Brisanter Quellcode geleakt:
Neue Panne bei Microsofts DRM-System

Bei der Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien hapert es bei Microsoft weiterhin. Das zeigt ein neuer Vorfall, bei dem durchaus beachtliche Mengen internen Codes an die Öffentlichkeit gelangten. Diesmal stammt dieser vom DRM-System der Redmonder.
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Code-Sammlung im Forum

Die Software trägt den Namen PlayReady und wird seit rund 15 Jahren weiterentwickelt. Der Code ist eigentlich ein gut gehütetes Geheimnis, da der Zugriff auf ihn unter Umständen ermöglichen kann, den Kopierschutz zu knacken. Ob dies allerdings mit den nun öffentlich gewordenen Informationen tatsächlich funktioniert, muss sich noch zeigen.

Klar ist bisher, dass ein Microsoft-Entwickler in einem hauseigenen Entwicklerforum auf eine Frage antwortete, bei der es um einen Absturz des Apple-TV-Dienstes auf einem Surface Pro 9 ging. Aus einem nicht nachvollziehbaren Grund hing an dem Antwort-Beitrag auch eine Datei mit einer Größe von 771 Megabyte. Entpackt entpuppte sich diese Datei als rund 4 Gigabyte großes Paket voller Quellcodes zu PlayReady.


Kompilieren funktioniert

Neben den Codes waren auch verschiedene weitergehende Informationen zu finden, die den Build-Prozess und die Code-Verschleierung umfassten. Sicherheitsforschern von Security Explorations ist es letztlich gelungen, aus den Daten tatsächlich eine funktionierende .dll-Bibliothek für das Kopierschutz-System zu erstellen.

Die Veröffentlichung des Codes erfolgte bereits am 11. Juni. Die Sicherheitsforscher haben das Unternehmen einen Tag später über den Vorfall informiert und Microsoft entfernte den entsprechenden Beitrag binnen zwölf Stunden. Security Explorations ließ sich dann noch weiter Zeit, bis kürzlich über die Full Disclosure-Mailingliste (via BornCity) öffentlich über den Vorgang informiert wurde.

Es wird nicht besser

Ungelöst ist in diesem Zusammenhang aber noch ein weiteres Problem: Es zeigte sich bei der Arbeit mit dem Quellcode, dass der Symbol-Server Microsofts Anfragen zur Übermittlung von Programmdatenbank (PDB)-Dateien freimütig beantwortet. Dadurch lassen sich weitergehende, wertvolle Informationen gewinnen, wenn man mit einem geleakten Code arbeiten will.

Der jetzt bekannt gewordene Fall ist für Microsoft sicherlich keine Katastrophe - zumindest nach allem, was sich bisher über ihn sagen lässt. Trotzdem zeigt sich daran, dass Microsoft auch nach den zugesagten Verbesserungen nach diversen sicherheitsrelevanten Schwierigkeiten der letzten Zeit noch immer weit davon entfernt ist, seine Prozesse in den Griff zu bekommen.

Zusammenfassung
  • Microsoft hat Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Sicherheits-Richtlinien
  • Interner Code des DRM-Systems PlayReady wurde öffentlich zugänglich gemacht
  • Ein Entwickler postete versehentlich eine Datei mit 4 GB PlayReady-Quellcode
  • Die Datei enthielt Informationen zum Build-Prozess und zur Code-Verschleierung
  • Sicherheitsforscher erstellten eine funktionierende .dll-Bibliothek aus dem Code
  • Microsoft entfernte den Beitrag binnen zwölf Stunden nach Benachrichtigung
  • Der Symbol-Server beantwortet Anfragen zu PDB-Dateien und birgt weitere Risiken

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