Strahlenbohrer läuft: Next-Gen-Bohrtechnik schmilzt 100m tiefes Loch

Tief unter der Erde schlummert eine nahezu unerschlossene Energiequelle. Nicht Öl, nicht Gas - sondern Hitze. Das Problem: die optimalen Schichten sind mit Bohrern oft schwer zu erreichen. Jetzt gibt es eine Lösung: ein Bohrer, der Stein per Strahlen schmilzt.
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Quaise Energy

Neue Strahlen-Technologie bohrt 100 m tief in Granit

Seit Jahrzehnten gilt die tiefe Geothermie als technische Herausforderung. Die Temperaturquellen, die wirklich zählen - weit über 400 Grad Celsius - liegen so tief und verborgen, dass normale Bohrer längst aufgeben. Der Fels ist zu hart, der Verschleiß zu groß, die Kosten zu hoch. Und doch sind genau dort die Energiemengen gespeichert, die fossilen Kraftwerken das Wasser reichen könnten.

Warum so tief bohren? Superkritisches Wasser!
  • Höhere Energiedichte - bis zu zehnmal mehr als konventionelle Geothermie
  • Global verfügbar - fast überall erreichbar in ausreichender Tiefe
  • Emissionsfrei - keine fossilen Brennstoffe, keine CO₂-Emissionen
  • Infrastrukturkompatibel - kann bestehende Kraftwerke, Turbinen und Netze nutzen

Der Wendepunkt kam jetzt aus einem Labor, das einst für Fusionsforschung gedacht war. Ein sogenannter Gyrotron, eine Hochfrequenzquelle für Millimeterwellen, wurde so weiterentwickelt, dass er Gestein kontaktlos verdampfen kann. Kein Bohrkopf mehr, keine Reibung, keine mechanische Belastung - nur Strahlung, die den Stein verdampft.

Der Strahlenbohrer von Quaise

Quaise hat nun gezeigt, dass die Millimeterwellen-Technologie etwas kann, was keine andere Technologie kann: in Rekordzeit perfekt saubere Löcher durch einige der härtesten Gesteinsarten der Erde bohren.
Carlos Araque, CEO Quaise
Was bis in jüngster Vergangenheit nur in wenigen Zentimetern Tiefe unter Laborbedingungen gelang, ist jetzt erstmals im Feldversuch gelungen. Das Unternehmen Quaise Energy hat mit dieser Technologie ein 100 Meter tiefes Bohrloch in Granit abgetragen - also genau in jenem Gestein, das weltweit oft die geothermisch interessanten Zonen abschirmt.

Kontext und Technik

Die Grundidee für Quaise's Bohrtechnik entstand am MIT Plasma Science and Fusion Center. Der Physiker Paul Woskov schlug 2008 vor, Gyrotrons - also Hochleistungsquellen für Millimeterwellen - nicht nur in Plasma-Reaktoren, sondern auch zum kontaktlosen Bohren in Gestein zu verwenden. Aus dem Konzept entstand 2018 das Spin-off Quaise Energy, mit dem Ziel, die Technologie für geothermische Bohrungen zu skalieren.

Die Millimeterwellen werden über einen metallischen Wellenleiter (Waveguide) ins Bohrloch geleitet und erhitzen das Gestein auf Verdampfungstemperatur. Dabei entstehen feine Partikel, die durch einen Gasstrom nach oben transportiert werden - komplett ohne mechanische Bauteile im Untergrund.

Erst ein Anfang

Noch sind 100 Meter ein Anfang. Kommerzielle Bohrungen müssen mehrere Kilometer tief gehen, um das wirklich heiße Gestein zu erreichen. Doch der erste erfolgreiche Feldtest gilt als Durchbruch - weil er zeigt, dass die Technologie nicht nur funktioniert, sondern auch in realen Gesteinsbedingungen besteht.

Bis 2028 will Quaise ein erstes Pilotkraftwerk im Westen der USA realisieren. Dafür wird bereits ein neuer Gyrotron entwickelt - zehnmal so leistungsstark wie der aktuell im Feldtest eingesetzte. Wenn das gelingt, könnte sich ein globales Energieszenario endlich ändern: Superheiße Geothermie, tief in der Erde, wird an vielen Orten endlich nutzbar.

Was ist Geothermie?
Geothermie bezeichnet die in der Erdkruste gespeicherte Wärmeenergie und deren technische Nutzung. Diese Energie stammt hauptsächlich aus dem radioaktiven Zerfall im Erdinneren sowie aus der Restwärme der Erdentstehung.

In Deutschland steigt die Temperatur im Erdreich durchschnittlich um etwa 3 Kelvin pro 100 Meter Tiefe an. Man unterscheidet zwischen oberflächennaher Geothermie (bis 400 Meter Tiefe) und tiefer Geothermie, die für größere Anlagen genutzt wird.
Wie wird Geothermie genutzt?
Geothermie kann zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Bei Privathäusern kommen meist Erdwärmepumpen zum Einsatz, die über Erdsonden (vertikal bis 100 m Tiefe) oder Erdkollektoren (horizontal in 1,2-2 m Tiefe) die Wärme aus dem Boden gewinnen.

Die tiefe Geothermie wird vorwiegend für die Wärmeversorgung ganzer Stadtviertel über Fernwärmenetze oder in geeigneten Regionen auch zur Stromerzeugung genutzt. In Deutschland gibt es aktuell etwa 42 größere Geothermieanlagen, wobei Bayern mit 82 % der elektrischen und 96 % der thermischen Leistung führend ist.
Welche Vorteile bietet Geothermie?
Geothermie gilt als praktisch unerschöpfliche Energiequelle und ist nach menschlichen Maßstäben dauerhaft verfügbar. Sie ist besonders umweltfreundlich, da bei der Energiegewinnung kaum CO₂ entsteht und trägt somit wesentlich zum Klimaschutz bei.

Weitere Vorteile sind die Unabhängigkeit von Wetterbedingungen, die konstante Verfügbarkeit rund um die Uhr und die geringen Betriebskosten im Vergleich zu fossilen Energieträgern. Außerdem ermöglicht Geothermie eine lokale Energieerzeugung und verringert die Abhängigkeit von Energieimporten.
Was kostet eine Erdwärmepumpe?
Die Kosten für eine Erdwärmepumpe im Einfamilienhaus liegen inklusive Erschließung und Installation bei etwa 15.000 bis 45.000 Euro. Der größte Kostenfaktor ist dabei die Bohrung, die etwa 50-100 Euro pro Meter kostet, weshalb Erdwärmesonden teurer sind als flache Erdkollektoren.

Die Betriebskosten hingegen sind mit etwa 600-900 Euro jährlich relativ niedrig. Durch staatliche Förderungen können bis zu 70 % der Anschaffungskosten bezuschusst werden, wodurch sich die Amortisationszeit auf etwa 10-15 Jahre verkürzt.
Welche Risiken gibt es bei Geothermie?
Bei tiefengeothermischen Projekten können Bohrungen zu mikroseismischen Aktivitäten führen, die im schlimmsten Fall leichte Erdbeben auslösen können. In einigen Fällen wurde auch von Baugrundschäden wie Bodensenkungen oder -hebungen berichtet.

Weitere Risiken sind mögliche Veränderungen der Grundwasserqualität und das sogenannte Fündigkeitsrisiko - die Gefahr, trotz Bohrung keine ausreichende Thermalwasserförderrate oder zu geringe Temperaturen anzutreffen. Diese Risiken sind laut Umweltbundesamt jedoch lokal begrenzt und technisch beherrschbar.
Wie steht es um Geothermie in Deutschland?
In Deutschland wurden 2023 etwa 26 Terawattstunden Wärmeenergie und 206 Gigawattstunden Strom aus Geothermie gewonnen. Derzeit deckt Geothermie zusammen mit Umweltwärme etwa 12,5 % der regenerativ erzeugten Wärme, während der Anteil an der Stromerzeugung noch unter 1 % liegt.

Bayern ist mit 24 Anlagen das führende Bundesland bei der Nutzung tiefer Geothermie. Im Bereich der oberflächennahen Geothermie sind bereits über 480.000 Anlagen mit etwa 4.800 MW installierter Leistung in Betrieb. Experten sehen noch ein enormes Ausbaupotenzial für die kommenden Jahre.
Für wen eignet sich Geothermie?
Geothermie eignet sich grundsätzlich für Neubauten und Bestandsgebäude, wobei die Planung im Neubau einfacher ist. Entscheidend sind die geologischen Bedingungen des Grundstücks und ausreichend Platz für die Erschließung der Wärmequelle.

Besonders effizient arbeitet eine Erdwärmepumpe in Kombination mit Niedertemperatur-Heizsystemen wie Fußbodenheizungen. Der größte Nutzen entsteht bei gut gedämmten Häusern. Vor einer Installation sollte ein Bodengutachten erstellt und geprüft werden, ob entsprechende Genehmigungen erteilt werden können.
Wie sieht die Zukunft der Geothermie aus?
Laut Prognosen und der "Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland" könnte Deutschland mithilfe von Geothermie und Großwärmepumpen seinen gesamten Wärmebedarf für Temperaturen bis 200 °C aus CO₂-freien Quellen decken. Besonders im Bereich der Fernwärmeversorgung wird großes Potenzial gesehen.

Technologische Innovationen in der Bohrtechnik und bei Wärmepumpen versprechen zukünftig eine höhere Effizienz bei geringeren Kosten. Mit zunehmender Verbreitung werden Skaleneffekte erwartet, die die Geothermie für mehr Haushalte erschwinglich machen könnten.
Zusammenfassung
  • Revolutionäre Bohrtechnik nutzt Millimeterwellen zum Schmelzen von Gestein
  • Quaise Energy demonstriert 100-Meter-Bohrung in hartem Granit ohne mechanische Teile
  • Gyrotron-Technologie überwindet Grenzen konventioneller Tiefenbohrungen
  • Neue Methode ermöglicht Zugang zu Geothermie-Quellen mit über 400 Grad Celsius
  • Strahlungsbasiertes Bohren verspricht geringeren Verschleiß und niedrigere Kosten
  • Pilotprojekt für geothermisches Kraftwerk in den USA bis 2028 geplant
  • Die Technologie könnte die globale Energiegewinnung durch tiefe Geothermie revolutionieren

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