US-Verteidigungsministerium liefert plötzlich keine Wetterdaten mehr

Existiert ein Hurrikan, den man nicht sieht? Dies scheint das US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium testen zu wollen. Es kündigte überraschend an, keine sa­tel­li­ten­ge­stütz­ten Wetterdaten mehr an Wissenschaftler und Wetterdienste weiterzugeben.
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Ende nach vier Jahrzehnten

Seit über vier Jahrzehnten lieferten Satelliten der US-Streitkräfte wichtige Daten über Wetter- und Ozeanbedingungen. Aufbereitet wurden diese Rohdaten vom Fleet Numerical Meteorology and Oceanography Center der US Navy. Forscher nutzten sie dann unter anderem für Echtzeitprognosen von Wirbelstürmen und zur Überwachung des Meereises in Arktis und Antarktis.

Die nun getroffene Entscheidung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt - mitten in der herannahenden Hochsaison für Hurrikane im Atlantik. Die plötzliche Einstellung der Datenweitergabe wurde durch eine Mitteilung der US-Wetterbehörde NOAA bekannt, wie das US-Sendernetzwerk NPR berichtet.


"Ich war überrascht - diese Daten sind essenziell für die Hurrikanvorhersage", sagte Brian Tang, Hurrikanforscher an der Universität Albany. Die Navy äußerte sich bisher nicht zu den Gründen. Ein Sprecher der US-Space-Force bestätigte zwar die Funktionsfähigkeit der Satelliten, verwies jedoch auf "Cybersecurity-Bedenken" als Ursache für die Einschränkung. Finanzielle Gründe seien nicht ausschlaggebend, so Mark Serreze vom National Snow and Ice Data Center (NSIDC), das die Satellitendaten seit 1979 zur Beobachtung des Meereises nutzt.

Folgen absehbar

Die Entscheidung könnte gravierende Folgen haben. Die Satellitendaten halfen Meteorologen bislang, die Entwicklung und Intensität von Hurrikanen frühzeitig zu erkennen - etwa durch die Beobachtung von Augenwänden im Inneren des Sturms, die auf eine bevorstehende Verstärkung hindeuten. Tang verweist auf Hurrikan Erick im Pazifik, bei dem durch solche Daten rechtzeitig gewarnt werden konnte. Der Sturm traf Mexiko als Kategorie-3-Hurrikan.

Auch die Klimaforschung ist betroffen: Sechs wichtige Datensätze zur Erfassung des Meereises an beiden Polen entfallen künftig. Die Umstellung auf alternative Datenquellen - etwa von einem japanischen Satellitensensor - war geplant, doch der neue Stichtag 30. Juni kam überraschend früh. "Das bringt uns in Zugzwang", sagte Serreze. Insbesondere unter den aktuell verschärften Bedingungen ist das kritisch. 2025 verzeichnet bislang die niedrigste Meereisausdehnung in der Arktis seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen.

NOAA betont zwar, die Prognosefähigkeit bleibe erhalten, doch Fachleute warnen vor gefährlichen Informationslücken - speziell angesichts zunehmend schneller und stärker werdender Stürme infolge des Klimawandels.

Zusammenfassung
  • US-Verteidigungsministerium stoppt Weitergabe von Satellitendaten
  • Daten waren über 40 Jahre lang wichtig für Wettervorhersagen
  • Entscheidung fällt in kritische Phase der atlantischen Hurrikansaison
  • Wissenschaftler überrascht von plötzlicher Datensperre ohne Vorwarnung
  • Besonders Hurrikanvorhersagen und Meereisüberwachung sind betroffen
  • Cybersicherheitsbedenken werden als Hauptgrund für die Maßnahme genannt
  • Forscher müssen nun eilig auf alternative Datenquellen umsteigen

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