Server statt Spielzeug: Playmobil-Stammwerk wird zu Rechenzentrum

Wo jahrzehntelang Plastikfiguren vom Band liefen, sollen künftig Server einziehen. Das geschlossene Playmobil-Stammwerk in Dietenhofen soll zu einem Rechenzentrums-Campus mit 100 Megawatt Leistung umgebaut werden.
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WinFuture/Symbolbild
  • Playmobil baut sein früheres Stammwerk in einen Rechenzentrumscampus um
  • Der neue Geschäftsbereich Playmobil digital richtet sich an KI-Kunden
  • Eine bestehende Anbindung an das Hochspannungsnetz begünstigt den Umbau
  • Die Horst Brandstätter Group investiert dreistellige Millionenbeträge
  • Für Kunden entstehen flexible Modelle bis hin zu gemieteter IT-Hardware
  • Die Spielzeugproduktion wurde wegen zu hoher Kosten ins Ausland verlegt

Vom Spielzeug zum Rechenzentrum

Der KI-Boom sorgt bei Firmen wie Microsoft für immer neue Rekordeinnahmen. Kein Wunder, dass auch andere Unternehmen von den aktuellen Entwicklungen profitieren wollen. Selbst Konzerne aus völlig anderen Branchen wie etwa Schuhhersteller steigen plötzlich in das KI-Geschäft ein. Jetzt geht auch das Unternehmen hinter der deutschen Spielzeugmarke Playmobil diesen Schritt.

So hat die Playmobil-Mutter Horst Brandstätter Group verkündet, man werde das alte Playmobil-Stammwerk im mittelfränkischen Dietenhofen zu einem Rechenzentrums-Campus mit einer Leistung von zunächst 100 Megawatt umbauen. Unter dem Schirm eines neu geplanten Geschäftsbereichs mit dem Namen "Playmobil digital" ist vorgesehen, das 18 Hektar große Industrieareal speziell für die Anforderungen von künstlicher Intelligenz und High-Density-Computing umzurüsten.


Entscheidend für die Standortwahl ist die bereits vorhandene Energieinfrastruktur. Das Areal verfügt über eine Anbindung an das 110-Kilovolt-Hochspannungsnetz mit zwei Zuführungen aus unterschiedlichen Richtungen. Der regionale Energieversorger N-Ergie hat die benötigten Netzkapazitäten bereits zugesichert. Der Ausbau soll modular erfolgen, wobei anfänglich die bestehenden Industriehallen genutzt werden sollen, bevor später entsprechende Neubauten auf dem Gelände entstehen.

Umsatzkrise und Neuausrichtung

Wie die Horst Brandstätter Group in ihrer Pressemitteilung erklärt, investiert die stiftungsgeführte Unternehmensgruppe in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in den Umbau. Dieser Schritt folgt auf eine jahrelange wirtschaftliche Talfahrt. Während der Konzern im Geschäftsjahr 2020/21 noch einen Umsatz von rund 760 Millionen Euro erwirtschaftete, fielen die Erlöse bis zum Jahr 2024/25 auf 409 Millionen Euro.

Das traditionsreiche Werk in Dietenhofen wurde daher Ende Juni geschlossen und die Spielzeug-Fertigung nach Malta sowie in die Tschechische Republik verlagert. Das Unternehmen begründete die Verlagerung mit hohen Lohn- und Energiekosten in Deutschland. Rund 350 Beschäftigte verloren dabei ihren Arbeitsplatz. Damit endete die jahrzehntelange Produktion der bekannten Kunststofffiguren am deutschen Standort.

Neben dem Einstieg in das Geschäft mit IT-Infrastruktur versucht die Spielwarenmarke, neue Zielgruppen durch Fußballfiguren und Lizenzpartnerschaften mit Marken wie Barbie zu erschließen. Zum Konzern gehören zudem auch die Playmobil-Funparks und die Marke Lechuza, die Pflanzgefäße vertreibt.

Vier verschiedene Nutzungsmodelle

Für zukünftige externe Kunden von Playmobil digital plant das Unternehmen verschiedene Modelle. Sie reichen von der Verpachtung erschlossener Grundstücke unter dem Namen Land & Power über bezugsfertige Gebäude mit Kühlung und Sicherheitsinfrastruktur bis hin zu Colocation und verwalteten Rechenkapazitäten. Bei Letzterem benötigen Mieter keine eigene Hardware.

Beim Betrieb soll Strom aus erneuerbaren Energien und eigenen Photovoltaikanlagen zum Einsatz kommen. Die anfallende Abwärme soll perspektivisch in kommunale Wärmenetze fließen. Konkrete Termine für die Inbetriebnahme des Campus in Dietenhofen stehen bislang aber nicht fest.

Was haltet ihr von dem Schritt vom Spielwarenhersteller zum KI-Anbieter? Findet ihr die Umwandlung alter Industrieanlagen sinnvoll oder seht ihr Rechenzentren generell kritisch? Teilt eure Gedanken gerne unten in den Kommentaren mit uns!

Siehe auch:
Felix Krauth

Redakteur für Windows & Hardware

War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

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