Präzise Formation: Die ESA baut sich eine künstliche Sonnenfinsternis

Sonnenfinsternisse bieten Astronomen immer wieder ganz besondere Momente, um unseren Stern genauer erforschen zu können - leider fin­den diese nur selten statt. Daher will die ESA nun künstliche Ereignisse dieser Art hervorbringen.
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Weite Ellipse

Umsetzen soll dies das Projekt PROBA-3 (PRoject for On-Board Autonomy). Dieses besteht aus zwei Raumsonden: einer 300 Kilogramm schweren Coronagraph-Sonde und einem 250 Kilogramm schweren Occulter. Beide sollen voraussichtlich im September von einer indischen Trägerrakete in eine stark elliptische Umlaufbahn gebracht werden, bei der die Systeme zwischen 600 und 60.530 Kilometer von der Erde entfernt sein werden.

Das Besondere an dem Sonden-Tandem wird ein extrem genauer Formationsflug sein. Dieser soll dafür sorgen, dass die eine Sonde stets haargenau die Fläche der Sonne abdeckt, sodass die andere mit ihren Instrumenten jeweils nur genau die äußersten Bereiche unseres Sterns sehen kann, berichtet das Fachmagazin Spectrum. ESA: Proba-3-Mission bastelt sich SonnenfinsternisseSo sollen die Sonden fliegen Dabei wird eine Sonnenfinsternis simuliert, bei der normalerweise der Mond für diese Abdeckung sorgt. Bei diesen flüchtigen Gelegenheiten konnten Astronomen schon immer wichtige Erkenntnisse sammeln: Das reichte von der Entdeckung der Chromosphäre im Jahr 1868 bis hin zur Bestätigung der Raumkrümmung, wie sie Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie vorhersagte - im Jahr 1919 beobachteten diverse Forscher, wie die Schwerkraft der Sonne die Lichtstrahlen von Sternen krümmten, sodass diese während einer Finsternis nahe der Sonne an anderen Stellen zu sehen waren.

6 Stunden Finsternis

Bisher werden durchaus schon Beobachtungen durchgeführt, bei denen die Sonne selbst ausgeblendet wird. Allerdings will man die Beobachtungen nun in den Weltraum verlegen, um irdische Störquellen auszuschließen. Unter anderem beabsichtigt man mehr darüber herauszufinden, warum die Sonnenkorona wesentlich heißer ist als die Sonne selbst. Dies könnte unser Verständnis der Sonne vertiefen und die Vorhersage des Sonnenwetters unterstützen.

Die beiden Raumsonden werden sich so ausrichten, dass sie pro Umlaufbahn etwa sechs Stunden lang Finsternis erzeugen, beginnend bei der Annäherung an den erdfernsten Punkt (Apogäum). Die beiden Raumfahrzeuge werden über Funkverbindungen miteinander kommunizieren und ihre Ausrichtung untereinander optimieren.

Zusammenfassung
  • ESA plant künstliche Sonnenfinsternisse mit Projekt Proba-3
  • Zwei Raumsonden bilden Sonden-Tandem für Formationsflug
  • Start voraussichtlich im September mit indischer Rakete
  • Flugbahn reicht von 600 bis 60.530 Kilometer Entfernung
  • Simulation von Finsternissen zur genaueren Sonnenforschung
  • Erforschung der Sonnenkorona und Verbesserung von Vorhersagen
  • Pro Umlauf etwa sechs Stunden Finsternis durch Sonden-Ausrichtung

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