AMD überlässt Nvidia das Spielfeld:
Keine High-End-Grafikkarten mehr

AMD passt seine Strategie bei Gaming-Grafikkarten an. Statt High-End-Modelle plant der Chiphersteller, sich auf die Mittelklasse zu kon­zen­trie­ren. Ziel ist es, den Marktanteil deutlich zu steigern und Entwickler für sich zu gewinnen. Riskante Taktik im hart umkämpften GPU-Markt.
Nvidia, Amd, Gpu, Grafikkarten, Versus, Gpus
eGamesMag

AMD setzt auf Mittelklasse statt High-End

Jack Huynh, Senior Vice President und General Manager der Computing and Graphics Business Group bei AMD, erklärte in einem Interview mit Toms Hardware, dass sich das Unternehmen künftig stärker auf Mittelklasse-GPUs konzentrieren will. Ziel sei es, den Marktanteil deutlich zu steigern und mehr Spieleentwickler für AMD-Optimierungen zu gewinnen.

Meine oberste Priorität ist es, uns schneller auf einen Marktanteil von 40 bis 50 Prozent zu bringen.
Jack Huynh, Senior Vice President bei AMD
Aktuell liegt AMDs Markanteil bei Desktop-Grafikkarten laut Marktforschern bei etwa 12 Prozent. Nvidia dominiert den Markt mit 88 Prozent.


Fokus auf Volumenmarkt statt Enthusiasten

Huynh betonte, dass High-End-Grafikkarten nur etwa 10 Prozent des gesamten adressierbaren Marktes ausmachen. Stattdessen will AMD die Preisführerschaft in der Mittelklasse übernehmen und so Millionen von Spielern ansprechen.

Ich möchte nicht, dass AMD zu einem Unternehmen wird, das sich nur Leute leisten können, die sich Porsches und Ferraris kaufen.
Jack Huynh, Senior Vice President bei AMD
Diese Strategie bedeutet, dass AMD vorerst keine direkte Konkurrenz zu Nvidias Top-Modellen wie der GeForce RTX 4090 oder deren Nachfolger plant.

Entwickler-Support als Schlüssel zum Erfolg

Ein wichtiger Aspekt der neuen Strategie ist es, mehr Spieleentwickler für Optimierungen auf AMD-Hardware zu gewinnen. Huynh erklärte: "Wenn ich Entwicklern sage, dass wir 10 Prozent Marktanteil anpeilen, wünschen sie mir viel Erfolg und gehen zu Nvidia. Also muss ich ihnen einen Plan zeigen, der besagt, dass wir damit 40 Prozent Marktanteil erreichen können."

AMD steht hier aber vor einer Herausforderung: Trotz eines bereits teilweise besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses konnte das Unternehmen in den letzten Jahren kaum Marktanteile gewinnen. Nvidia profitiert zudem von seiner dominanten Marktposition und laut Experten vor allem auch aufgrund überlegener Features, etwa einer besseren Raytracing-Leistung.

Ausblick auf die Radeon RX 8000-Generation

Für die nächste Generation der Radeon-Grafikkarten, die voraussichtlich Ende 2024 oder Anfang 2025 erscheinen wird, deuten sich bereits einige Details (via ComputerBase) an:

Gerüchte zur AMD Radeon RX 8000-Reihe
Modell RX 8800 XT RX 8800 / 8700 XT RX 8700 (XT) / 8600 XT
Architektur RDNA 4
GPU Navi 48
Compute Units 64 56 48
FP32-ALUs 4.096 / 8.192 3.584 / 7.168 3.072 / 6.144
Grafikspeicher 16 GB GDDR6 12 GB GDDR6
Speicherdurchsatz 20 Gbps 18 Gbps 19 Gbps
Speicherinterface 256 Bit 192 Bit
Speicherbandbreite 640 GB/s 576 GB/s 456 GB/s
Infinity-Cache 64 MB 48 MB

Interessanterweise plant AMD weiterhin den Einsatz von Chiplets, was die Entwicklung von High-End-Modellen theoretisch ermöglichen würde. Huynh betonte: "Wir werden eine großartige Strategie für Enthusiasten haben, aber wir haben sie bisher nicht offengelegt." Der Chiphersteller hält sich also dennoch weiterhin die Tür offen.

Großer Mittelklasse-Erfolg oder zu viele Risiken?

AMDs Strategiewechsel erinnert an frühere Zeiten, als das Unternehmen mit Grafikkarten wie der Radeon HD 4870 große Erfolge im Mittelklasse-Segment feierte. Allerdings birgt der Verzicht auf High-End-Modelle auch Risiken.

So finden technologische Innovationen oft zuerst im Premiumsegment statt und ohne echte Spitzenmodelle könnte AMD den Anschluss an wichtige Entwicklungen verpassen. Außerdem nutzen viele Spieleentwickler High-End-GPUs gern als Referenz für zukünftige Games und ganz ohne Präsenz in diesem Segment könnte auch AMD Schwierigkeiten haben, Entwickler von der Optimierung für ihre Hardware zu überzeugen - unabhängig vom angepeilten Marktanteil.

Was meint ihr zu AMDs "neuer" Strategie? Kann der Fokus auf die Mittelklasse dem Unternehmen helfen, Marktanteile zu gewinnen? Oder seht ihr Risiken in der Vernachlässigung des High-End-Segments?
Zusammenfassung
  • AMD konzentriert sich auf Mittelklasse-Grafikkarten
  • Ziel ist es, Marktanteil auf 40-50 Prozent zu steigern
  • Aktueller Marktanteil von AMD liegt bei 12 Prozent
  • Keine direkte Konkurrenz zu Nvidias Top-Modellen geplant
  • Mehr Spieleentwickler sollen AMD-Hardware optimieren
  • Nächste Radeon-Generation erscheint Ende 2024 oder Anfang 2025
  • Strategiewechsel könnte technologische Nachteile bringen

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
AMDs Aktienkurs
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!