Berichte über allgegenwärtiges Mikroplastik im Körper wohl falsch

Diverse Untersuchungen zur Verbreitung von Mikroplastik im mensch­lichen Körper geraten inzwischen unter Druck. Die oft er­schüt­tern­den Ergebnisse dieser Forschungsarbeiten könnten größ­ten­teils schlicht auf Verunreinigungen oder fehlerhaften Mess­me­tho­den beruhen.
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Methodik der Untersuchungen in der Kritik

In den vergangenen Jahren hatten Forschungsgruppen weltweit berichtet, Plastikpartikel in Hirngewebe, Arterien, Plazenten, Hoden und weiteren Organen entdeckt zu haben. Unstrittig ist, dass Plastikmüll in der Umwelt allgegenwärtig ist und über Nahrung, Getränke und die Atemluft in den menschlichen Körper gelangen kann. Unklar bleibt jedoch, in welchem Ausmaß Mikroplastik tatsächlich in körperliche Strukturen eindringt und welche gesundheitlichen Folgen daraus resultieren.

Inzwischen mehren sich Zweifel an den Methoden der oben genannten Studien, berichtet The Guardian. Mehrere Forschungsteams kritisieren mangelnde Kontrollen gegen Hintergrundkontamination, fehlende Wiederholungsmessungen oder den Einsatz analytischer Verfahren, die an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit operieren. In mindestens sieben Fällen wurden bereits formelle Einwände in Fachzeitschriften veröffentlicht, eine weitere Analyse nennt 18 Untersuchungen, die potenzielle Verwechslungen zwischen körpereigenen Substanzen und Kunststoffsignalen nicht berücksichtigt hätten.


Besonders im Fokus steht eine Studie, die einen deutlichen Anstieg von Mikroplastik in Hirngewebe von Verstorbenen zwischen 1997 und 2024 festgestellt haben wollte. Kritiker bemängeln, dass fetthaltiges Gewebe - das Gehirn besteht zu rund 60 Prozent aus Fett - leicht falsch-positive Signale erzeugen könne, insbesondere für gängige Kunststoffe wie Polyethylen. Einige Wissenschaftler halten es sogar für möglich, dass steigende Adipositasraten den vermeintlichen Trend erklären.

Mehr Exaktheit nötig

Auch Studien zu Mikroplastik in Arterien oder im männlichen Fortpflanzungssystem wurden hinterfragt. Teilweise fehlten hier sogenannte Blankproben, die zur Ermittlung möglicher Verunreinigungen notwendig sind. Eine weitere Debatte dreht sich um die verbreitete Analysetechnik Py-GC-MS, die Proben erhitzt und die entstehenden Dämpfe misst. Neue Untersuchungen legen nahe, dass dieses Verfahren Kunststoffsignale nicht zuverlässig von Rückständen menschlicher Fette unterscheiden kann.

Einfacher liegt der Fall bei möglichen Verunreinigungen. In den Laboren kommen üblicherweise viele Behälter und Werkzeuge zum Einsatz, die aus Kunststoff gefertigt sind. Bei deren Nutzung entsteht immer Abrieb, der als Mikroplastik in die Proben eindringt. Für aussagekräftige Ergebnisse würde quasi ein Reinraumlabor benötigt, in dem keinerlei Plastik zu finden ist.

Fachleute warnen, dass fehlerhafte Daten sowohl schädliche Fehlregulierungen fördern als auch der Kunststoffindustrie Argumente liefern könnten, berechtigte Umwelt- und Gesundheitsbedenken herunterzuspielen. Gleichzeitig betonen sie, dass die Forschung erst am Anfang steht: Während insbesondere Nanoplastik theoretisch biologische Barrieren überwinden könnte, fehlen bislang präzise Messinstrumente, um diese Partikel zuverlässig nachzuweisen.

Zusammenfassung
  • Studien zu Mikroplastik im menschlichen Körper stehen unter Kritik
  • Verunreinigungen und fehlerhafte Messmethoden könnten Ergebnisse verfälschen
  • Kritiker bemängeln fehlende Kontrollmaßnahmen in mindestens sieben Fällen
  • Fetthaltige Gewebe können falsch-positive Signale für Kunststoffe erzeugen
  • Laborgeräte aus Kunststoff führen zu Abrieb und damit zur Verunreinigung
  • Fehlerhafte Daten könnten zu schädlichen Fehlregulierungen führen
  • Präzise Messinstrumente für den Nachweis von Nanoplastik fehlen bislang

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