Wo ein Verkauf sittenwidrig wird:
Drucker-Tinte für 1.700 Jahre

Es gibt Anwender, bei denen stets dann die Druckertinte alle ist, wenn dringend ein wichtiges Dokument zu Papier gebracht werden muss. Und dann gibt es da noch einen kleinen Landwirtschaftsbetrieb in Australien, der genug Tintenvorräte aufgedrückt bekam, um die nächsten Jahrtausende zu überstehen. Da es immer noch Unternehmen gibt, die versuchen, über so genannte Cold-Calls neue Kunden zu gewinnen, muss die Masche hinreichend erfolgreich sein. Das gilt wohl besonders, wenn man einen so skrupellosen und hartnäckigen Verkäufer beschäftigt, wie es bei dem Büromaterial-Zulieferer Corporate Office Supplies der Fall war. Dieser nervte die Betreiber des Bauernhofes Rod und Charmaine Sharp so intensiv, dass diese letztlich mit riesigen Mengen an Druckertinte dasaßen.

Wie die Frau des Farmer-Pärchens laut der Brisbane Times berichtete, hätte der Vertrieb eines Tages Mitte des Jahres 2015 angerufen. Die Sache eskalierte wohl recht schnell und um endlich Ruhe zu haben, willigte die Frau letztlich in den Kauf von 56 Tinten-Cartridges ein. Selbst das waren schon mehr, als sie auf ihrer Farm je benötigen würde - bisher reichte eine Füllung immerhin gute zehn Monate. Die Verkäufer hatten nun aber offenbar Blut geleckt und wurden noch penetranter. Das ging dann so weit, bis sie die Einwilligung hatten, den Farmern auch noch Gutscheine für den späteren Bezug von fast 2.000 Cartridges zu schicken. Damit wäre das Büro nun für die nächsten 1.700 Jahre mit ausreichend Tinte versorgt.

Erst vor Gericht wurde es ruhiger

Erst mit einem Anwalt gelang es den betroffenen Nutzern nun, die Sache wieder rückgängig zu machen. Vor Gericht haben Vertreter des Handelsunternehmens zwar betont, dass man die Käufer keineswegs unter Druck gesetzt habe und diese freiwillig in den Kauf eingewilligt hätten - ansonsten hätten sie ja einfach auflegen können - doch das war wenig glaubhaft.

Corporate Office Supplies wird nun wohl außerdem von Verbraucherschützern genauer unter die Lupe genommen. Die Firma gehört einem jungen Unternehmer, der mit den harten Verkaufsmethoden offensichtlich recht gut verdient und oft irgendwo in der Welt unterwegs ist. Zwischendurch gratuliert er seinem Team dann auch schonmal öffentlich, an nur einem Morgen Aufträge von einer viertel Million Dollar generiert zu haben.

Hierzulande hat der Gesetzgeber solchen Vertriebsmethoden ein Stück weit einen Riegel vorgeschoben. Das gilt allerdings nur für private Verbraucher. Firmen - auch wenn es sich nur um alleinstehende Selbstständige handelt, können weiterhin mit Cold-Calls geködert werden.
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