Amazon: Angestellte müssen nun Rund-um-Überwachung absegnen

Amazon-Angestellte, die in den USA Pakete ausliefern, müssen ab sofort neu­en Überwachungsmaßnahmen zustimmen, sofern sie ihren Job be­hal­ten wollen. Das System bestehe aus in den Fahrzeugen ver­bau­ten Ka­me­ras, KI-Verhaltensanalyse und Gesichtserkennung.
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Wollen Amazon-Fahrer in den USA auch zukünftig ihrem Beruf nachgehen, müssen sie einer Rund-Um-Überwachung zustimmen. Die Journalistin Lauren Kaori Gurley veröffentlichte ent­sprech­en­de Screenshots der Einverständniserklärung auf Twitter. Die Über­wach­ungs­tech­no­lo­gie bestehe demnach aus vier HD-Kameras, die in den Fahrzeugen verbaut sind und so­wohl die Angestellten als auch die Umgebung durchgehend beobachten. Mittels künstlicher Intelligenz (KI) sollen gefährliche Verkehrssituationen oder Verhaltensweisen des Fahrenden erkannt werden. Auch die Paketübergabe wird dokumentiert.

Detaillierte Überwachung

Außerdem soll das Überwachungssystem im Fahrzeug die Angestellten fortan durch Ge­sichts­er­ken­nung authentifizieren und mit ihrem Fahrerkonto verbinden. Eine entsprechende Ver­ar­bei­tung biometrischer Informationen müssen die Angestellten ebenfalls abnicken. Im Zuge dieser Kontroverse erklärte ein Amazon-Mitarbeiter jüngst der Nachrichtenagentur Reu­ters, dass er die Verletzung seiner Privatsphäre und den Vertrauensbruch nicht weiter hin­neh­men könne und kündigte noch vor Inkrafttreten der neuen Maßnahmen am 23. März.

Bereits zuvor habe Amazon verlangt, den Schichtbeginn nicht nur mit einer Keycard sondern auch mit einem Selfie zu dokumentieren. Zudem ist der Einsatz von Amazons Mentor-App Pflicht, welche Fahrweise sowie Telefonnutzung überwacht und durchgehend den Standort an Amazon übermittelt. Abschließend generiere die App einen Score, mit dem die Leistungen der Angestellten bewertet werden können.

KI-Überwachung die "letzte Demütigung"

"Wenn wir über eine Bodenwelle fuhren, klap­per­te das Telefon, die Mentor-App pro­to­kol­lier­te, dass ich das Telefon während der Fahrt be­nutz­te, und bumm, wurde ich angedockt", be­rich­tet der ehemalige Angestellte. Die letzte De­mü­ti­gung sei nun die Entscheidung gewesen, eine KI-gesteuerte Kamera in den Lie­fer­fahr­zeu­gen zu installieren. Diese soll den Fah­ren­den während der gesamten Schicht filmen und ana­ly­sie­ren. Erkennt die KI der Kamera eine Ab­wei­chung im Verhalten wie beispielsweise ein blo­ßes Gähnen oder ein Blick auf das Handy, speichere sie das Material.

Es ist nicht das erste Mal, dass Amazon wegen seinem Umgang mit Angestellten oder Über­wa­chung in der Kritik steht. Erst Anfang Februar wurde bekannt, dass das Unternehmen sei­nen Flex-Fahrern Trinkgeld in Höhe von knapp 62 Millionen Dollar vorenthalten hatte. Au­ßer­dem schlug 2019 ein Patent hohe Wellen, das die Überwachung von Nachbarschaften durch Amazons Lieferdrohnen ermöglichen soll.

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