Stärkstes MRI-Gerät macht Gehirnscans in nie dagewesener Auflösung

Die meisten Menschen haben eins, doch bis heute sind nicht alle Ge­heimnisse dieses Organs gelüftet: das Gehirn. Doch schon bald werden Forscher und Mediziner ein besonderes Werkzeug nutzen, denn das leistungsstärkste MRI-Gerät der Welt hat erstmals Gehirne gescannt.

Iseult wird seit 20 Jahren entwickelt

Das Iseult-Projekt kann man zwar nicht gerade als neu bezeichnen, da die mit Abstand leistungsstärkste Maschine für Magnetresonanztomographie (MRI oder MRT) seit rund 20 Jahren in Entwicklung ist. Das Projekt des französischen Kommissariats für Atomenergie und alternative Energien (Commissariat à l'énergie atomique et aux énergies alternatives; CEA) hat nun aber seine ersten Scans menschlicher Gehirne vorgenommen, die dazugehörigen Bilder hat das CEA in einer Mitteilung veröffentlicht (via New Atlas).

Und man kann hier sicherlich davon sprechen, dass diese nie Dagewesenes zeigen: Denn die ersten 20 gesunden Freiwilligen haben ihre Köpfe in Iseult gesteckt, in gerade einmal rund vier Minuten haben sie dann die Prozedur hinter sich gebracht. Das Ergebnis sind für Fachleute und nicht nur die atemberaubende Bilder des menschlichen Gehirns, die einen nie dagewesenen Detailreichtum bieten.

Freiwillige kamen hier vor allem deshalb zum Einsatz, weil hier in Bezug auf magnetischen Flussdichte bisher am Menschen ungetestete Werte zum Einsatz kommen. Konkret beträgt diese 11,7 Teslas, das ist wesentlich mehr als in Krankenhäusern bzw. in der Medizin heutzutage üblich sind - hier sind es Maschinen mit 1,5 bis drei Teslas.

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"Die Bilder haben eine beeindruckende Auflösung für eine so kurze Aufnahmezeit - 0,2 Millimeter Auflösung in der Ebene und ein Millimeter Schichtdicke, was einem Volumen von einigen tausend Neuronen entspricht", schreibt das CEA dazu. Die Leistung bzw. der Vorteil von Iseult ist nicht nur die Auflösung selbst, sondern auch die Dauer, in der der Scan entsteht: Denn für die gleiche Bildqualität würde man mit gängigen Scannern mehrere Stunden brauchen - was in der Praxis nicht realistisch ist, weil man sich bei solchen Scans nicht bewegen soll.

Dieser Detailgrad ist natürlich kein Selbstzweck: "Das Erreichen solcher detaillierten Auflösungen wird es uns ermöglichen, bisher unerreichte Informationen über Gehirnmechanismen zu erhalten, zu verstehen, wie unser Gehirn unsere mentalen Repräsentationen kodiert und herauszufinden, welche neuronalen Signaturen mit dem Zustand des Bewusstseins verbunden sind", schreiben die Macher. Profitieren sollen davon u. a. Patienten mit neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson.

Dazu Nicolas Boulant, der Leiter des Projekts: "Mit Iseult eröffnet sich eine ganz neue Welt vor unseren Augen, und wir freuen uns darauf, sie zu erkunden. Wir brauchen noch einige Jahre der Forschung, um unsere Erfassungsmethoden zu entwickeln und zu verbessern und sicherzustellen, dass die Daten die höchstmögliche Qualität haben. Unser Ziel ist es, bis 2026-2030 neurodegenerative Krankheiten zu erforschen, aber auch andere Krankheiten, die eher in den Bereich der Psychiatrie fallen, wie Schizophrenie und bipolare Störungen. Auch die Kognitionswissenschaften werden in unserer Forschung eine wichtige Rolle spielen."

Zusammenfassung
  • Weltweit leistungsstärkstes MRI scannt erstmals Gehirne
  • Iseult-Projekt des CEA entwickelt seit ca 20 Jahren
  • Erste Scans zeigen detailreiche Gehirnbilder
  • 11,7 Teslas Magnetflussdichte, weit über üblichen Werten
  • Kurze Scanzeit mit hoher Auflösung ermöglicht
  • Ziel: Einblicke in Gehirnmechanismen und Krankheiten
  • Forschung bis 2030 zu Neurodegeneration und Psychiatrie

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