Geothermie: Wie Fracking-Technologie am Ende das Klima retten kann

Die Öl- und Gas-Industrie könnte einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Klimakrise leisten: Mit den von ihr hervorgebrachten Tiefbohr-Technologien könnte die Geothermie in eine ganz neue Ära eintreten. Solche Projekte treten jetzt in die Praxis ein.
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Tief hinab

Die Nutzung der Erdwärme für die Stromerzeugung beschränkte sich bisher meist auf Regionen mit vulkanischer Aktivität, wie Island, oder zumindest solche mit entsprechender Vorgeschichte - etwa den Oberrheingraben in Deutschland. Denn dort waren heiße Gesteinsschichten recht dicht an der Oberfläche zu finden und leicht zugänglich.

Doch Fortschritte in der Tiefbohrtechnik könnten diese Beschränkung aufheben und die Nutzung der Geothermie weltweit revolutionieren. Schon im Jahr 2006 zeigte eine vom MIT geleitete Studie das enorme Potenzial der Tiefengeothermie auf. Sie könnte eine kontinuierliche, erneuerbare Energiequelle sein, die einige als entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel sehen. Jüngst gab das US-Innenministerium nun auch grünes Licht für das Fervo Energy-Projekt in Utah, das bis zu zwei Gigawatt Energie liefern könnte - genug, um mehr als zwei Millionen Haushalte zu versorgen.


Das US-Unternehmen InnerSpace will deutlich weitergehen und dafür die Expertise aus der Öl- und Gasindustrie nutzen. Ein wesentlicher Vorteil der Geothermie gegenüber Solar- und Windkraft sei ihre ständige Verfügbarkeit. Geothermiekraftwerke können rund um die Uhr Energie liefern, unabhängig von Sonnenschein oder Windstärke. Dies macht sie besonders attraktiv für Anwendungen, die auf eine verlässliche Stromquelle angewiesen sind, wie beispielsweise Rechenzentren. Zudem kann Geothermie flexibel auf Energiebedarfsschwankungen reagieren, was sie zu einer vielversprechenden Lösung für die zukünftige Energieversorgung macht.

Die nächste Generation der Geothermie, wie sie InnerSpace nutzt, wird dabei auf Tiefbohrungen in Tiefen von etwa 3000 bis 9000 Meter setzen - vergleichbar mit den Bohrtiefen in der Öl- und Gasindustrie. Laut Firmengründer Jamie Beard könnte die Öl- und Gasindustrie hier eine Schlüsselrolle spielen, indem sie ihre technischen Fähigkeiten und ihre Infrastruktur zur Förderung der Geothermie nutzen.

Große Möglichkeiten

Beard gerät bereits ins Träumen: Sollte die Öl- und Gasindustrie mit ihrer Technik und ihren finanziellen Ressourcen massiv in Geothermie investieren, könne diese Technologie bis 2050 bis zu 80 Prozent des weltweiten Strombedarfs decken und mehr als 100 Prozent des Wärmebedarfs. Dies erfordere jedoch einen massiven Ausbau der Bohrkapazitäten, ähnlich wie beim Schiefergas-Boom in den USA.

Geothermie, so Beard, sei eine nahezu emissionsfreie Energiequelle, sobald die Kraftwerke erst einmal stehen. Durch die Nutzung von Technologien wie dem hydraulischen Fracking aus der Ölindustrie könnte die Effizienz weiter gesteigert werden - allerdings ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe. Geothermie würde sich somit als Schlüsseltechnologie für die Energiewende erweisen, mit dem Potenzial, den weltweiten Energiebedarf nachhaltig und zuverlässig zu decken.

Zusammenfassung
  • Geothermie könnte durch Tiefbohrtechniken global nutzbar werden
  • US-Innenministerium genehmigt Fervo Energy-Projekt in Utah
  • InnerSpace plant Bohrungen in 3000 bis 9000 Meter Tiefe
  • Geothermie bietet konstante Energieversorgung rund um die Uhr
  • Öl- und Gasindustrie könnte Schlüsselrolle bei der Geothermie spielen
  • Potenzial: 80% des weltweiten Strombedarfs bis 2050 durch Geothermie
  • Geothermie als nahezu emissionsfreie Energiequelle für die Zukunft

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