Stundenlange Schlangen an Tankstellen:
Russen steigen auf E-Autos um
Russlands Benzinkrise sorgt für einen überraschenden Boom bei Elektroautos. Seit Ende Juni hat sich der Markt für Elektrofahrzeuge mehr als verdoppelt. Auslöser sind vor allem ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Großstädten. In Moskau und anderen Regionen mussten Autofahrer zeitweise stundenlang auf Benzin warten. Anfang Juli und Mitte August war an einigen Tagen nur an rund einem Viertel der Tankstellen in Moskau überhaupt Kraftstoff verfügbar. Die Regierung erlaubte daraufhin den Verkauf von Benzin und Diesel geringerer Qualität, was laut Werkstätten teilweise zu Schäden an Fahrzeugen führte.
Für manche Autofahrer wurde das Elektroauto damit plötzlich zur praktischen Alternative. Der Autoexperte Sergei Tselikov etwa besitzt mehr als 20 Fahrzeuge und fuhr bislang ausschließlich Modelle mit Verbrennungsmotor. Im Juli kaufte er einen chinesischen GWM-Ora-03-GT. Der Preis des Modells stieg allerdings aufgrund der hohen Nachfrage innerhalb weniger Tage um rund 2000 Dollar (etwa 1700 Euro).
Allerdings wächst der Elektroautomarkt schneller als die notwendige Infrastruktur. Russland hat die Zahl öffentlicher Ladestationen seit 2022 zwar von weniger als 1500 auf mehr als 8000 erhöht. Trotzdem bilden sich inzwischen auch an einzelnen Ladepunkten Schlangen. Ein großer Betreiber meldet eine Verdoppelung der Nachfrage und will deshalb schneller weitere Stationen errichten.
Im internationalen Vergleich bleibt Russland dennoch ein Nachzügler. In China liegt der Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden bei rund 45 Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, wie schnell Krieg, Lieferengpässe und steigende Energierisiken die Kaufentscheidungen von Autofahrern verändern können.
Siehe auch:
- Verkäufe von Elektroautos und Hybriden stiegen in Russland auf über 83.000
- Der Marktanteil elektrifizierter Fahrzeuge kletterte auf 11,5 Prozent
- Treibstoffmangel und schlechter Sprit führten zu langen Warteschlangen
- Große Nachfrage trieb die Preise für beliebte chinesische Automodelle an
- Chinesische Hersteller dominieren nach dem Rückzug westlicher Autobauer
- Russlands Ladenetz wuchs auf über 8000 Punkte, hinkt dem Bedarf aber hinterher
Erstmals zweistellige Marktanteile
Nach Angaben des russischen Industrieministeriums wurden von Januar bis August dieses Jahres mehr als 83.000 Elektrofahrzeuge und Hybride verkauft. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es erst rund 43.000, berichtete die New York Times. Der Anteil reiner Elektroautos und Plug-in-Hybride am russischen Automarkt stieg laut dem Marktforschungsunternehmen Avtostat bis Ende September auf 11,5 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch etwa fünf Prozent.Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung in den Großstädten. In Moskau und anderen Regionen mussten Autofahrer zeitweise stundenlang auf Benzin warten. Anfang Juli und Mitte August war an einigen Tagen nur an rund einem Viertel der Tankstellen in Moskau überhaupt Kraftstoff verfügbar. Die Regierung erlaubte daraufhin den Verkauf von Benzin und Diesel geringerer Qualität, was laut Werkstätten teilweise zu Schäden an Fahrzeugen führte.
Für manche Autofahrer wurde das Elektroauto damit plötzlich zur praktischen Alternative. Der Autoexperte Sergei Tselikov etwa besitzt mehr als 20 Fahrzeuge und fuhr bislang ausschließlich Modelle mit Verbrennungsmotor. Im Juli kaufte er einen chinesischen GWM-Ora-03-GT. Der Preis des Modells stieg allerdings aufgrund der hohen Nachfrage innerhalb weniger Tage um rund 2000 Dollar (etwa 1700 Euro).
Meist aus China
Die meisten Elektroautos, die derzeit in Russland verkauft werden, stammen aus China. Das spiegelt auch den grundlegenden Wandel des russischen Automarktes seit Beginn des Krieges in der Ukraine wider. Zahlreiche westliche, japanische und südkoreanische Hersteller haben das Land verlassen. An vielen Standorten werden inzwischen chinesische Fahrzeuge montiert oder verkauft.Allerdings wächst der Elektroautomarkt schneller als die notwendige Infrastruktur. Russland hat die Zahl öffentlicher Ladestationen seit 2022 zwar von weniger als 1500 auf mehr als 8000 erhöht. Trotzdem bilden sich inzwischen auch an einzelnen Ladepunkten Schlangen. Ein großer Betreiber meldet eine Verdoppelung der Nachfrage und will deshalb schneller weitere Stationen errichten.
Im internationalen Vergleich bleibt Russland dennoch ein Nachzügler. In China liegt der Anteil von Elektroautos und Plug-in-Hybriden bei rund 45 Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, wie schnell Krieg, Lieferengpässe und steigende Energierisiken die Kaufentscheidungen von Autofahrern verändern können.
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Christian KahleRedakteur für Forschung, Energie und Raumfahrt
Begleitet die IT-Branche seit dem Dotcom-Boom, Informatik studierte er in Berlin. Sein Spektrum reicht von Quantencomputern über Solarstrom bis zur Raumfahrt.
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