Windows Longhorn: Microsofts gescheiterter Traum und seine Lehren
Vor mehr als zwei Jahrzehnten, als Microsoft sich auf die ehrgeizige Entwicklung von Windows Longhorn stürzte, war in Redmond alles möglich. Dave Plummer erinnert sich an die Höhen und Tiefen des Projekts, das als Nachfolger von Windows XP vorgesehen war.
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Eine der wesentlichsten Neuerungen war WinFS (Windows Future Storage), ein datenbankbasiertes System, das das Suchen von Dateien revolutionieren sollte. Anstelle von Namen und Ordnern sollte es den Nutzern ermöglichen, Inhalte durch Tags und Beziehungen zu finden. Plummer beschreibt WinFS als eines der "Kronjuwelen" des neuen Betriebssystems.
Doch der Weg zum Erfolg erwies sich als steinig. "Die Windows-Codebasis wurde durch die gleichzeitige Entwicklung zahlreicher neuer Funktionen aufgebläht und anfällig", so Plummer. Insbesondere WinFS stellte sich als problematisch heraus. Die Integration der verschiedenen Softwarekomponenten gestaltete sich als Albtraum, und die Stabilität der täglichen Entwicklungs-Builds litt enorm.
"Es war nicht oft möglich, einen stabilen Zustand zu erreichen", berichtet Plummer, der die Schwierigkeiten als eine Art "Dog Food"-Dilemma beschreibt. "Der Grad, in dem das Essen von Hundefutter erträglich ist, misst sich daran, wie gut das Hundefutter wirklich ist. Und das hier war kein gutes Hundefutter."
Letztlich mündeten die Schwierigkeiten in einem dramatischen Wendepunkt. Ein internes Plädoyer des Entwicklungsleiters Dave Cutler führte zur Entscheidung, die bestehende Longhorn-Codebasis über Bord zu werfen und stattdessen auf die Stabilität von Windows Server 2003 SP1 zurückzugreifen.
Im August 2004 wurde dieser Reset bekannt gegeben, was bei den Entwicklerteams für Sturm und Drang sorgte. "Es war niederschmetternd, den Leuten zu sagen: ‚Alles, was ihr in den vergangenen drei Jahren getan habt, ist nicht mehr wertvoll‘", so Plummer.
So bleibt die Geschichte von Windows Longhorn eine Lehre über die Grenzen der Innovation und die Notwendigkeit, auch in einem Unternehmen mit nahezu unbegrenzten Ressourcen den Kurs zu korrigieren. Plummer fasst es prägnant zusammen: "Das ist eine Geschichte von Hybris und Demut; Microsoft strebte nach den Sternen, stolperte, fand jedoch den Weg zurück, um schließlich etwas Wertvolles zu schaffen."
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Ein Stückchen Computer-Geschichte
Der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter David Plummer betreibt aktuell den beliebten YouTube-Kanal Dave's Garage, wo er allerlei Nerd-Themen bespricht, von seinen unzähligen Hobbys berichtet und sich dieses Mal dem Thema OS-Entwicklung widmet (via The Register). Er verrät dabei wieder ein Stückchen Computer-Geschichte.Longhorn ist eine Geschichte von großen Ambitionen, technischen Albträumen und einem bemerkenswerten Comeback!Der Ingenieur, der zu den letzten Mitgliedern des Longhorn-Teams gehörte, meint jetzt, dass die Intentionen hinter Longhorn zwar revolutionär waren, die Realität jedoch schnell von Herausforderungen überrollt wurde. Microsoft wollte das Benutzererlebnis auf ein völlig neues Niveau heben und stellte radikale Änderungen in Aussicht, so Plummer.
Auf YouTube ansehenEine der wesentlichsten Neuerungen war WinFS (Windows Future Storage), ein datenbankbasiertes System, das das Suchen von Dateien revolutionieren sollte. Anstelle von Namen und Ordnern sollte es den Nutzern ermöglichen, Inhalte durch Tags und Beziehungen zu finden. Plummer beschreibt WinFS als eines der "Kronjuwelen" des neuen Betriebssystems.
Doch der Weg zum Erfolg erwies sich als steinig. "Die Windows-Codebasis wurde durch die gleichzeitige Entwicklung zahlreicher neuer Funktionen aufgebläht und anfällig", so Plummer. Insbesondere WinFS stellte sich als problematisch heraus. Die Integration der verschiedenen Softwarekomponenten gestaltete sich als Albtraum, und die Stabilität der täglichen Entwicklungs-Builds litt enorm.
"Es war nicht oft möglich, einen stabilen Zustand zu erreichen", berichtet Plummer, der die Schwierigkeiten als eine Art "Dog Food"-Dilemma beschreibt. "Der Grad, in dem das Essen von Hundefutter erträglich ist, misst sich daran, wie gut das Hundefutter wirklich ist. Und das hier war kein gutes Hundefutter."
Entwicklung von Windows Longhorn/Vista
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2001
MaiBeginn der Entwicklung von Longhorn, noch bevor Windows XP fertiggestellt war
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2001
Juni - AugustMilestone 1: Planungsphase, erste Konzepte und Ideen für Longhorn
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2002
DezemberMilestone 4: Einführung von WIM-basierten Installationen und Beginn der Trennung von Windows XP
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2003
Ursprüngliches Veröffentlichungsdatum für Longhorn als Zwischenschritt zwischen Windows XP und Blackcomb
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2004
AugustReset der Entwicklung: Neustart basierend auf dem Code von Windows Server 2003 Service Pack 1
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2004
Nach AugustMilestone 8.2: Wiederaufbau von Longhorn nach dem Neustart der Entwicklung
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2006
8. NovemberAbschluss der Entwicklung von Windows Vista (ehemals Longhorn)
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2007
30. JanuarAllgemeine Verfügbarkeit von Windows Vista für Endkunden
Umkrempel-Versuch, ohne Windows zu ruinieren
Die Probleme häuften sich, und das Projekt geriet zunehmend unter Druck. Plummer erinnert sich: "Das Longhorn-Team bewegte sich auf einem schmalen Grat. Wir mussten aggressiv innovieren, ohne Windows zu ruinieren." Zudem erging im Jahr 2002 ein Memo von Microsoft-Chef Bill Gates, das die Sicherheit zur obersten Priorität erklärte und die Ressourcen von den Longhorn-Entwicklungen abgezogen wurden, um Sicherheitslöcher in Windows XP zu schließen.Letztlich mündeten die Schwierigkeiten in einem dramatischen Wendepunkt. Ein internes Plädoyer des Entwicklungsleiters Dave Cutler führte zur Entscheidung, die bestehende Longhorn-Codebasis über Bord zu werfen und stattdessen auf die Stabilität von Windows Server 2003 SP1 zurückzugreifen.
Im August 2004 wurde dieser Reset bekannt gegeben, was bei den Entwicklerteams für Sturm und Drang sorgte. "Es war niederschmetternd, den Leuten zu sagen: ‚Alles, was ihr in den vergangenen drei Jahren getan habt, ist nicht mehr wertvoll‘", so Plummer.
Longhorn hielt nicht, was es versprach
Was letztlich aus Longhorn wurde, war Windows Vista, ein Betriebssystem, das einige der ursprünglich angestrebten Features, wie die durchscheinenden Fenster, aufnahm, aber viele andere, darunter WinFS, strich. Plummer bewertet das Longhorn-Projekt als gescheitert, aber auch als eine Quelle wertvoller Lektionen. "Ja, es hielt nicht, was es versprach, und es gab ein Versagen des Managements", sagt er. "Aber das Vermächtnis von Longhorn ist nicht nur negativ - es hat Microsofts Kultur und technische Praktiken nachhaltig beeinflusst."So bleibt die Geschichte von Windows Longhorn eine Lehre über die Grenzen der Innovation und die Notwendigkeit, auch in einem Unternehmen mit nahezu unbegrenzten Ressourcen den Kurs zu korrigieren. Plummer fasst es prägnant zusammen: "Das ist eine Geschichte von Hybris und Demut; Microsoft strebte nach den Sternen, stolperte, fand jedoch den Weg zurück, um schließlich etwas Wertvolles zu schaffen."
Zusammenfassung
- Windows Longhorn: Microsofts ambitioniertes Projekt als XP-Nachfolger
- WinFS sollte revolutionäres datenbankbasiertes Dateisystem werden
- Technische Probleme und Instabilität plagten die Entwicklung
- Bill Gates' Sicherheitsmemo zog Ressourcen von Longhorn ab
- Neustart 2004: Longhorn-Code verworfen, auf Server 2003 SP1 aufgebaut
- Aus Longhorn wurde Vista, mit reduzierten Features, ohne WinFS
- Das Projekt scheiterte, lieferte aber wertvolle Lektionen für Microsoft
Siehe auch:
Thema:
Videos mit Bill Gates
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