ARM auf dem Kriegsfuß: Qualcomm soll sich auf Niederlage einstellen

Der Chipdesigner ARM hat sich nach Bekanntwerden seiner massiven Drohungen gegen Qualcomm erneut zu dem Thema geäußert. Während die Kündigung eines gemeinsamen Lizenzabkommens im Raum steht, setzt ARM voll auf das im Dezember beginnende Gerichtsverfahren.
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Säbelrasseln vor dem Showdown

Der britische Chipdesigner ARM, dessen Architektur von Qualcomm, Google, Apple, Samsung, MediaTek und von diversen anderen Firmen für Smartphone-Chips und auch für Server- und sogar PC-Prozessoren verwendet wird, erhebt in seiner offiziellen Stellungnahme erneut schwere Vorwürfe gegen einen seiner wichtigsten Lizenznehmer.

Qualcomm habe wiederholt bedeutsame Verstöße gegen das Lizenzabkommen mit ARM begangen, wodurch ARM schlichtweg keine andere Wahl habe, als formell gegen Qualcomm vorzugehen. Qualcomm müsse seine Verstöße rückgängig machen oder "sich der Terminierung des Abkommens stellen", hieß es von dem Unternehmen.


Dies sei nötig, um das Ökosystem zu schützen, das ARM und seine Partner in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben. Man sei auf die im Dezember beginnenden Gerichtstermine in dem schon seit 2022 schwelenden Rechtsstreit zwischen ARM und Qualcomm "bestens vorbereitet" und zuversichtlich, dass das Gericht zugunsten von ARM entscheiden wird.

ARM-CEO Haas ist siegessicher

In einem Interview mit dem US-Wirtschaftsdienst Bloomberg erklärte ARM-CEO René Haas gestern ebenfalls, dass man überzeugt sei, dass die eigenen Ansprüche gerechtfertigt wären, weshalb das Gericht sich dem sicherlich anschließen werde. In der dritten Dezemberwoche wird die von ARM angestrengte Klage erstmals vor Gericht verhandelt, sodass man bereits auf diesen Termin gespannt sein darf.

ARM wirft Qualcomm vor, mit seinen neuesten Prozessoren wie der Snapdragon-X-Serie und dem Snapdragon 8 Elite gegen wichtige Punkte des Lizenzabkommens zu verstoßen. Die neuen Chips nutzen, anders als in den letzten Jahren, stark angepasste sogenannte Custom-Cores, die zwar auf der ARM-Technologie basieren und mit ihr kompatibel sind, aber noch stärker als zuvor nach Qualcomms Bedürfnissen modifiziert wurden.

Apple macht auch nichts anderes als Qualcomm

Die in der bei den neuen Chipfamilien verwendeten Kerne der "Oryon"-CPU gehen auf die Arbeit des Startup-Unternehmens Nuvia zurück, das aus früheren Apple-Mitarbeitern bestand und von Qualcomm bereits 2021 aufgekauft wurde. Da Qualcomm mit seinen Chips aber eigentlich Dinge tut, die in der ARM-Welt seit Jahrzehnten üblich sind - und von Firmen wie Apple, Google, Amazon, Microsoft, Samsung & Co ebenfalls praktiziert werden, stellt das Vorgehen von ARM im Grunde das gesamte Ökosystem in seiner bisherigen Form infrage.

Qualcomm soll, so jedenfalls die derzeitige Einschätzung von Beobachtern, nach dem Willen von ARM weitere Lizenzen für weiteres geistiges Eigentum erwerben, oder auf die Verwendung eigener Anpassungen seiner ARM-basierten Chips verzichten. Angeblich geht es unter anderem um die Verwendung eigener Grafiklösungen und anderer Teile der Qualcomm-Chips, worin ARM eine Lizenzverletzung sieht.

Nuvia-basierte neue Snapdragon-Chips nutzen eigenes Design

Dass ARM gerade mit den vom früheren Nuvia-Team entwickelten Chips ein Problem hat, überrascht unterdessen wohl kaum. So lizenziert ARM aktuell sowohl die Architektur als auch die den früheren Qualcomm-Chips mit ihrem "Semi-Custom"-Design zugrunde liegenden Designs für bestimmte Chips.

Bei den Nuvia-Chips verwendet Qualcomm aber nur noch die ARM Architektur-Lizenz, baut auf dieser Basis aber eben eigene Designs, ohne ARMs Chip-Designs zu lizenzieren. Für ARM fallen somit die dadurch entstehenden Einnahmen weg. Inwiefern Qualcomm dabei mit den Designs von Nuvia gegen die Lizenzabkommen mit ARM verstößt, soll nun wohl das Gericht klären.

Keine genauen Details zu Lizenzabkommen bekannt

Bisher haben aber weder ARM noch Qualcomm in der Öffentlichkeit detailliert darüber gesprochen, worin die Verletzung des Lizenzabkommens zwischen den beiden Firmen konkret bestehen soll. Qualcomm hatte auf das Bekanntwerden der Drohung von ARM, dass man das Lizenzabkommen innerhalb von zwei Monaten beenden werde, wenn der Lizenznehmer sich nicht unterordnet, äußerst allergisch reagiert.

In einer umgehend veröffentlichten Stellungnahme erklärte das Unternehmen, dass ARM nur weiter versucht, Druck aufzubauen, um Qualcomm zum Einlenken zu bewegen. Tatsächlich ist ARM seit einiger Zeit bemüht, sein Geschäftsmodell nach Angaben von CEO Haas stärker auf "vertikale Märkte" auszurichten. Dabei will man die Lizenznehmer auch dazu bringen, vollständige Pakete von ARM-Lösungen zu erwerben, statt eigene Ergänzungen oder Anpassungen vorzunehmen.

ARM verspricht sich daraus vor allem höhere Einnahmen, schließlich wurde der Chipdesigner nach dem gescheiterten Versuch eines Verkaufs (an Nvidia) von seinem früheren Besitzer und noch immer größten Anteilseigner SoftBank vor einiger Zeit an die Börse gebracht. Im Fall von Qualcomm beginnt das Gerichtsverfahren ohnehin vor Ablauf der von ARM gesetzten Frist von 60 Tagen. Mit Beginn der Verhandlungen werden ohnehin alle weiteren Vorgänge sozusagen "eingefroren". Bis eine Entscheidung vorliegt, kann Qualcomm somit ohnehin weitermachen wie bisher.

Hier die Stellungnahme von ARM im (maschinell übersetzten) Wortlaut:
Nach den wiederholten erheblichen Verstößen von Qualcomm gegen die Lizenzvereinbarung von ARM bleibt ARM keine andere Wahl, als förmliche Maßnahmen zu ergreifen und Qualcomm aufzufordern, die Verstöße zu beheben oder die Vereinbarung zu kündigen. Dies ist notwendig, um das unvergleichliche Ökosystem zu schützen, das ARM und seine hochgeschätzten Partner in mehr als 30 Jahren aufgebaut haben. ARM ist auf die Verhandlung im Dezember bestens vorbereitet und bleibt zuversichtlich, dass das Gericht zugunsten von ARM entscheiden wird.
Zusammenfassung
  • ARM droht Qualcomm mit Kündigung des Lizenzabkommens wegen Verstößen
  • Gerichtsverfahren zwischen ARM und Qualcomm beginnt im Dezember 2024
  • Streit um Qualcomms modifizierte ARM-basierte 'Oryon'-CPU-Kerne
  • ARM wirft Qualcomm Verletzung des Lizenzabkommens bei neuen Chips vor
  • Qualcomm nutzt nur noch ARM-Architektur, nicht mehr ARMs Chip-Designs
  • ARM zielt auf höhere Einnahmen durch Verkauf vollständiger Lösungspakete
  • Gerichtsverfahren 'friert' alle weiteren Vorgänge bis zur Entscheidung ein

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