Bing: Microsoft kopiert Google-Ergebnisse (Update)
Wie 'SearchEngineLand' unter Berufung auf eine eigene Untersuchung und Angaben von Google berichtet, wurde mit Hilfe einer Art "Honeypot" nachgewiesen, dass Bing Ergebnisse von Google teilweise einfach "kopiert". Google wirft Microsoft nun vor, unberechtigt von der Leistungsfähigkeit seiner Suchmaschine zu profitieren.
Man habe kein Problem damit, wenn ein Wettbewerber einen innovativen Algorithmus entwickle, doch das Kopieren sei nach seinem Verständnis keine Innovation, so Amit Singhal, der bei Google an den Algorithmen für das Ranking der Suchergebnisse mitarbeitet.
Microsoft reagierte zunächst gelassen auf die Vorwürfe und wies diese nicht explizit zurück. Man arbeite mit verschiedenen Indikatoren und Herangehensweisen, wenn es um das Ranking von Suchergebnissen gehe. Wie andere Anbieter wolle man jedoch keine Angaben darüber machen, wie man genau vorgehe. Das Allgemeine Ziel sei es jedoch, den Zweck einer Suche besser einschätzen zu können, um die jeweils beste und relevanteste Antwort auf eine Anfrage zu liefern, so Stefan Weitz, Director for Bing bei Microsoft.
Opt-In-Programme wie die Bing-Toolbar und die Funktion "Vorgeschlagene Sites" des Internet Explorer 8 liefern laut Weitz Daten, die man wie andere Anbieter dazu nutze, die Relevanz von Suchergebnissen und Websites zu ermitteln. Das "Experiment" von Google erscheine in diesem Licht wie eine Art "Hack", mit dem die erhobenen Daten manipuliert oder anderweitig beeinflusst werden sollen, so der Microsoft-Manager weiter.
Google wurde auf Microsofts Verhalten angeblich mit Hilfe eines sogenannten "Bing Sting" aufmerksam. Dazu wurde zunächst einmalig verwendeter Code generiert, mit dem die Relevanz einer bestimmten Ergebnisseite für eine spezielle Anfrage manuell eingestuft werden konnte. Insgesamt wurden so rund 100 "synthetische" Ergebnisseiten erstellt.
Die dazu verwendeten Begriffe würde ein normaler Nutzer wohl nie für eine Websuche verwenden. Google verlinkte auf den präparierten Ergebnisseiten jeweils eine spezielle Website als ersten Treffer. Wenig später tauchten die als Köder verwendeten Suchbegriffe und Ergebnisseiten dann auch im Index von Microsofts Suchmaschine Bing auf. So liefern Anfragen für die Buchstabenfolge "hiybbprqag" zum Beispiel bei Google und bei Bing jeweils die gleichen Resultate.
Update vom 02.02.2011 17:45 Uhr
Google hat auf Microsofts Stellungnahme reagiert und weitere Informationen zu dem Vorwurf veröffentlicht, für Bing würden teilweise Ergebnisse von Google kopiert. Nach Angaben von Amit Singhal wurde man durch einen Zufall auf die Übernahme von Resultaten durch den Konkurrenten aufmerksam.
Es ging um ein von den Nutzern häufig falsch geschriebenes Wort, für das zwar Google, nicht aber Bing Resultate lieferte. Wenig später fiel den Google-Entwicklern auf, dass Bing mit einiger Verzögerung zumindest das erste Ergebnis von Googles inklusive korrigierter Schreibweise ausgegebener Ergebnisseite übernommen hatte.


In der Folge kam die Frage auf, wie Bing in der Lage war, das erste Ergebnis zu liefern, ohne die korrigierte Schreibweise zu kennen. Anhand dieses ersten Hinweises verfolgte man die Entwicklung weiter, bis auffiel, dass Bing mit steigender Häufigkeit für diverse Anfragen die gleichen Ergebnisse lieferte, egal ob sie beliebt, selten, unüblich oder gar falsch geschrieben waren.
Um die eigenen Thesen zu überprüfen, wurden die oben beschriebenen "synthetischen Anfragen" und die manipulierten Ergebnisseiten geschaffen. Nun erhielten 20 Entwickler Laptops mit einem frisch installierten Windows mit Internet Explorer 8 und Bing Toolbar, wobei auch die Funktion "Vorgeschlagene Sites" eingeschaltet wurde.


Die Entwickler wurden gebeten, auf der Google Homepage die synthetischen Anfragen einzugeben, woraufhin Bing mit einigen Wochen Verzögerung tatsächlich die manipulierten Ergebnisseiten übernahm. Der Test bestätigte, dass Microsoft offenbar die bei der Suche über Google eingegebenen Anfragen und die zurück gelieferten Ergebnisse übernahm.
Google wies damit nach, dass der Internet Explorer 8 tatsächlich Daten aus der Funktion "Vorgeschlagene Sites" und von der Bing Toolbar zu Microsoft übertrug, um zu ermitteln, was bei der Suche über Google eingegeben und gefunden wurde. In der Folge sei dann eine "billige Imitation" der Google-Ergebnisse bei Bing ausgegeben worden.
Singhal kritisiert nun erneut, dass Microsoft nicht mit neuen innovativen Algorithmen die eigenen Suchergebnisse verbessert, sondern einfach die Resultate eines Konkurrenten "recyclet". Wer wirklich echte, relevante Suchergebnisse wünsche, solle daher lieber gleich zu Google kommen, empfahl der Forscher. Grundsätzlich verlange man außerdem von Microsoft, derartige Aktivitäten generell zu unterlassen.
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