Nach LiMux: München wagt zweiten Anlauf mit Open-Source-Software

Die neue Münchner Regierung plant einen umfassenden IT-Umbau. Nach Jahren der Microsoft-Nutzung soll Open Source wieder der Standard in der Verwaltung werden. Der Fokus liegt dabei auf digitaler Unabhängigkeit aber auch auf Kostensenkungen.
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Neustart für Münchens IT

Die bayerische Landeshauptstadt München richtet ihre IT-Strategie für die kommenden Jahre neu aus. Die frisch gebildete 'Mango-Koalition' aus Grünen/Rosa Liste, SPD, FDP und Freien Wählern hat beschlossen, bei der Softwarebeschaffung künftig standardmäßig auf Open Source zu setzen. Man rückt die digitale Souveränität der Verwaltung in den Fokus.

Damit tritt München sozusagen den Rückzug vom Rückzug an. Bereits im Jahr 2006 startete die bayerische Landeshauptstadt das Projekt LiMux, bei dem tausende Arbeitsplätze auf Linux umgestellt wurden. Nach viel Kritik und einem teuren Wechsel zurück zu proprietären Systemen von Microsoft im Jahr 2017 soll nun das Prinzip "Public Money, Public Code" gelten. Mit öffentlichen Geldern finanzierte Software wird der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt, damit andere Kommunen und externe Entwickler davon profitieren.


Fokus auf offene Standards

Wie aus der neuen Münchner Koalitionsvereinbarung (PDF) (via Heise) hervorgeht, übernimmt die FDP die Leitung des künftigen Digitalreferats. Unter ihrer Führung soll die städtische IT-Architektur umgebaut werden, um Abhängigkeiten von großen Softwarekonzernen abzubauen. Offene Schnittstellen und herstellerunabhängige Standards bilden das Fundament für zukünftige Entwicklungen.

Zentrales Werkzeug für die Umsetzung ist das Anfang 2024 gegründete OSPO. Das Open Source Program Office dient als Koordinationsstelle, prüft Projekte und klärt rechtliche Rahmenbedingungen. Neben den Vorteilen der Unabhängigkeit bringt die Umstellung auch Herausforderungen mit sich. Bestehende Arbeitsprozesse und Schulungskonzepte für die städtischen Angestellten müssen komplett umgestellt werden.

Sparzwang treibt den Umbau

Der Strategiewechsel erfolgt zudem unter einem enormen wirtschaftlichen Druck. Die Regierung von München muss jährlich rund 500 Millionen Euro einsparen. Der Verzicht auf teure Lizenzgebühren für proprietäre Software wird daher auch als notwendiger wirtschaftlicher Faktor betrachtet. Gleichzeitig soll eine verstärkte Digitalisierung helfen, den Personalmangel in den Behörden langfristig auszugleichen.

Es bleibt abzuwarten, wie reibungslos der Übergang in der Praxis verläuft. Die Beibehaltung von CSU-Politiker Alexander Dietrich als Personalreferent signalisiert den Willen zur Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg. Die kommenden sechs Jahre werden zeigen, ob sich München erneut als europäischer Vorreiter für freie Software etablieren kann.

Wie bewertet ihr Münchens erneuten Wechsel zu Open Source? Glaubt ihr, dass sich offene Software in der Verwaltung dieses Mal langfristig durchsetzen wird? Teilt eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • München kehrt nach Jahren mit Microsoft zurück zu Open Source
  • Neue Koalition strebt digitale Unabhängigkeit durch offene Software an
  • München startete 2006 das LiMux-Projekt für Linux in der Verwaltung
  • Rückkehr zu Microsoft 2017 - nun erneutes Umdenken mit Public Code
  • Öffentlich finanzierte Software soll allen zugutekommen
  • OSPO koordiniert die Umstellung und klärt rechtliche Fragen
  • Open Source soll helfen, teure Lizenzgebühren einzusparen

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