"Autonome Taxis" brauchen ständige Betreuung, Kosten explodieren

"Autonome Taxis" sollen alle Aufgaben eines Fahrers übernehmen und damit Geld sparen. In der Realität sieht das anders aus. Die GM-Tochter Cruise braucht pro Fahrzeug mehr als einen Angestellten, die ständig eingreifen müssen. Die Kosten des Programms explodieren. Roboter-Taxis, die ganz ohne Fahrer jede Situation meistern und ihre Fahrgäste ans Ziel bringen: diese vermeintlich schöne Zukunft wird von verschiedenen Unternehmen immer wieder heraufbeschworen. Wie ein Blick auf das Geschäft der GM-Tochter Cruise in den USA zeigt, sind aktuelle Flotten der "autonomen Taxis" von dieser Realität noch meilenweit entfernt.

Wie die New York Times (via Heise) berichtet, muss das Unternehmen aktuell noch für jedes seiner fahrerlosen Fahrzeuge im Durchschnitt 1,5 Angestellte abstellen. Die sind demnach alle vier bis zehn gefahrene Kilometer dazu gezwungen, aus der Ferne einen Eingriff vorzunehmen, weil die Fahrzeuge Probleme melden.


Zu den Ausgaben durch den enormen Personalaufwand kommen dann auch noch die hohen Anschaffungskosten der Fahrzeuge. Das Unternehmen setzt auf das Modell Chevrolet Bolt, Grundpreis unter 30.000 US-Dollar. Laut dem Bericht zahlt Cruise mit den erforderlichen Anpassungen aber bis zu 200.000 US-Dollar für jedes Auto in seiner Flotte. Im letzten Quartal stieg der Kapitalbedarf um satte 42 Prozent auf 600 Millionen US-Dollar.

Einblick wegen Unfall

Der Einblick in die Geschäftszahlen von Cruise kommt zwei Wochen nach einem schweren Schlag für das Unternehmen. Ende Oktober hatte man die vorläufige Zulassung für den Betrieb seiner "autonomen Taxis" in San Francisco verloren. Der Grund: ein schwerer Unfall mit einer Passantin. Aktuell ist die gesamte Flotte auf unbestimmte Zeit stillgelegt.

Bis jetzt tragen all diese Faktoren beim Geldgeber GM zumindest offiziell aber bisher nicht zu einem Umdenken bei. Im Gegenteil: Wie Reuters berichtet, wurde vor wenigen Wochen ein baldiger Start von Cruise in Japan angekündigt. Der Mutterkonzern hat außerdem signalisiert, Geld für weitere Expansionen bereitstellen zu wollen.

Zusammenfassung
  • "Autonome Taxis" von Cruise sind nicht vollständig autonom
  • Pro Fahrzeug benötigt Cruise durchschnittlich 1,5 Angestellte
  • Mitarbeiter müssen alle vier bis zehn Kilometer eingreifen
  • Hohe Anschaffungskosten der Fahrzeuge erhöhen die Ausgaben
  • Kapitalbedarf stieg um 42 Prozent auf 600 Millionen US-Dollar
  • Betrieb der "autonomen Taxis" in San Francisco vorläufig eingestellt
  • GM plant trotz der Probleme eine Expansion von Cruise in Japan.

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