Hacker griffen Russlands Statistikamt an, erbeuteten Kriegsopferzahlen
Die russische Statistikbehörde Rosstat ist Opfer eines Cyberangriffs geworden. Hackergruppen behaupten, 23 Terabyte an sensiblen Daten erbeutet zu haben, darunter Angaben zu russischen Kriegsverlusten. Die Behörde dementiert jedoch einen Leak.
Den Hackern zufolge hielten sie sich bereits seit einem halben Jahr unbemerkt im Netzwerk auf. Sie erlangten dabei angeblich Zugriff auf Domänencontroller zur Rechteverwaltung sowie auf Virtualisierungsserver, die unter anderem auf VMware ESXi basieren. In der Zeit sammelten sie nach eigenen Angaben insgesamt 23 Terabyte an Informationen, bevor sie die Systeme lahmlegten.
Die angeblich gestohlenen Datenpakete umfassen demografische und wirtschaftliche Statistiken, Volkszählungsdaten sowie Informationen aus den russisch besetzten ukrainischen Gebieten. Allein zwei Terabyte entfallen demnach auf Dokumente, die nur für den internen Dienstgebrauch bestimmt sind. Zudem zerstörten die Täter nach eigenen Angaben das interne Dokumentenmanagementsystem der Behörde.
Die Hauptwebsite der Behörde war zwischenzeitlich nicht erreichbar und mit Slogans verunstaltet. Besonders im Fokus stehen die Behauptungen der Hacker rund um russische Militärverluste. Rosstat erfasst standardmäßig Todesursachen, veröffentlicht jedoch seit 2024 keine abschließenden Statistiken mehr dazu. Die Angreifer präsentierten eine Grafik, die angeblich auf den erbeuteten Daten beruht und wonach in den vergangenen zwei Jahren monatlich zwischen 25.000 und 50.000 russische Soldaten gefallen sein sollen. Diese Zahlen sind natürlich besonders sensibel, da sie ein wichtiges Werkzeug im Propagandakrieg sind bzw. sein könnten.
Seit Juli 2026 stuft der russische Oberste Gerichtshof sowohl Belarusian Cyber Partisans als auch Silent Crow als extremistische Organisationen ein. Unabhängig überprüfen lassen sich die aktuell veröffentlichten Zahlen und der tatsächliche Umfang des mutmaßlichen Datenabflusses bei Rosstat derzeit allerdings nicht.
Glaubt ihr, dass die Hacker tatsächlich Zugriff auf die wahren Verlustzahlen erlangt haben? Teilt eure Einschätzung gerne unten in den Kommentaren mit uns!
Siehe auch:
- Hacker attackierten die IT-Infrastruktur der russischen Statistikbehörde
- Die Tätergruppen behaupten, 23 Terabyte an sensiblen Daten erbeutet zu haben
- Rosstat bestätigt koordinierte Angriffe, bestreitet jedoch jeden Datenabfluss
- Eine veröffentlichte Grafik soll extrem hohe russische Kriegsverluste zeigen
- Beide Hackergruppen wurden in Russland bereits als extremistisch eingestuft
- Der tatsächliche Umfang des Datendiebstahls lässt sich nicht unabhängig prüfen
Großangriff auf russische Behörde
Zwischen dem 29. Oktober und dem 1. November haben Angreifer die IT-Infrastruktur der russischen Statistikbehörde Rosstat attackiert. Zumindest behaupten sie das. Die Hackergruppen Belarusian Cyber Partisans und Silent Crow reklamieren die Tat für sich. Sie geben an, rund 25.000 Computer und Server kompromittiert sowie virtuelle Maschinen und Datenbanken teilweise zerstört zu haben. Zudem sollen sie vertrauliche Sterbedaten mit den jeweiligen Todesursachen erbeutet haben.Den Hackern zufolge hielten sie sich bereits seit einem halben Jahr unbemerkt im Netzwerk auf. Sie erlangten dabei angeblich Zugriff auf Domänencontroller zur Rechteverwaltung sowie auf Virtualisierungsserver, die unter anderem auf VMware ESXi basieren. In der Zeit sammelten sie nach eigenen Angaben insgesamt 23 Terabyte an Informationen, bevor sie die Systeme lahmlegten.
Die angeblich gestohlenen Datenpakete umfassen demografische und wirtschaftliche Statistiken, Volkszählungsdaten sowie Informationen aus den russisch besetzten ukrainischen Gebieten. Allein zwei Terabyte entfallen demnach auf Dokumente, die nur für den internen Dienstgebrauch bestimmt sind. Zudem zerstörten die Täter nach eigenen Angaben das interne Dokumentenmanagementsystem der Behörde.
Zweifel an erbeuteten Datenmengen
Die Behörde bestätigt zwar zielgerichtete und koordinierte Angriffe, widerspricht der Darstellung der Hacker jedoch in zentralen Punkten. Wie The Moscow Times berichtet, bestreitet Rosstat, dass Datenbanken kompromittiert oder rechtlich geschützte Informationen abgeflossen sind. Die internen Überwachungssysteme hätten verdächtige Aktivitäten erkannt, sodass Sicherheitsspezialisten rechtzeitig eingreifen konnten.Die Hauptwebsite der Behörde war zwischenzeitlich nicht erreichbar und mit Slogans verunstaltet. Besonders im Fokus stehen die Behauptungen der Hacker rund um russische Militärverluste. Rosstat erfasst standardmäßig Todesursachen, veröffentlicht jedoch seit 2024 keine abschließenden Statistiken mehr dazu. Die Angreifer präsentierten eine Grafik, die angeblich auf den erbeuteten Daten beruht und wonach in den vergangenen zwei Jahren monatlich zwischen 25.000 und 50.000 russische Soldaten gefallen sein sollen. Diese Zahlen sind natürlich besonders sensibel, da sie ein wichtiges Werkzeug im Propagandakrieg sind bzw. sein könnten.
Fokus auf staatliche Institutionen
Die beiden Gruppen sind in Russland keine Unbekannten. Bereits im Juli 2025 reklamierten sie gemeinsam einen Angriff auf die IT-Systeme der Fluggesellschaft Aeroflot für sich, der zur Annullierung von über 100 Flügen führte. Auch die Immobilienbehörde Rosreestr geriet im Januar 2025 ins Visier von Silent Crow, wobei angeblich persönliche Daten ins Netz gelangten.Seit Juli 2026 stuft der russische Oberste Gerichtshof sowohl Belarusian Cyber Partisans als auch Silent Crow als extremistische Organisationen ein. Unabhängig überprüfen lassen sich die aktuell veröffentlichten Zahlen und der tatsächliche Umfang des mutmaßlichen Datenabflusses bei Rosstat derzeit allerdings nicht.
Glaubt ihr, dass die Hacker tatsächlich Zugriff auf die wahren Verlustzahlen erlangt haben? Teilt eure Einschätzung gerne unten in den Kommentaren mit uns!
Siehe auch:
- Pro-russische Hacker greifen gezielt Wasser- und Industrieanlagen an
- Microsoft warnt: Russische Hacker phishen über Airport- & Hotel-WLAN
- USA loben stolze Belohnung für Hinweise auf russische Hacker aus
- Russische Staatshacker kapern Konten von Signal und WhatsApp
- Hochrangiger russischer Geheimdiensthacker in Thailand verhaftet
Thema:
Witold PryjdaSenior Redakteur
Seit 1996 im Journalismus, ausgebildet an der Österreichischen Medienakademie. Sein Spektrum reicht von Robotern und KI über E-Autos bis zur Militärtechnik.
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