Endgültiger Kreislauf: Neue Anlage macht Plastikmüll wieder zu Öl

Forscher aus Amsterdam haben eine mobile Pilotanlage entwickelt, die gemischte Kunststoffabfälle in Öl umwandeln kann. Die Technologie soll dazu beitragen, Plastikmüll effizienter zu recyceln und Deponien sowie Müllverbrennungsanlagen zu entlasten.
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    Pilotanlage wird in Spanien getestet

    Noch in diesem Jahr wird die Anlage in Spanien erstmals unter realen Bedingungen mit kommunalen Abfällen getestet. Das Verfahren basiert auf einer sogenannten solvothermalen Verflüssigung. Dabei werden unterschiedliche Kunststoffarten gemeinsam verarbeitet, ohne dass sie zuvor aufwendig sortiert werden müssen. In einem 25-Liter-Reaktor werden die Abfälle mit einem speziellen Lösungsmittel, hohen Temperaturen und starkem Druck behandelt. Eine zentrale Rolle spielen dabei eigens entwickelte nanostrukturierte Katalysatoren, die den chemischen Abbau der Kunststoffe beschleunigen.

    Nach Angaben des Forschungsteams dauert der Prozess lediglich rund 30 Minuten. Dabei entstehen drei Produkte: Gas, das teilweise zur Energieversorgung der Anlage genutzt werden kann, feste Rückstände in Form von Kohlenstoffmaterial sowie ein dunkelbraunes Öl. Dieses Öl enthält die chemischen Grundbausteine, die für die Herstellung von neuem Kunststoff benötigt werden.

    Solvothermale Verflüssigung macht aus Misch-Plastik wieder Öl

    Das Verfahren ermöglicht also einen nahezu geschlossenen Recyclingkreislauf. Während herkömmliches mechanisches Recycling häufig zu Qualitätsverlusten führt, können aus dem gewonnenen Öl Kunststoffe hergestellt werden, die die gleiche Qualität wie Neumaterial aus fossilen Rohstoffen besitzen.

    Förderung durch EU

    Die Entwicklung wird im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts "PLASTICE" gefördert. Für die Arbeiten an der Technologie stehen mehr als 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Nach Einschätzung der Wissenschaftler hat das Verfahren inzwischen einen Reifegrad erreicht, der einen Einsatz außerhalb des Labors erlaubt.

    Für den Bau der transportablen Pilotanlage arbeiteten die Amsterdamer Forscher mit einem Ingenieurunternehmen aus Indien zusammen. Die Anlage verfügt über Lagertanks, Fernsteuerungssoftware und umfangreiche Sicherheitssysteme und kann an unterschiedliche Einsatzorte transportiert werden.


    Den Praxistest übernimmt nun das spanische Abfallwirtschaftsunternehmen COGERSA. Dort soll die Anlage erstmals mit unsortierten Haushaltsabfällen betrieben werden. Gelingt der Test, könnte die Technologie den Weg für dezentrale Recyclinganlagen ebnen und einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen leisten.

    Zusammenfassung
    • Amsterdamer Forscher entwickelten eine mobile Anlage, die gemischte Kunststoffabfälle in Öl umwandelt
    • Das Verfahren basiert auf solvothermaler Verflüssigung mit eigens entwickelten nanostrukturierten Katalysatoren
    • Der Prozess dauert nur etwa 30 Minuten und erzeugt Gas, festen Kohlenstoff sowie braunes Öl
    • Das gewonnene Öl dient als Rohstoff für neuen Kunststoff in gleicher Qualität wie Neumaterial
    • Noch in diesem Jahr startet ein Praxistest in Spanien mit dem Abfallwirtschaftsunternehmen COGERSA
    • Bei Erfolg könnte die Technologie den Bau dezentraler Recyclinganlagen ermöglichen

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