gegen 4chan - bezeichneten die Kläger als unzulässige Eingriffe in die US-amerikanische Redefreiheit. In dem Verfahren werfen die Foren Ofcom vor, sich zu einer Art "globalem Zensurbüro" aufzuschwingen. Die Behörde wolle faktisch den gesamten weltweiten Internetverkehr überwachen und regulieren, unabhängig davon, ob Webseiten eine Verbindung zum Vereinigten Königreich hätten oder nicht.

Gesetz ist problematisch

Ofcom verweist dagegen darauf, dass sich das Gesetz nur auf Dienste beziehe, die Nutzende in Großbritannien ansprechen oder erreichbar machen. Das heißt: Würden die Foren also Filter installieren, die britischen Nutzern den Zugang verwehren, gäbe es kein Problem.

Der Online Safety Act verlangt von Online-Plattformen teils invasive Prüfungen, um das Alter ihrer Nutzer festzustellen. Dazu gehört häufig das Hochladen von Ausweisdokumenten oder biometrischen Daten. Kritiker wie die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation warnen vor massiven Eingriffen in die Privatsphäre und einer Aushöhlung der Meinungsfreiheit. Zudem könnten viele Menschen vom Zugang ausgeschlossen werden, wenn sie keinen entsprechenden Nachweis erbringen können.

4chan und Kiwi Farms gelten seit Jahren als Sammelbecken für anonyme Internetnutzer und stehen immer wieder in der Kritik, weil von dort aus gezielte Belästigungs- und Doxing-Kampagnen organisiert wurden. Dass ausgerechnet diese Plattformen nun zu den schärfsten Gegnern des britischen Gesetzes werden, sorgt für zusätzliche Kontroversen.

Zusammenfassung
  • 4chan und Kiwi Farms verklagen britische Behörde Ofcom wegen Jugendschutz
  • Britischer Online Safety Act fordert umfangreiche Altersverifikationen weltweit
  • Plattformen argumentieren gegen die Anwendbarkeit britisches Rechts in den USA
  • Ofcom droht mit täglichen Bußgeldern von über 23.000 Euro gegen 4chan
  • Kritiker warnen vor Eingriffen in Privatsphäre und Meinungsfreiheit
  • Kontroverse Foren werden überraschend zu Gegnern britischer Regulierung

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!