Zum Tod von Internet-Pionier und Bürgerrechtler John Perry Barlow

Eff, Electronic Frontier Foundation, John Perry Barlow Bildquelle: EFF
Vor über 20 Jahren veröffentlichte er die viel beachtete "Unabhängig­keits­erklärung des Cyberspace", nun ist der US-Bürgerrechtler John Perry Barlow am 7. Februar im Alter von 70 Jahren verstorben. Der umtriebige Aktivist war vielen vor allem als Internet-Pionier bekannt, gründete unter anderem die Nichtregierungsorganisationen Electronic Frontier Foundation (EFF) sowie die Freedom of the Press Foundation und schrieb mit seinem Jugendfreund und The-Grateful-Dead-Gründungsmitglied Bob Weir zahllose Songs für die Rocker. Nun ist John Perry Barlow im Alter von 70 Jahren im Schlaf an einem Herzversagen gestorben, meldet The Guardian.

Gegenkultur zum US-amerikanischen Konservatismus

Barlow fing schon sehr früh an, sich nicht nur für Bürgerrechte und Redefreiheit zu interessieren, sondern auch als Aktivist an vorderster Front entsprechend für Aufklärung zu sorgen. Zunächst ging es dabei vor allem um eine Gegenkultur zum US-amerikanischen Konservatismus. Einen Bruder im Geiste fand Barlow als junger Erwachsener Anfang Zwanzig mit Bob Weir. 1971 begann Barlow seine Ideen und vor allem seine Klagen gegen die Gesellschaft dann zusammen mit dem Grateful Dead-Gründungsmitglied Weir in Songs umzusetzen. John Perry Barlow wurde so der zweite Song-Schreiber der Grateful Dead und blieb das bis zur Auflösung der Rocker 1995. Black Throated Wind, Looks Like Rain, Cassidy oder Mexicali Blues gehören zu den bekanntesten Songs aus seiner Feder.

Kampf um Bürgerrechte im Internet

Mit dem Aufkeimen des Internets und vor allem mit dem Start als Massenmedium begann Barlow sich für ein liberales Netz einzusetzen. So gründete er dann mit Mitch Kapor und John Gilmore im Jahr 1990 die Electronic Frontier Foundation (EFF), die sich als Nicht­regie­rungs­organi­sation als Verfechter der Grundrechte im Cyberspace verstehen.

Barlow gehörte dem so genannten Techno-Liberatismus an und schuf schließlich mit der "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" - im Original "Declaration of the In­de­pen­dence of Cyberspace" - eines der wohl bekanntesten Pamphlete für das Internetzeitalter.



Dieser Text orientiert sich nicht nur mit seiner Überschrift an der amerikanischen Unab­häng­ig­keits­erklärung, sondern folgt ihr auch stilistisch. Barlow veröffentlichte die Erklärung am 8. Februar 1996 im schweizerischen Davos, als eine Antwort auf die gerade von der US-Regierung neu beschlossenen Zensurmaßnahmen für den Cyberspace: "Wir werden im Cyberspace eine Zivilisation des Geistes erschaffen. Möge sie humaner und gerechter sein als die Welt, die Eure Regierungen bislang errichteten", heißt es am Schluss der Erklärung.

EFF-Nachruf

Die EFF hat zum Tode ihres Mitgründers einen Nachruf veröffentlicht, der Barlows Verdienste noch einmal hervorhebt:

"Barlows bleibendes Vermächtnis besteht darin, dass er sein Leben damit verbrachte, das Internet zu einer Welt zu machen, in die alle ohne Privilegien oder Vorurteile eintreten können, die durch Rasse, Wirtschaftsmacht, militärische Gewalt oder Geburtsstation gewährt werden. . . eine Welt, in der jeder, egal wie einzigartig, seinen Glauben zum Ausdruck bringen kann, ohne Angst zu haben, in Stille oder Konformität gezwungen zu werden."

Barlow arbeitete zuletzt an seiner Autobiografie. Sie wird im Sommer diesen Jahres unter dem Titel "Mother American Night: My Life in Crazy Times" erscheinen.

John Perry Barlow verstarb friedlich im Schlaf, wie es hieß. Eff, Electronic Frontier Foundation, John Perry Barlow Eff, Electronic Frontier Foundation, John Perry Barlow EFF
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