Erstes europäisches Land erlässt komplettes TikTok-Verbot

Die populäre Videoplattform TikTok wird jetzt in einem ersten euro­pä­ischen Land verboten - zumindest für einen befristeten Zeitraum: Die albanische Regierung hat angekündigt, das Angebot für ein Jahr in den Netzen des Landes zu sperren.
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Sperre ab kommendem Jahr

Ministerpräsident Edi Rama begründete die Entscheidung mit der Förderung von Gewalt und Mobbing, insbesondere unter Kindern. Die Maßnahme folgte einer tödlichen Messerstecherei eines Teenagers Mitte November, die nach einem Streit auf TikTok eskalierte. Rama erklärte bei einem Treffen mit Lehrern und Eltern: "TikTok wird vollständig für alle geschlossen. Es wird kein TikTok mehr in der Republik Albanien geben." Die Sperre soll 2025 in Kraft treten, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

TikTok äußerte sich in einer Stellungnahme skeptisch. Das Unternehmen teilte mit, es habe keine Hinweise darauf gefunden, dass der Täter oder das Opfer Konten auf TikTok hatten. Berichten zufolge seien die Videos, die zu dem Vorfall führten, auf einer anderen Plattform veröffentlicht worden.


Laut albanischen Untersuchungen bilden Minderjährige die größte Nutzergruppe von TikTok im Land. Rama kritisierte die Algorithmen der Plattform, die in Albanien Hassrede, Gewalt und Mobbing begünstigten. Gleichzeitig hob er hervor, dass TikTok - bzw. die Schwesterplattform Douyin - in China, dem Sitz der Muttergesellschaft, ein anderes Nutzungsverhalten fördere und Inhalte wie Umweltschutz und Lernhilfen priorisiere.

Kritik an Blockade

Angesichts der jüngsten Ereignisse hat die Regierung Schutzmaßnahmen an Schulen ergriffen. Dazu zählen eine verstärkte Polizeipräsenz, Schulungen und eine intensivere Zusammenarbeit mit Eltern. Rama betonte, dass Albanien die Reaktion von TikTok und anderer Länder auf die Maßnahme beobachten werde, bevor über eine mögliche Wiederzulassung entschieden wird.

Die Entscheidung, TikTok zu verbieten, stößt jedoch auf Kritik. Ina Zhupa, Abgeordnete der oppositionellen Demokratischen Partei, bezeichnete die Sperre als "diktatorischen Akt" und Angriff auf die Meinungsfreiheit. Sie warf der Regierung vor, die Maßnahme sei ein rein wahltaktisches Manöver vor den Parlamentswahlen im nächsten Jahr.

Zusammenfassung
  • Albanien verbietet TikTok für ein Jahr ab 2025 wegen Gewaltförderung
  • Entscheidung folgt auf tödliche Messerstecherei nach TikTok-Streit
  • TikTok bestreitet Zusammenhang zwischen Plattform und Gewalttat
  • Albanische Regierung kritisiert TikToks Algorithmen und Nutzerverhalten
  • Schutzmaßnahmen an Schulen wie verstärkte Polizeipräsenz eingeführt
  • Die Opposition bezeichnet TikTok-Verbot als Angriff auf Meinungsfreiheit
  • Die Regierung will Reaktionen auf Verbot vor möglicher Aufhebung beobachten

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