Kampfpiloten geben Hinweise, wie Raumreisen das Gehirn beeinflussen

Raumfahrt ist heute nichts Ungewöhnliches mehr, bisher führen solche Reisen aber allenfalls zu einer Raumstation. Doch wie könnten lange Reisen im All das Gehirn beeinflussen? Diese Frage hat sich eine Studie gestellt und dabei auf Erfahrungen mit Kampfpiloten zurückgegriffen.
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Es wird zwar noch Jahrzehnte und vielleicht sogar Jahrhunderte dauern, irgendwann einmal wird aber Raumfahrt so etwas wie Alltag. So scheint zumindest eine Besiedlung des Mars realistisch zu sein. Reisen dorthin und zu anderen Himmelskörpern sind aber eine langwierige Angelegenheit und die Wissenschaft möchte schon jetzt herausfinden, wie diese den Körper beeinflussen könnten.

Denn bei Raumreisen treten signifikante G-Kräfte und auch Schwerelosigkeit auf und das hat zweifellos eine Auswirkung auf die Körper der interplanetaren Reisenden. Ein erstes Wie versucht eine Studie aus Belgien herauszufinden. Freilich ist es alles andere als leicht, eine ausreichende Anzahl an Astronauten zu finden, also griffen die Autoren zum Nächstbesten, nämlich Kampfpiloten.

Jetpiloten statt Astronauten

"Kampfpiloten haben einige interessante Gemeinsamkeiten mit Astronauten, sie sind etwa veränderten Schwerkraftwerten ausgesetzt und müssen visuelle Informationen und Informationen aus Kopfbewegungen und Beschleunigung interpretieren", erklärt der leitende Studienautor Floris Wuyts, Professor an der Universität Antwerpen (via New Atlas).


Untersucht wurden die Gehirne von F16-Kampfpiloten mit einer durchschnittlichen Flugerfahrung von mehr als tausend Stunden, als Kontrollgruppe kamen Personen ohne Flugerfahrung zum Einsatz. Gearbeitet wurde mit Magnetresonanzscans, um die Änderungen der Gehirnaktivität zu untersuchen - unter anderem wie verschiedene Regionen des Gehirns miteinander interagieren.

Dabei wurde festgestellt, dass bei Piloten, im Vergleich zu den Nicht-Piloten, eine stärkere Verbindung zwischen den Hirnarealen besteht, die visuelle Informationen und Informationen über Veränderungen der Kopfposition, Richtung und Bewegung (vestibuläre Informationen) verarbeiten. Je erfahrener die Piloten waren, desto größer war auch die sogenannte Neuroplastizität.

"Durch den Nachweis, dass vestibuläre und visuelle Informationen bei Piloten anders verarbeitet werden als bei Nicht-Piloten, können wir empfehlen, dass Piloten eine geeignete Studiengruppe sind, um mehr Einblicke in die Anpassungen des Gehirns an ungewöhnliche Gravitationsumgebungen, wie etwa in der Raumfahrt, zu gewinnen", sagte Studienautorin Wilhelmina Radstake.

Zusammenfassung
  • Wissenschaftler wollen Auswirkungen von Langstreckenflügen aufs Gehirn erforschen.
  • Erfahrungen von Kampfpiloten wurden herangezogen.
  • Piloten verarbeiten visuelle und vestibuläre Informationen anders.
  • Neuroplastizität der Piloten ist größer, je erfahrener.
  • Piloten sind geeignete Studiengruppe für Raumfahrtanpassungen.

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