Priorität für Amazon-KI oder Bürger? - Konflikt um Strom entbrennt

Der Energiebedarf zur Entwicklung immer fortgeschrittener KI-Modelle steigt unaufhörlich. Im Zuge dessen kommt es nun auch zu ersten Konflikten und der Frage, wer bei Engpässen eher versorgt wird: Ein Amazon-Datenzentrum oder die Bürger einer Region.
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Fast ein halbes AKW

Stein des Anstoßes ist ein Datenzentrum, das sich Amazon im März gekauft hat. Dieses ist direkt an das Kernkraftwerk Susquehanna im US-Bundesstaat Bundesstaat Pennsylvania angebunden. Im Zuge des Kaufs sicherte sich der E-Commerce-Konzern eine Liefergarantie von 480 Megawatt, die über eine Option auf 960 Megawatt ausgebaut werden kann. Betrieben wird das Kraftwerk von Talen Energy.

Die Versorgungsunternehmen American Electric Power (AEP) und Exelon haben nun gegen den Deal zwischen Talen und Amazon Beschwerde bei der Bundesregulierungsbehörde FERC eingereicht, berichtete das britische Magazin The Register. Denn bisher fließt ein wesentlicher Teil des in dem Kernkraftwerk erzeugten Stroms in die Netze dieser Unternehmen, die damit zahlreiche Verbraucher in der östlichen USA versorgen.


Die Stromversorger stören sich unter anderem daran, dass Amazon für sein Datenzentrum keine Netzentgelte zahlen muss und sich mit seiner Nähe zum Kernkraftwerk so einen Vorteil vor allen anderen Stromverbrauchern sichert. Zumindest die Kosten für die Übergabepunkte im Umspannwerk werden somit komplett von den AEP- und Exelon-Kunden getragen, obwohl auch das Datenzentrum hier angeschlossen ist.

Behörde muss prüfen

Noch schwerer wiegt allerdings die von Talen mit Amazon vereinbarte Liefergarantie. Das Kraftwerk verfügt über zwei Turbinenblöcke, die jeweils 1350 Megawatt liefern können. Wenn Amazon zukünftig eine Garantie von 960 Megawatt beansprucht und einer der beiden Blöcke für ein Wartungsintervall heruntergefahren werden muss, bliebe für die Stromkunden der beiden Versorger kaum noch etwas übrig. Konkret hieß es, dass die Stromversorgung eines KI-Datenzentrums Priorität vor der Bevölkerung hätte.

Talen weist die Vorwürfe in der Beschwerde erst einmal zurück. Konkretere Erkenntnisse dürfte hier allerdings erst ein Verfahren vor der Regulierungsbehörde bringen. Es hat sich allerdings bereits angedeutet, dass die Widersprüche rund um den Strombedarf der Rechenzentren sich weiter zuspitzen werden. Es ist durchaus damit zu rechnen, dass es auch anderswo ähnliche Konflikte geben wird.

Zusammenfassung
  • Energiebedarf für KI-Modelle steigt stetig an
  • Amazon-Datenzentrum erhält Strom direkt vom Kernkraftwerk
  • Amazon sicherte sich 480 MW, erweiterbar auf 960 MW
  • Beschwerde gegen Amazon-Talen-Deal bei FERC eingereicht
  • Stromversorger kritisieren fehlende Netzentgelte für Amazon
  • Liefergarantie könnte bei Wartung andere Verbraucher benachteiligen
  • Konflikte um Stromversorgung von Rechenzentren nehmen zu

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