Ex-Sony-Manager: Konsolen müssen vom VHS-Sieg über Betamax lernen

Seit Jahrzehnten stagniert der Konsolenmarkt bei 250 Mio. Geräten. Ex-PlayStation-Chef Shawn Layden warnt vor einer Sackgasse und fordert ein radikales Umdenken: Ein einheitliches Standardformat für alle Hersteller soll die Grenzen des Wachstums durchbrechen.
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Stagnation bei 250 Millionen Einheiten

Die Gaming-Industrie verzeichnet weltweit wachsende Umsätze, doch der Kernmarkt der dedizierten Konsolen hat laut Branchenexperten ein kritisches Limit erreicht. Shawn Layden, der ehemalige Vorsitzende der Sony Interactive Entertainment Worldwide Studios, analysierte die strukturellen Probleme des Sektors und warnte vor einer Sackgasse.

Zwar wird das Gesamtvolumen des Gaming-Marktes oft mit beeindruckenden 250 Milliarden Dollar beziffert, doch diese Zahl ist trügerisch. In diese Summe fließen Hunderte Millionen Gelegenheitsspieler ein, die primär mobile Titel wie "Candy Crush" oder "Wordle" nutzen und keine dedizierte Hardware erwerben.

Betrachtet man ausschließlich die Verkaufszahlen von stationären Konsolen, zeigt sich seit Mitte der neunziger Jahre ein ernüchterndes Bild. Seit der Ära der ersten PlayStation, des Sega Saturn und des Nintendo 64 pendelt sich die installierte Basis in jeder Generation bei rund 250 Millionen Einheiten ein. Lediglich die Wii-Ära sorgte kurzzeitig für einen Anstieg auf knapp 300 Millionen Geräte.

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Layden bezeichnet das jedoch als statistische Anomalie, da Nintendo damals erfolgreich Nicht-Gamer ansprach, die in den Folgejahren aber nicht im Ökosystem verblieben. Um aus diesem "Eindämmungsfeld" auszubrechen, müsse sich die Industrie grundlegend wandeln. Das aktuelle Modell, bei dem jeder Hersteller seine eigene, inkompatible Hardware in einem geschlossenen "Walled Garden" betreibt, verhindert echtes organisches Wachstum.

Lehren aus dem VHS-Formatkrieg

Um eine mögliche Lösung für dieses Dilemma zu skizzieren, blickt der Ex-Manager in die Geschichte der Unterhaltungselektronik zurück. Wie er im Pause for Thought-Podcast (via The Gamer) ausführte, sollte sich die moderne Gaming-Branche am "Formatkrieg" zwischen VHS und Betamax in den 1980er-Jahren orientieren. Betamax verlor den Kampf um die Vorherrschaft im Heimkino, obwohl Sony die technisch überlegene Bildqualität bot. Der entscheidende Faktor war die Lizenzierungspolitik: Während Sony stur auf seinem proprietären Format beharrte, öffnete JVC den VHS-Standard für zahlreiche Dritthersteller.

Das Ergebnis war eine massive Marktdurchdringung durch verschiedenste Anbieter, die den Standard etablierten. Eine ähnliche Entwicklung vollzog sich später beim Compact Disc- und DVD-Format. Industriekonsortien legten technische Spezifikationen fest, und Elektronikkonzerne wie Sony, Panasonic oder Bang & Olufsen bauten kompatible Abspielgeräte. Diese unterschieden sich lediglich in Ausstattung, Design und Preis, spielten aber alle denselben Inhalt ab. Das ist der Weg, den Layden auch für die Zukunft der Spielkonsolen sieht, um die globale Reichweite signifikant zu erhöhen.


Konsole als Toaster

Die Vision des Managers ist ein universelles "Gaming-Format", das möglicherweise auf einer standardisierten PC-Architektur oder einem Linux-Kernel basiert. Ein solches Konsortium würde die Standards definieren, und verschiedenste Hardware-Partner könnten ihre eigenen Geräte bauen - vom günstigen Einstiegsmodell bis zum High-End-Player für Enthusiasten. Layden vergleicht das Ziel mit der Allgegenwart von Haushaltsgeräten: "So erreicht man die Ubiquität eines Toasters." Für den Endanwender würde das bedeuten, dass die Wahl der Hardware nicht mehr den Zugang zu bestimmten Inhalten diktiert.

Trotz der Forderung nach offener Hardware glaubt Layden nicht an das sofortige Ende von Exklusivtiteln oder starken Markenidentitäten. Software bleibt das entscheidende Differenzierungsmerkmal. "Wenn Mario auf der PlayStation auftaucht, ist das die Apokalypse", scherzte er, um die Bedeutung von First-Party-Marken zu unterstreichen.

Franchises wie "Uncharted" oder "Zelda" würden weiterhin den Wert einer Plattform definieren, jedoch verlagert sich der Wettbewerb. Die Frage wäre nicht mehr "Welche Box muss ich kaufen?", sondern "Wessen Service oder Interpretation des Standards bietet mir das beste Erlebnis?".

Was haltet ihr von Laydens Vision eines einheitlichen Standards für Konsolen? Würdet ihr eine universelle Hardware begrüßen oder gehört der Konkurrenzkampf der Hersteller für euch einfach dazu? Wir freuen uns auf eure Meinung in den Kommentaren!

Zusammenfassung
  • Ex-PlayStation-Chef warnt: Konsolenmarkt stagniert seit den 90ern bei 250 Mio
  • Geschlossene Ökosysteme der Hersteller behindern Wachstum des Konsolenmarkts
  • Layden zieht Parallele zum VHS-Sieg über Betamax durch offene Lizenzpolitik
  • Vorschlag: Universelles Gaming-Format statt proprietärer Konsolensysteme
  • Standardisierte Technologie würde vielfältige Hardware-Optionen ermöglichen
  • Exklusivtitel bleiben wichtiges Differenzierungsmerkmal trotz einheitlicher Basis

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