Mysterium Mondblitze: KI und Teleskop-System sollen Rätsel klären

Teleskop, Mondteleskop, Professor, Hakan Kayal Bildquelle: Tobias Greiner / Universität Würzburg
Kurze Blitze und anhaltende Lichterscheinungen auf der Mondoberfläche geben Wissenschaftlern seit Jahrzehnten Rätsel auf. Jetzt will ein deutscher Forscher zur Klärung des Mysteriums beitragen: Er hat ein ferngesteuertes Teleskopsystem entwickelt, das zusammen mit künstlicher Intelligenz endlich Licht in das Dunkel um die Phänomene bringen soll.

Es blitzt und funkelt auf dem Mond und keiner weiß, warum

Dass es auf dem Mond regelmäßig zu Lichterscheinungen verschiedener Art kommt, wird seit Jahrzehnten beobachtet. Zu den Ursachen können Wissenschaftler bisher aber nur Erklärungsversuche liefern. Erscheinungen wie Blitze könnten durch die Interaktion von Sonnenwind und Mond-Partikeln zu erklären sein, seismische Aktivitäten könnten Gase freisetzen, die den Anschein des Sonnenlichts beeinflussen. Ein Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) will die Klärung der Phänomene jetzt aber gezielter angehen. Mondteleskop von Professor Hakan KayalDas Mondteleskop von Professor Hakan Kayal. (Bild: Tobias Greiner / Universität Würzburg) "Man kennt die sogenannten transienten lunaren Phänomene schon seit den 1950er-Jahren, aber sie wurden nicht ausreichend systematisch und langfristig beobachtet", so Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der JMU. Um diese Beobachtung möglich zu machen, hat Kayal mit seinem Team ein ferngesteuertes Mondteleskop entwickelt und im April 2019 in einem privaten Observatorium in Spanien in Betrieb genommen.

Das System setzt auf zwei Kameras, die bei gleichzeitiger Registrierung einer Leuchterscheinung auf dem Mond weitere Aktionen mit dem Teleskop auslösen. "Es speichert dann Fotos und Videosequenzen von dem Ereignis und schickt via E-Mail eine Nachricht an Kayals Team", so die Universität in ihrer Mitteilung zum Projekt. Im zweiten Schritt werden diese Daten dann mithilfe von künstlicher Intelligenz aufbereitet: "Neuronale Netzwerke sorgen dafür, dass das System nach und nach lernt, einen Mondblitz von technischen Störungen oder von Objekten wie Vögeln und Flugzeugen zu unterscheiden, die vor der Kamera vorbeifliegen", so das Team.

Ein weiteres Jahr lernen

Das KI-System wird nach Einschätzung des Teams noch rund ein Jahr Zeit benötigen, bis die Erkennung der Leuchtphänomene zuverlässig funktioniert. Hat es sich auf dem Boden bewährt, würde sich Kayal in Zukunft auch den Einsatz bei einer Satellitenmission wünschen: "Wir sind dann die Störungen los, die sich durch die Atmosphäre ergeben."

Das wissenschafliche Interesse an Mondblitzen & Co. ist aus Sicht des Professors dabei auch mit Hinblick auf die verstärkten Aktivitäten verschiedener Nationen rund um den Mond angebracht. "Wer irgendwann eine Mondbasis bauen will, muss die Gegebenheiten vor Ort natürlich bestens kennen", so Kayal. Teleskop, Mondteleskop, Professor, Hakan Kayal Teleskop, Mondteleskop, Professor, Hakan Kayal Tobias Greiner / Universität Würzburg
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