Code-Knacker: KI macht Napoleon-Brief nach 217 Jahren erstmals lesbar

Mithilfe von GPT-6 Astra ist es gelungen, einen ungelösten Geheimcode aus der Zeit der Napoleonischen Kriege zu knacken. Was 217 Jahre lang nicht möglich war, gelang der KI in nur rund sechs Stunden.
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WinFuture/KI-generiert
  • Das KI-Modell GPT-6 Astra löste ein 217 Jahre altes Kryptografie-Rätsel
  • Ein verschlüsselter Brief von 1809 aus Napoleons Umfeld wurde entziffert
  • Als Ausgangsbasis für die Analyse diente ein Zeitschriften-Scan von 1969
  • Die künstliche Intelligenz knackte den Geheimcode in nur sechs Stunden
  • Das Dokument enthält Befehle sowie Standorte für Hunderttausende Soldaten
  • Der Adressat General Marmont lief im Jahr 1814 zu den Alliierten über

KI knackt historischen Code

Nachdem GPT-6 Astra von OpenAI erst vor wenigen Wochen einen alten deutschen Weltkriegs-Funkspruch entschlüsseln konnte, hat das KI-Modell jetzt ein weiteres, seit rund 217 Jahren ungelöstes Kryptografie-Rätsel gelöst. Es stand auf der Cryptiana, einer umfassenden Liste bisher ungelöster verschlüsselter Dokumente, und ist ein historischer Brief aus dem direkten Umfeld von Napoleon Bonaparte.

Das bislang als unlesbar geltende Dokument konnte nun erstmals entziffert werden. Der Brief aus dem Frühjahr 1809 enthält militärische Befehle und Truppenstellungen aus der Zeit kurz vor dem französischen Krieg gegen Österreich. Das verschlüsselte Schreiben stammte aus dem Hauptquartier von Napoleons Stiefsohn Eugène de Beauharnais und richtete sich an den im heutigen Kroatien stationierten General Auguste de Marmont, dem zu diesem Zeitpunkt frisch ernannten Herzog von Ragusa.


Als Grundlage für die Entschlüsselung diente der KI lediglich ein einziger Scan des handschriftlichen Dokuments aus einer französischen Militärzeitschrift von 1969. Die Abbildung zeigte neben einer Zeile Klartext genau 24 Reihen bestehend aus Zahlen, Buchstaben und erfundenen Zeichen, die sich auf 1300 Einheiten verteilen.

In nur sechs Stunden geknackt

Wie der Entwickler Carter Church in einem detaillierten Bericht ausführt, übernahm GPT-6 Astra fast die gesamte Arbeit bei der Entschlüsselung. Das Modell zerlegte das Bild zunächst in einzelne Zeilen und erkannte 155 verschiedene Zeichen. Mit einer bereits bekannten Teiltabelle schrieb GPT-6 Astra selbstständig ein Programm, das mögliche Zuordnungen durchprobierte. Nach lediglich rund sechs Stunden Rechenzeit und dem Abgleich mit französischen Sprachmustern war der Text lesbar. Verschlüsselter Napoleonischer MilitärbriefDer Scan des verschlüsselten Originals
Entschlüsselter Napoleonischer Militärbrief - Übersetzung
[Diese Briefe] enthielten die Befehle und Anweisungen, die [Seine Majestät] mir aufgetragen hatte, Ihnen zu übermitteln. Ich beeile mich heute, Sie über die Aufstellung der französischen und verbündeten Heere zu unterrichten. Der Herzog von Danzig besetzt an der Spitze von vierzigtausend Bayern München und Passau. Prinz Poniatowski lagert an der Spitze von dreißigtausend Polen an der Weichsel und bedroht Krakau. Der Prinz von Ponte-Corvo befehligt die sächsische Armee, die vor Dresden lagert, und der Herzog von Auerstaedt besetzt Bayreuth mit achtzigtausend französischen Soldaten. Der Herzog von Rivoli befehligt sechzigtausend Mann, die in Ulm und Donauwörth einquartiert sind. [General] Oudinot befindet sich mit dem aus vierzigtausend Mann bestehenden Elitekorps in Augsburg und entlang des Lechs.

Die Russen marschieren gegen Österreich, und die Armee von Friaul zählt heute achtzigtausend Mann. Rechnet man das dalmatinische Korps hinzu - ganz zu schweigen von den Reserven, die überall im Hinterland aufgestellt werden -, so wird deutlich, dass Österreich sofort von allen Seiten angegriffen werden wird. Es eilt folglich seinem Untergang entgegen. Wenn ihr den Marschbefehl erhaltet, dürft ihr euch nicht von ein paar Truppen oder einem Haufen Gesindel einschüchtern lassen.

Ich warte weiterhin ungeduldig auf Nachrichten von Ihnen. Die Österreicher befinden sich nach wie vor in Laybach, Klagenfurt, Villach und Salzburg und scheinen Tirol über Linz zu bedrohen. Dennoch könnte man meinen, dass sie erwägen, Truppen nach Galizien zu entsenden, um den Russen entgegenzutreten. Diese Dispositionen würden darauf hindeuten, dass ihr Feldzugsplan bereits vor der Kriegserklärung durchkreuzt wurde. Es gibt jedoch noch immer nichts Konkretes. Die Miliz wurde zum aktiven Dienst einberufen, und obwohl man versucht hat, die Bevölkerung zu mobilisieren, hat sich noch nicht gezeigt, dass diese Einberufungen der Armee nennenswerte Verstärkung bieten werden.
Der entzifferte Brief nennt die Standorte von Hunderttausenden Soldaten. Er fordert Auguste de Marmont auf, sich nicht von einem "Haufen Gesindel" einschüchtern zu lassen. Bisherige gedruckte Abschriften der Befehle Napoleons wiesen an dieser Stelle seit 1865 nur Lücken auf. Der General folgte den Anweisungen rechtzeitig zur Schlacht bei Wagram. Danach ernannte Napoleon ihn zum Marschall.

Im Jahr 1814, als gegnerische Truppen Paris bedrohten, lief Auguste de Marmont zu den Alliierten über. Der Verrat überzeugte Napoleon, dass er abdanken musste. Die Tat prägte in der Folge die französische Sprache. Aus dem Titel des Generals leitete sich das Verb "raguser" ab, das eine Generation lang als Synonym für Verrat diente.

Die Stärken von KI-Modellen

Wie schon bei der Entschlüsselung des deutschen Militärfunkspruchs zeigen sich in diesem Fall abermals die Stärken von KI-Modellen. Sie vereinen Bilderkennung, Forschung, Programmierung und Verifizierung durch ihren Zugriff auf massive Datensätze in einem. Es ist davon auszugehen, dass es zeitnah noch etliche weitere Fälle geben wird, bei denen KI Wissenschaftlern dabei hilft, codierte Nachrichten zu entschlüsseln und historische Archive zu erschließen.

Für welche Aufgaben eignen sich aktuelle KI-Modelle eurer Meinung nach noch besonders gut? Wofür nutzt ihr GPT und Co. hauptsächlich? Teilt eure Erfahrungen und Meinungen gerne mit uns in den Kommentaren!

Siehe auch:
Felix Krauth

Redakteur für Windows & Hardware

War Game Designer, bevor er Journalist wurde, und testet Spiele bis heute selbst. Sein Spektrum reicht von der FritzBox über Windows 11 und Apple bis zu Gaming.

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