Sonde entdeckt Hinweise auf mögliche Vulkanaktivität auf dem Mars

Schlummert tief im Inneren des Mars noch heißes Magma? Daten zeigen sommerliche Ausgasungen von Chlorwasserstoff am Vulkan Alba Mons. Falls dort hydrothermale Systeme aktiv sind, könnten sie Mikroorganismen einen Lebensraum bieten.
Nasa, Mars, Oberfläche, Aufnahme, Perseverance, Mars-Rover
NASA
  • Messungen der ESA-Sonde deuten auf heißes Magma unter der Marsoberfläche hin
  • Chlorwasserstoff in der Atmosphäre des Mars weist ungewöhnliche Spitzen auf
  • Die Gasaustritte konzentrieren sich auf Spalten an den Flanken des Alba Mons
  • Im Sommer sublimiert dort Eis und gibt den Weg für aufsteigende Gase frei
  • Hydrothermale Systeme im Untergrund könnten Mikroorganismen Schutz bieten

Der Mars schläft nur

Im inneren Sonnensystem sind zahlreiche Vulkane aktiv. Wissenschaftler gehen überwiegend davon aus, dass auch die von dichten Wolken umhüllte Venus aktive Vulkane besitzt. Auf dem Mars wurden dagegen bislang keine eindeutigen Anzeichen gegenwärtiger vulkanischer Aktivität beobachtet.

Ein internationales Forschungsteam um Alexander Trokhimovskiy hat nun Daten ausgewertet, die auf Aktivität im Inneren des Planeten hindeuten. Messungen der Sonde ExoMars Trace Gas Orbiter der europäischen Raumfahrtagentur ESA lassen vermuten, dass unter der Marsoberfläche noch heißes Magma vorhanden ist.


Wie Eurekalert berichtet, wies die Sonde Chlorwasserstoff in der Atmosphäre nach. Auf der Erde entweicht das Gas unter anderem aus magmatischen Schloten.

Der Orbiter hatte Chlorwasserstoff bereits 2021 nachgewiesen. Nun bemerkten die Forscher ungewöhnliche Konzentrationsspitzen im frühen Sommer der nördlichen Marshemisphäre. Üblicherweise erreicht die Konzentration dort im Winter ihr Maximum und geht im Sommer fast vollständig zurück. Die Abweichungen traten wiederholt zur gleichen Jahreszeit über vulkanischen Spalten an den Flanken des Alba Mons auf.

Spalten im Alba Mons

Alba Mons besitzt die größte Grundfläche aller Vulkane im Sonnensystem. Aufnahmen zeigen dort frische, schmale und teils mehrere Hundert Meter lange Risse sowie Farbveränderungen der Oberfläche. Daniel Mège, Professor am Weltraumforschungszentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften, vermutet, dass magmatische Gase aus einer ruhenden Magmakammer durch die Spalten aufsteigen könnten.

Nach der Erklärung des Teams verschließt Eis die Risse im Marswinter bei Temperaturen von bis zu minus 120 Grad Celsius. Im frühen Sommer sublimiert das Eis, geht also direkt in den gasförmigen Zustand über. Dadurch könnte Chlorwasserstoff entweichen. Die Verfärbungen um die Spalten könnten von Ablagerungen austretender Gase stammen. Infografik Mars, Saturn, Neptun & Co.: Die entfernten Nachbarn unserer ErdeMars, Saturn, Neptun & Co.: Die entfernten Nachbarn unserer Erde

Lebensraum im Untergrund

Die Forscher sehen in den möglichen Ausgasungen einen Ansatzpunkt für die Suche nach Leben. Trifft aufsteigendes Magma auf Grundwasser, könnten hydrothermale Systeme entstehen. Diese warmen Bereiche im Untergrund könnten Mikroorganismen Energie, chemische Bausteine und Schutz vor den lebensfeindlichen, wechselnden Bedingungen an der Oberfläche bieten.

Überrascht euch diese Entdeckung auf dem Mars? Glaubt ihr, dass wir in warmen Nischen im Untergrund mikrobielles Leben finden könnten? Teilt eure Meinung gerne in den Kommentaren!

Siehe auch:
Nadine Dressler

Redakteurin für Windows & Netzwerke

Seit 2001 im Journalismus, klassisch ausgebildet, Autorin eines Windows-Buches. Ihre Themen reichen von Insider-Builds über die FritzBox bis zu DSL und Starlink.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!