Angespielt: Civilization 6 - Trotz kleiner Macken ein Fest für PC-Strategen
Aus eins mach zwei
Forschung ist grundsätzlich gleichgeblieben, allerdings hat Firaxis den bekannten Baum etwas reduziert (auf den ersten Blick). Neu ist hingegen die Möglichkeit, bestimmte Forschungsgebiete per Boost etwas zu verkürzen. Dieses Anschieben bekommt man durch viele Aktionen, die man im Spielverlauf durchführt. Das Bauen bestimmter Gebäude, Anlegen von Gebietsverbesserungen und vieles mehr steigert die thematisch verwandte Forschung. Diese möglichen Boosts sind auch im Rahmen des Baums angeführt, weshalb man hier auch zielgerichtet agieren kann.Die zuvor erwähnte Reduzierung des Forschungsbaums ist nur auf den ersten Blick eine. Denn es gibt in Civ6 einen zweiten: den Ausrichtungsbaum. Dieser ersetzt gemeinsam mit der Regierungsübersicht das frühere System der Staatsformen. Und hier sind die Änderungen signifikant: Denn die Kulturfortschritte müssen zunächst erforscht werden, diese schalten gemeinsam mit den jeweiligen Themen (Gesetzgebung, Handwerkskunst, Mystik, Feudalismus, Nationalismus etc.) auch bestimmte Regierungsformen frei.
Karten auf den Tisch
Der Regierungstyp erlaubt es, drei Politiksparten (Militär, Wirtschaft und Diplomatie) mit Karten zu besetzen, dazu kommt noch ein Joker-Bereich, wo man Karten jeder Art bzw. jene für große Persönlichkeiten einsetzen kann. Die Karten sind ein zunächst ungewohntes System, schnell merkt man aber, wie praktisch und flexibel es ist. Denn jede Karte ermöglicht einen bestimmten Vorteil.So kann man anfangs beispielsweise die Stärke seiner Truppen gegen Barbaren verbessern, die Produktionszeit von bestimmten Einheitentypen verkürzen, den Handwerkern zwei zusätzliche Ladungen verpassen, den Einfluss (auf die nun etwas weniger wichtigen) Stadtstaaten ausdehnen und vieles mehr.
Stadtstaaten sind ebenfalls an Bord, insgesamt spielen sie aber eine etwas untergeordnete Rolle
Wie viele Karten man wo platzieren kann, hängt von der Art der gewählten Staatsform ab: Militärische Regierungen haben entsprechend mehr rote Karten, wirtschaftliche mehr gelbe. Der kostenlose Wechsel der Karten ist in der Regel nur nach Fertigstellung einer Kultur-"Forschung" möglich. Zwischendurch kann man das zwar ebenfalls tun, das kostet dann aber Gold (gleiches gilt für die Regierungsform).
Der Vorteil dieser politischen Karten ist, dass man dadurch wesentlich flexibler regieren kann: Wem ein Krieg bevorsteht und frische Truppen braucht, der passt die Vorteile entsprechend an, in Friedenszeiten stärkt man natürlich andere Bereiche. Hier ist Planung ebenfalls essentiell, denn natürlich sollte man einen (kostbaren) Platz nicht dauerhaft mit etwa dem Siedler-Boost besetzen, sondern nur dann, wenn man gleich mehrere neue Siedlungen gründen will und die Siedler in gleich mehreren Städten ausbildet.
Auf in den Kampf
Das Kampfsystem ist so gut wie unverändert geblieben, winzige Ausnahme ist die Möglichkeit, Einheiten desselben Typs zu einer Armee zusammenfassen zu können. Der Wunsch mancher, unterschiedliche Kampfeinheiten auf einem Feld platzieren zu können, wurde nicht erfüllt. Uns stört das nicht, denn das würde die Kämpfe zu Materialschlachten ohne viel taktischen Anspruch machen. Das Civ-typische System funktioniert seit jeher mehr oder weniger unverändert und was nicht kaputt ist, muss auch nicht repariert werden.Arbeiten sollte Firaxis aber noch an der KI. Denn die agiert nicht immer so wie man es gerne hätte. Sprich: Sie ist mitunter ziemlich doof, wer angegriffen wird, dem wirft der PC-Gegner relativ stumpf all seine Truppen entgegen. Wer die Hauptwelle erstmal überstanden hat, der kann im Gegenschlag die feindlichen Städte (zu) leicht einnehmen. Auch in der Diplomatie gibt es immer wieder einige nicht nachvollziehbare Aktionen, hier werden die Entwickler hoffentlich noch per Patch Optimierungen nachliefern.
Grafik, Artdesign und Technik
Was den meisten sofort auffallen wird und auch nicht jedem gefällt, ist die neue Optik. Die hat etwas Comic-haftes und hat an Realismus verloren. Das ist sicherlich Geschmackssache (uns stört das nicht), ein Grund, Civ6 deshalb zu meiden ist es sicherlich nicht. Denn man gewöhnt sich schlichtweg daran und "sieht" sie recht schnell nicht mehr, schließlich ist man zu sehr darauf konzentriert, sein Reich zu managen.
Sehr hübsch, aber nicht jedermanns Geschmack: das Grafik und Artdesign
Technisch hat Civ6 einen großen Schritt nach vorne gemacht, denn das Spiel läuft auch auf schwächeren Rechnern flott genug. Wirklich auffällig sind die verkürzten Ladezeiten: Der Vorgänger, der die CPU ziemlich stark beansprucht hat, entwickelte sich im Spielverlauf gerne zu einer nahezu endlosen Warteorgie, der sechste Teil "flutscht" diesbezüglich wesentlich besser.
Fazit
Vom besten Civilization aller Zeiten zu sprechen, ist immer gefährlich, weil jeder seinen eigenen Liebling hat. Dazu kommt, dass man ein Spiel wie Civ üblicherweise erst nach mehreren hundert Spielstunden final beurteilen kann. Und dreistellige Stundenkonten sind für Civ-Spieler bekanntlich alles andere als ungewöhnlich.Das Potenzial dazu hat der sechste Teil aber zweifellos. Vor allem hat Firaxis aus den Fehlern des Vorgängers gelernt und liefert fast alle wesentlichen Spielelemente von Anfang an mit. Ein paar kleine Macken kann man nicht leugnen, die sind aber angesichts des Umfangs von Civilization 6 zu erwarten gewesen und wohl auch zu verschmerzen. Wir jedenfalls freuen uns auf viele Stunden mit Friedrich Barabarossa, Kleopatra, Victoria, Gandhi und Co.
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