Kohlendioxid-Generator: Zukunft der Stromerzeugung startet in China

In der südwestchinesischen Provinz Guizhou ist ein zukunfts­weis­endes Kraftwerk auf Basis von "überkritischem" Kohlendioxid (sCO₂) in den kommerziellen Betrieb gegangen. Laut Betreiber handelt es sich um die erste kommerzielle Anwendung der Art.
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Startschuss in Guizhou

Die Anlage mit dem Namen "Chaotan One" steht auf dem Gelände eines Stahlwerks in Liupanshui und nutzt industrielle Abwärme, um zwei Generatoren mit jeweils 15 Megawatt Leistung anzutreiben. Das technische Konzept unterscheidet sich deutlich von klassischen Dampfturbinen, die seit mehr als hundert Jahren zur Stromerzeugung eingesetzt werden.

Statt Wasser dient Kohlendioxid als Arbeitsmedium in einem geschlossenen Kreislauf. Das CO2 wird dabei in einen überkritischen Zustand versetzt, der oberhalb von 31 Grad Celsius und bei einem Druck von mehr als 7,37 Megapascal erreicht wird. In diesem Zustand weist das Gas eine flüssigkeitsähnliche Dichte auf, strömt jedoch wie ein Gas.

CNNC meldet Erfolge

Nach Angaben der China National Nuclear Corporation (CNNC) markiert die Inbetriebnahme den Abschluss der langjährigen Entwicklungsphase. Die Anlage erreiche eine höhere thermische Effizienz als herkömmliche Systeme und biete daher enormes Potenzial für künftige Anwendungen in verschiedenen Energiesektoren.

Ein zentraler Vorteil der sCO2-Technologie ist die kompakte Bauweise. Durch die höhere Energiedichte von überkritischem Kohlen­dioxid im Vergleich zu Wasser­dampf können Turbinen bei gleicher Leistung deutlich kleiner konstruiert werden. Fachleute gehen davon aus, dass sCO2-Turbinen nur rund ein Zehntel der Größe vergleich­barer Dampf­turbinen erreichen. Dies senkt den Material­bedarf und eröffnet Einsatz­möglichkeiten auf begrenztem Raum, etwa in Industrie­anlagen oder auf Schiffen.


Herausforderungen der Technik

Gleichzeitig gilt die Technologie als sehr anspruchsvoll. Der Betrieb unter hohen Temperaturen und Drücken stellt hohe Anforderungen an die eingesetzten Materialien. Als besondere Herausforderungen gelten Korrosion sowie die Auslegung von Dichtungen und Lagern, die dem Druck dauerhaft standhalten müssen.

Neben der Nutzung industrieller Abwärme wird der sCO2-Zyklus, auch als Brayton-Kreisprozess bekannt, als geeignet für solarthermische Kraftwerke und nukleare Anwendungen angesehen. Während in den USA und Europa bislang vor allem Pilotprojekte verfolgt werden, ist die Technologie in China mit der Anlage in Guizhou erstmals kommerziell im Einsatz.

Was haltet ihr von diesem technologischen Ansatz? Seht ihr darin eine echte Alternative zu klassischen Dampfturbinen oder überwiegen für euch die technischen Risiken? Wir freuen uns auf eure Einschätzungen in den Kommentaren.

Was ist das Projekt "Chaotan One"?
"Chaotan One" ist der weltweit erste kommerzielle Stromgenerator, der superkritisches Kohlendioxid (sCO2) anstelle von Wasserdampf nutzt. Die Anlage ging im Dezember 2025 in der chinesischen Provinz Guizhou in Betrieb und dient als Demonstrationsprojekt in einer Stahlfabrik.

Das System besteht aus zwei 15-Megawatt-Einheiten, die von der China National Nuclear Corporation (CNNC) entwickelt wurden. Es markiert den historischen Übergang der sCO2-Technologie vom reinen Laborstatus in den praktischen, kommerziellen Einsatz zur effizienten Nutzung von Industrieabwärme.
Wie funktioniert die sCO2-Technik?
Klassische Kraftwerke erhitzen Wasser zu Dampf, um Turbinen anzutreiben. Die sCO2-Technik verwendet stattdessen Kohlendioxid in einem geschlossenen Kreislauf (Brayton-Zyklus). Das Gas wird dabei in einen sogenannten superkritischen Zustand versetzt.

In diesem Zustand besitzt das CO2 die Dichte einer Flüssigkeit, behält aber die niedrige Viskosität eines Gases. Das bedeutet: Es bietet wenig Strömungswiderstand, kann aber aufgrund der hohen Dichte extrem viel Energie transportieren und Turbinen effizienter antreiben als Wasserdampf.
Was sind die Vorteile gegenüber Dampf?
Die Technologie verspricht massive Effizienzsprünge. Im Vergleich zu herkömmlichen Dampfgeneratoren zur Abwärmenutzung soll Chaotan One eine um über 85 Prozent höhere Erzeugungseffizienz bieten. Die Nettoleistung steigt dabei laut Berichten um 50 Prozent.

Für Unternehmen ist zudem der Platzfaktor entscheidend: Die Anlagen sind kompakter und benötigen nur halb so viel Stellfläche wie vergleichbare Dampfsysteme. Auch die Wartung soll durch eine vereinfachte Systemarchitektur leichter fallen.
Was bedeutet "superkritisch" beim CO₂?
Kohlendioxid erreicht den "superkritischen" Zustand, wenn es über seine kritische Temperatur von 31 °C erhitzt und einem Druck von über 7,37 Megapascal ausgesetzt wird. Es ist dann physikalisch gesehen weder rein flüssig noch rein gasförmig.

Ein Experte verglich das Verhalten mit einem "starken Mann auf einem mit Öl geschmierten Fahrrad": Hohe Kraftübertragung bei minimalem Widerstand. Zudem verbraucht die Kompression von sCO2 weniger Energie als das Pumpen von Wasser in Dampfkesseln.
Wo wird die Technik eingesetzt?
Aktuell wird die Pilotanlage in Liupanshui genutzt, um die Sinter-Abwärme eines Stahlwerks in Strom umzuwandeln. Das System ist darauf ausgelegt, Wärmequellen mit mittleren bis hohen Temperaturen effizient zu verwerten.

Das Potenzial reicht jedoch weit über die Stahlindustrie hinaus. Zukünftige Anwendungen sehen Experten in solarthermischen Kraftwerken, bei der allgemeinen Müllverbrennung oder in Kombination mit modernen Energiespeichersystemen.
Zusammenfassung
  • China nimmt erste kommerzielle Anlage mit überkritischem CO2 in Betrieb
  • Kraftwerk in Guizhou nutzt Industrieabwärme für zwei 15-MW-Generatoren
  • Überkritisches CO2 ersetzt Wasser als Arbeitsmedium im Kraftwerkskreislauf
  • Technologie bietet höhere Energiedichte und ermöglicht kompaktere Turbinen
  • Materialien müssen extremen Druck- und Temperaturbelastungen standhalten
  • Entwicklung vom Nuclear Power Institute of China erreicht höhere Effizienz
  • Technologie eignet sich auch für solarthermische und nukleare Anwendungen

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