Angriffsziel Microsoft Defender:
Eigener Treiber ist Sicherheitsrisiko
Forscher von Check Point Research haben auf der Black-Hat-Sicherheitskonferenz demonstriert, wie sich Microsoft Defender über einen eigenen, von Microsoft signierten Treiber umgehen lässt. Veränderungen auf tiefster Systemebene bleiben völlig unbemerkt.
Bei der Komponente handelt es sich um das "Boot Time Removal Tool" (BTR.sys). Das Betriebssystem nutzt es normalerweise, um hartnäckige Schadsoftware während des Systemstarts zu entfernen.
Der IT-Sicherheitsforscher Jiri Vinopal entschlüsselte das proprietäre Protokoll des Treibers. Er stellte fest, dass die Konfigurationsdaten mit einem fest kodierten RC4-Schlüssel gesichert sind, der seit 15 Jahren unverändert ist. Das erleichterte die Analyse erheblich.
Wie Hacker News berichtet, umgehen Angreifer so die übliche Blockadeliste für anfällige Treiber. Mit einem von den Forschern entwickelten Werkzeug namens BTRCLI lässt sich der Treiber als Dienst registrieren. Das Programm führt anschließend Befehle im sogenannten Ring 0 aus, der tiefsten Systemebene. Die Technik erfordert keine externe Schadsoftware und bleibt von herkömmlichen Sicherheitssystemen unentdeckt, da der Treiber als vertrauenswürdig gilt.
Microsoft stuft das Verhalten nicht als akute Schwachstelle ein, die sofort behoben werden muss. Es handele sich vielmehr um eine architektonische "Systemgrenze". Ein Blockieren der Komponente würde zudem die Funktionsweise des Defenders stark einschränken. Bereits vor fünf Jahren stand der Treiber im Fokus, als eine ähnlich heikle Methode für eine Rechteausweitung entdeckt wurde. Der Treiber entzog sich lange der genauen Untersuchung, da er sich nach der Ausführung selbstständig löscht. Infografik Cybercrime: Zunehmende IT-Schwachstellen bedrohen Unternehmen
Wie bewertet ihr die Tatsache, dass eine Schutzfunktion des Betriebssystems auf diese Weise umfunktioniert werden kann? Teilt uns eure Gedanken zu dem Thema gerne in den Kommentaren mit!
Siehe auch:
Gefahr durch eigenen Treiber
Mit einer speziellen Technik können beliebige Datei- und Registrierungsoperationen auf Kernel-Ebene ausgeführt werden. Betroffen sind laut Check Point Research Windows-Systeme von Windows 7 bis Windows 11 25H2. Dabei wird keine externe Sicherheitslücke ausgenutzt und kein fremder Treiber importiert.Bei der Komponente handelt es sich um das "Boot Time Removal Tool" (BTR.sys). Das Betriebssystem nutzt es normalerweise, um hartnäckige Schadsoftware während des Systemstarts zu entfernen.
Der IT-Sicherheitsforscher Jiri Vinopal entschlüsselte das proprietäre Protokoll des Treibers. Er stellte fest, dass die Konfigurationsdaten mit einem fest kodierten RC4-Schlüssel gesichert sind, der seit 15 Jahren unverändert ist. Das erleichterte die Analyse erheblich.
Wie Hacker News berichtet, umgehen Angreifer so die übliche Blockadeliste für anfällige Treiber. Mit einem von den Forschern entwickelten Werkzeug namens BTRCLI lässt sich der Treiber als Dienst registrieren. Das Programm führt anschließend Befehle im sogenannten Ring 0 aus, der tiefsten Systemebene. Die Technik erfordert keine externe Schadsoftware und bleibt von herkömmlichen Sicherheitssystemen unentdeckt, da der Treiber als vertrauenswürdig gilt.
Ausführung im goldenen Fenster
Die Befehle werden während eines bestimmten Zeitfensters beim Bootvorgang ausgeführt. In dieser Phase ist das Dateisystem bereits beschreibbar, die Benutzermodus-Dienste des Defenders sind jedoch noch nicht gestartet. Dadurch kann der Treiber kritische Sicherheitsdateien wie WdFilter.sys physisch löschen, bevor das System sie sperrt. Ein großer Nachteil für Angreifer ist jedoch, dass sie dafür bereits über Administratorrechte auf dem Rechner verfügen müssen.Microsoft stuft das Verhalten nicht als akute Schwachstelle ein, die sofort behoben werden muss. Es handele sich vielmehr um eine architektonische "Systemgrenze". Ein Blockieren der Komponente würde zudem die Funktionsweise des Defenders stark einschränken. Bereits vor fünf Jahren stand der Treiber im Fokus, als eine ähnlich heikle Methode für eine Rechteausweitung entdeckt wurde. Der Treiber entzog sich lange der genauen Untersuchung, da er sich nach der Ausführung selbstständig löscht. Infografik Cybercrime: Zunehmende IT-Schwachstellen bedrohen Unternehmen
Hintergrund zum Ring 0
Das Konzept der Ringe in der IT-Sicherheit beschreibt verschiedene Berechtigungsebenen eines Betriebssystems. Ring 0 bietet den direktesten Zugriff auf Hardware und Arbeitsspeicher. Wenn Angreifer in diesen Bereich vordringen, haben sie die vollständige Kontrolle über den Computer. Der Einsatz des veralteten Verschlüsselungsalgorithmus RC4 durch Microsoft in einer derart kritischen Komponente überrascht viele Experten. RC4 gilt seit über zehn Jahren als unsicher.Wie bewertet ihr die Tatsache, dass eine Schutzfunktion des Betriebssystems auf diese Weise umfunktioniert werden kann? Teilt uns eure Gedanken zu dem Thema gerne in den Kommentaren mit!
Was genau ist das Problem?
Ein legitimer, von Microsoft signierter Treiber namens BTR.sys des Windows Defenders kann missbraucht werden. Er dient eigentlich dazu, hartnäckige Malware beim Systemstart sicher zu entfernen.
Sicherheitsforscher haben gezeigt, dass man diesen Treiber als Werkzeug nutzen kann, um eigene Befehle mit höchsten Kernel-Rechten auszuführen. So lassen sich Sicherheitsprogramme wie EDR-Lösungen unbemerkt abschalten.
Sicherheitsforscher haben gezeigt, dass man diesen Treiber als Werkzeug nutzen kann, um eigene Befehle mit höchsten Kernel-Rechten auszuführen. So lassen sich Sicherheitsprogramme wie EDR-Lösungen unbemerkt abschalten.
Ist mein System in Gefahr?
Grundsätzlich betrifft dieses Verhalten alle Windows-Versionen von Windows 7 bis zum aktuellen Windows 11 (25H2). Da der Treiber tief im System verankert ist, ist die Schwachstelle universell auf diesen Betriebssystemen vorhanden.
Für Ihren IT-Alltag bedeutet das: Wenn ein Angreifer bereits Zugriff auf ein System hat, kann er diese Methode nutzen, um den Virenschutz dauerhaft zu deaktivieren und sich im Netzwerk festzusetzen.
Für Ihren IT-Alltag bedeutet das: Wenn ein Angreifer bereits Zugriff auf ein System hat, kann er diese Methode nutzen, um den Virenschutz dauerhaft zu deaktivieren und sich im Netzwerk festzusetzen.
Gibt es bereits aktive Angriffe?
Aktuell gibt es laut den Sicherheitsforschern von Check Point Research keine Hinweise darauf, dass diese Technik in freier Wildbahn von Hackern eingesetzt wird. Ihre Systeme sind also nicht akut von einer neuen Angriffswelle bedroht.
Es heißt, dass die Methode bislang eher theoretischer Natur sei und primär in Proof-of-Concept-Szenarien demonstriert wurde. Dennoch sollten IT-Teams diese Entwicklung für künftige Bedrohungsmodelle im Auge behalten.
Es heißt, dass die Methode bislang eher theoretischer Natur sei und primär in Proof-of-Concept-Szenarien demonstriert wurde. Dennoch sollten IT-Teams diese Entwicklung für künftige Bedrohungsmodelle im Auge behalten.
Wer kann diese Lücke ausnutzen?
Um den Treiber für eigene Zwecke zu missbrauchen, benötigt ein Angreifer zwingend weitreichende Administratorrechte auf dem Zielsystem, konkret das sogenannte SeLoadDriverPrivilege.
Das bedeutet, dass diese Methode nicht für den initialen Einbruch in ein Netzwerk taugt. Sie wird erst gefährlich, wenn ein System bereits kompromittiert wurde und der Angreifer seine Spuren vor der IT-Abteilung verwischen will.
Das bedeutet, dass diese Methode nicht für den initialen Einbruch in ein Netzwerk taugt. Sie wird erst gefährlich, wenn ein System bereits kompromittiert wurde und der Angreifer seine Spuren vor der IT-Abteilung verwischen will.
Gibt es einen Patch von Microsoft?
Nein, Microsoft plant derzeit keinen sofortigen Patch. Das Microsoft Security Response Center (MSRC) argumentiert, dass für den Missbrauch ohnehin Administratorrechte erforderlich sind und somit keine direkte Sicherheitslücke vorliegt.
Es handelt sich hierbei nicht um einen klassischen Programmfehler, sondern um eine architektonische Eigenheit von Windows. Der Treiber verhält sich exakt so, wie er ursprünglich von den Entwicklern konzipiert wurde.
Es handelt sich hierbei nicht um einen klassischen Programmfehler, sondern um eine architektonische Eigenheit von Windows. Der Treiber verhält sich exakt so, wie er ursprünglich von den Entwicklern konzipiert wurde.
Kann ich den Treiber blockieren?
Das einfache Blockieren des Treibers über gängige Sperrlisten, wie etwa die Microsoft Vulnerable Driver Blocklist, ist in diesem speziellen Fall leider nicht möglich.
Da der Treiber eine essenzielle Kernkomponente des Windows Defenders ist, würde eine Blockade die legitime Funktion der Antiviren-Software massiv stören. Es handelt sich um ein sogenanntes "Living-off-the-Land"-Szenario, bei dem Bordmittel missbraucht werden.
Da der Treiber eine essenzielle Kernkomponente des Windows Defenders ist, würde eine Blockade die legitime Funktion der Antiviren-Software massiv stören. Es handelt sich um ein sogenanntes "Living-off-the-Land"-Szenario, bei dem Bordmittel missbraucht werden.
Wie schütze ich meine Systeme?
Da kein Patch verfügbar ist, liegt der Fokus auf der strikten Rechteverwaltung. Entziehen Sie Benutzern unnötige Administratorrechte und überwachen Sie genau, wer in Ihrem Netzwerk das Recht hat, Treiber in Windows zu laden.
Angeblich sollen moderne EDR-Systeme in Zukunft durch erweiterte Verhaltensanalysen besser erkennen können, wenn legitime Treiber für bösartige Zwecke entfremdet werden. Bis dahin bleibt das Prinzip der minimalen Rechtevergabe Ihr bester Schutz.
Angeblich sollen moderne EDR-Systeme in Zukunft durch erweiterte Verhaltensanalysen besser erkennen können, wenn legitime Treiber für bösartige Zwecke entfremdet werden. Bis dahin bleibt das Prinzip der minimalen Rechtevergabe Ihr bester Schutz.
Wie erkenne ich einen Angriff?
Die Erkennung erfordert ein genaues Monitoring, beispielsweise mit Sysmon. Achten Sie auf Anomalien bei "Alternate Data Streams" (ADS), insbesondere wenn Dateien mit der Endung .sys:changelist erstellt werden.
Auch das Laden von Treibern durch ungewöhnliche Prozesse, wie etwa über cmd.exe oder powershell.exe anstelle des Defenders selbst, ist ein starkes Indiz für einen laufenden Angriff auf Ihre Infrastruktur.
Auch das Laden von Treibern durch ungewöhnliche Prozesse, wie etwa über cmd.exe oder powershell.exe anstelle des Defenders selbst, ist ein starkes Indiz für einen laufenden Angriff auf Ihre Infrastruktur.
Zusammenfassung
- Legitimer Microsoft-Treiber BTR.sys ermöglicht Angriffe auf Windows-Kernel
- Betroffen sind alle Windows-Systeme von Version 7 bis Windows 11 25H2
- Der Treiber nutzt einen veralteten und fest kodierten RC4-Schlüssel
- Angreifer können damit Sicherheitssoftware wie EDR unbemerkt umgehen
- Für die Ausnutzung sind allerdings bereits Administratorrechte nötig
Siehe auch:
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