Russland blockt VPNs und kauft gleichzeitig VPNs für Regierungszwecke

Russland verschärft die Kontrolle über VPN-Dienste, denn fast 200 wurden gerade blockiert. Gleichzeitig steigen die Staatsausgaben für VPNs signifikant. Das ist allerdings nur auf den ersten Blick ein Widerspruch.
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Digitale Doppelmoral in Russland

In einem bemerkenswerten Spagat zwischen Zensur und Cybersicherheit geht Russland aktuell gegen VPN-Dienste vor, während man gleichzeitig Milliarden Rubel für eigene VPN-Verbindungen ausgibt. Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor hat gerade (wieder einmal) 197 Virtual Private Networks (VPNs) blockiert.

Sergej Khutortsew, ein Vertreter von Roskomnadsor, betonte, dass die russischen Behörden nur VPN-Dienste blockieren würden, "die als Mittel zur Umgehung von Blockierungen genutzt werden". Das spiegelt die Haltung Russlands gegenüber VPNs wider, die oft zur Umgehung von Zensur und zum Zugriff auf gesperrte Webseiten genutzt werden.

Staatliche Ausgaben für VPNs steigen drastisch

Wie die Novaya Gazeta Europe berichtet, steht diese restriktive Politik in starkem Kontrast zu den eigenen Ausgaben der russischen Regierung für VPN-Dienste. In den ersten neun Monaten des Jahres 2024 stiegen die staatlichen Ausgaben für VPN-Verbindungen um 683 Prozent auf 14,1 Milliarden Rubel (etwa 134 Millionen Euro). Als Gründe für diesen massiven Anstieg werden die zunehmende Zahl von DDoS-Attacken und ein erhöhter Bedarf an Datenverschlüsselung genannt.


Das zeigt eine gewisse Schizophrenie, die aktuell in Russland herrscht: Denn einerseits verschärft das Land die staatliche Zensur des Internets, andererseits erhöht es die Ausgaben für VPN-Technologien zum eigenen Gebrauch. Experten wie Wassily Danilchik, der für ein Unternehmen für staatliche Beschaffung arbeitet, betonen jedoch, dass es keine öffentlichen Aufträge für VPNs zum Zugriff auf gesperrte Websites und Dienste gebe. Solche Beschaffungen könnten für Sicherheitsbehörden "durch geschlossene Verfahren" erfolgen.

Die russischen Maßnahmen gegen VPN-Dienste sind Teil eines größeren Trends zur Online-Zensur, der sich seit Beginn des Ukraine-Krieges stark verstärkt hat. Organisationen wie Freedom House und Reporter ohne Grenzen stufen Russland seit Langem als eines der Länder mit der geringsten Internetfreiheit ein.

Neue Gesetze

Seit März 2024 ist es in Russland zudem illegal, Informationen über den Zugang zu verbotenen Inhalten, einschließlich der Nutzung von VPN-Diensten, zu teilen. Diese Verschärfung unterstreicht die Entschlossenheit der russischen Regierung, die Kontrolle über den Informationsfluss im Internet zu behalten.

Zusammenfassung
  • Russland blockiert 197 VPN-Dienste zur Verhinderung von Zensurumgehung
  • Gleichzeitig steigen staatliche Ausgaben für VPNs um 683 Prozent auf 14,1 Mrd.
  • Die Regierung nutzt VPNs für Cybersicherheit und Schutz vor DDoS-Attacken
  • Experten: Keine öffentlichen Aufträge für VPNs zum Zugriff auf gesperrte Sites
  • Seit März 2024 ist Teilen von Informationen über VPN-Nutzung in Russland illegal
  • Maßnahmen sind Teil eines Trends zur verstärkten Online-Zensur seit Kriegsbeginn
  • Russland gilt als eines der Länder mit der geringsten Internetfreiheit weltweit

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