Flucht vor Drohnen: Russen wollen Datenzentren unter die Erde verlegen

Russland will seine Rechenzentren vor ukrainischen Drohnen­angriffen schützen. Dazu erwägt die staatliche Telekommunikations­gesellschaft Rostelecom, Teile der Infrastruktur unter die Erde zu verlegen, beispielsweise in Bergwerke.
Hacker, Malware, Angriff, Hack, Kriminalität, Russland, Virus, Schadsoftware, Exploit, Cybercrime, Hacking, Hackerangriff, Internetkriminalität, Darknet, Hacker Angriff, Hacker Angriffe, Hacken, Attack, Ransom, Hacks, Russische Hacker
  • Rostelecom erwägt die Verlegung von Servern in unterirdische Bergwerke
  • Drohnenangriffe aus der Ukraine treffen seit September gezielt Rechenzentren
  • Ausfälle digitaler Dienste betreffen Yandex, Sberbank und Ministerien
  • Yandex brachte seine drei wichtigsten KI-Supercomputer in Sicherheit
  • Ein neuer Erlass verpflichtet Betreiber zur Reservierung von Kapazitäten
  • Russland erlaubt im Notfall nun auch die Nutzung ausländischer Server

Mehr Tarnung

Wie die russische Zeitung Vedomosti berichtet, führt Rostelecom Gespräche mit dem Bergbauunternehmen Norilsk über die Verlagerung von Rechenzentren in unterirdische Anlagen. Auch andere ungewöhnliche Schutzkonzepte stehen zur Diskussion. So schlug ein Regionalgouverneur vor, Rechenzentren in Tagebau-Kohlegruben unterzubringen und darüber öffentliche Grünanlagen anzulegen, um die technische Infrastruktur zu tarnen.

Hintergrund sind ukrainische Drohnenangriffe, die seit Ende September gezielt russische Rechenzentren treffen. Betroffen waren unter anderem Anlagen des Technologiekonzerns Yandex, der staatlichen Bank Sberbank, des sozialen Netzwerks VKontakte sowie des Finanzministeriums. Die Angriffe verursachten Ausfälle bei zahlreichen digitalen Diensten. Dazu gehörten Zahlungs- und Banking-Apps, Online-Handelsplattformen, Streaming-Angebote sowie Fahrdienst- und Lieferdienste.


Yandex musste zudem sämtliche drei seiner wichtigsten Supercomputer verlegen, nachdem ukrainische Drohnen die Rechenzentren angegriffen hatten, in denen die KI-Systeme ursprünglich untergebracht waren.

Am 2. November unterzeichnete Putin außerdem einen Erlass, der Betreiber verpflichtet, zehn Prozent ihrer verfügbaren Rechenkapazität für mögliche staatliche Anforderungen freizuhalten. Die Regierung kann diese Ressourcen bei Bedarf für Notfälle beanspruchen. Darüber hinaus erlaubt die Regelung einer Sonderkommission, unter Beteiligung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB auch ausländische Rechenzentren zu nutzen.

Ukraine ist schon weiter

Letzteres ist eine Kehrtwende gegenüber der bisherigen Politik. Russland hatte mit seinem Gesetz über das "souveräne Internet" den Einsatz ausländischer Cloud-Infrastruktur erst vor kurzer Zeit stark eingeschränkt. Der Aufbau eines zentralisierten, weitgehend abgeschotteten Netzes, das von wenigen heimischen Unternehmen getragen wird, erweist sich nun allerdings als Schwachstelle.

Die Ukraine setzt dagegen auf eine stärker verteilte Infrastruktur. Bereits kurz nach Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 unterstützten Amazon und Microsoft die Verlagerung staatlicher Daten und wichtiger digitaler Dienste in europäische Cloud-Regionen. Ergänzend dienen Starlink-Terminals von SpaceX als alternative Kommunikationsverbindung. Die Ukraine hat zudem wichtige Energie- und Telekommunikationsanlagen räumlich verteilt und teilweise unterirdisch verlegt, um sie vor Angriffen zu schützen.

Siehe auch:
Christian Kahle

Redakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt

Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.

WinFuture bei Google bevorzugenJetzt hinzufügen
Jetzt einen Kommentar schreiben


Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!