Geschlechterunterschiede im All - neue Hinweise aus der Hirnforschung

Im Orbit gelten andere Regeln - auch für den Körper. Wenn Astro­nauten monatelang in Schwerelosigkeit leben, verändert sich nicht nur ihre Orientierung im Raum, sondern auch das Gehirn selbst. Dabei scheint es Geschlechterunterschiede zu geben.
Forschung, Wissenschaft, Weltraum, Raumfahrt, Nasa, Weltall, Sterne, Space, Astronaut, Sternenhimmel, Nachthimmel, Astronauten, Raumanzug, Weltraumanzug, Weltraumspaziergang, Sternschnuppen, Weltraumtouristen, Weltraumtourismus, Spacesuite

Schwerelosigkeit verändert Gehirne - doch wie?

Ein Team um Rachael D. Seidler von der University of Florida wollte wissen, ob und welche Rolle Alter, Gewicht oder Geschlecht beim Flug ins All spielen, wenn es um Nebenwirkungen der Schwerelosigkeit geht. Für die NASA untersuchten die Forscherinnen und Forscher 37 Astronauten in verschiedenen Teilstichproben, die auf der ISS zwischen Wochen und Monaten im Einsatz waren. Mit Magnetresonanz-Scans und Augenmessungen verglichen sie die Befunde vor und nach dem Flug.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden (57 Prozent) zeigte Anzeichen einer Abflachung des Augapfels. Dieses Phänomen ist als Spaceflight-Associated Neuro-ocular-Syndrom, kurz SANS, bekannt. Bei genauerer Analyse fiel auf, dass sich das Gehirn von Astronautinnen und Astronauten in einzelnen Punkten unterschiedlich verhielt.


Frauen wiesen im oberen Bereich des Gehirns eine etwas stärkere Abnahme des sogenannten freien Wassers auf - ein Hinweis auf Verschiebungen der Körperflüssigkeit durch die Schwerelosigkeit. Welche funktionellen Folgen das hat, ist bislang unklar; die Studie beschreibt diesen Befund vorerst als anatomische Beobachtung.

Im Hinblick auf die Geschlechterunterschiede zeigte sich aber noch ein auffälliger Trend: Männer entwickelten rund dreimal häufiger Anzeichen des Neuro-ocular-Syndroms als Frauen. Die Daten deuten klar in diese Richtung, doch das Forschungsteam warnt vor voreiligen Schlüssen.

Ein Trend, doch die Statistik klemmt

Das Problem liegt weniger in den Messwerten als in der Zusammensetzung der Raumfahrtgeschichte: Bis heute sind deutlich mehr Männer als Frauen ins All geflogen. Für eine wirklich belastbare Statistik fehlen schlicht die Astronautinnen, deren Daten einen solchen Unterschied signifikant bestätigen oder widerlegen könnten.

Die Forscher fanden zudem in ihrer Studie keine Hinweise darauf, dass Alter, Körpergewicht oder Flugerfahrung das Risiko wesentlich verändern. Auch zeigte sich kein direkter Zusammenhang zwischen den gemessenen Veränderungen im Gehirn und dem Auftreten von SANS. Mit größeren, ausgewogeneren Stichproben könnte sich ein klareres Muster abzeichnen. Doch bis mehr Menschen in den Weltraum geflogen sind und die Verteilung zwischen Männern und Frauen bei den Astronauten ausgeglichener ist, fehlt schlicht die belastbare Grundlage.

Mehr Menschen im All

Sicher ist: Die Anpassungsprozesse des Körpers im All greifen tief in das Zusammenspiel von Flüssigkeiten, Gefäßen und Geweben ein. Solange diese Mechanismen nicht vollständig verstanden sind, bleibt offen, warum manche Astronauten nach dem Flug mit leicht verformten Augen zurückkehren - und andere nicht. Gerade darin liegt der Wert dieser Untersuchung: Sie schafft erstmals eine solide Vergleichsbasis zwischen Männern und Frauen und zeigt, welche Faktoren wahrscheinlich keine Rolle spielen.

Damit rückt das Ziel näher, die körperlichen Belastungen des Raumflugs nicht nur zu beobachten, sondern gezielt zu verstehen - bevor der nächste Schritt weiter hinausführt.

Was ist ein Raumfahrer?
Ein Raumfahrer (auch Weltraumfahrer) ist eine Person, die in den Weltraum vordringt. Die gebräuchlichsten Bezeichnungen sind Astronaut (USA, Europa, Japan), Kosmonaut (Russland) und Taikonaut (China).

Die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) definiert: Wer mindestens 100 km Höhe erreicht (Kármán-Linie), gilt als Raumfahrer. Die US-amerikanische Definition setzt die Grenze bereits bei ca. 80 km (50 Meilen) an.

Der erste Mensch im All war der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin am 12. April 1961. Bis heute haben über 600 Menschen den Weltraum erreicht, darunter 12, die auf dem Mond gelandet sind.
Wie unterscheiden sich die Bezeichnungen?
Astronaut stammt vom Griechischen "astron" (Stern) und "nautes" (Seefahrer) - also "Sternenfahrer". Die Bezeichnung wird in den USA, Europa, Kanada, Japan und von der NASA verwendet.

Kosmonaut leitet sich vom griechischen "kosmos" (Weltall) ab und bedeutet "Weltallfahrer". Der Begriff wurde in der Sowjetunion geprägt und wird heute in Russland und den ehemaligen Sowjetstaaten verwendet.

Taikonaut kombiniert das chinesische "taikong" (太空, Weltraum) mit "nautes". Die Bezeichnung etablierte sich ab den 1990er Jahren für chinesische Raumfahrer. Indien verwendet gelegentlich "Vyomanaut" vom Sanskrit "vyoman" (Himmel).
Welche Ausbildung brauchen Raumfahrer?
Kandidaten benötigen meist ein naturwissenschaftliches oder technisches Hochschulstudium, oft mit Promotion. Pilotenerfahrung ist vorteilhaft, aber nicht mehr zwingend erforderlich wie in den Anfangsjahren.

Die Ausbildung dauert mehrere Jahre und umfasst Raumfahrttechnik, Physiologie, Medizin, Robotik, Außenbordaktivitäten (Spacewalks), Russisch-Sprachkurse, Überlebenstraining und psychologische Vorbereitung.

Körperliche Anforderungen: gute Gesundheit, Belastbarkeit unter extremen Bedingungen, Teamfähigkeit und psychische Stabilität. Die ESA wählte 2022 erstmals auch einen Astronauten mit körperlicher Behinderung (Paralympian John McFall) aus.
Was sind die größten Herausforderungen im Weltraum?
Schwerelosigkeit führt zu Muskel- und Knochenschwund (bis 1-2% Knochenmasse pro Monat), Kreislaufproblemen und Orientierungsschwierigkeiten. Astronauten trainieren täglich 2-3 Stunden, um dem entgegenzuwirken.

Kosmische Strahlung und Sonneneruptionen erhöhen das Krebsrisiko und können akute Strahlenkrankheit verursachen. Die ISS ist durch die Erdmagnetosphäre teilweise geschützt, Mondmissionen sind exponierter.

Psychologische Belastungen: Isolation, Enge, Trennung von Familie, monotone Umgebung und Abhängigkeit von Technik. Bei Marsmissionen (2-3 Jahre) wären Kommunikationsverzögerungen von bis zu 20 Minuten zusätzlich belastend.
Wie entwickelt sich die bemannte Raumfahrt?
Kommerzielle Raumfahrt boomt: SpaceX, Blue Origin und Virgin Galactic bieten suborbitale Flüge und Transporte zur ISS. Der Begriff "Weltraumtourist" beschreibt zahlende Privatpersonen - bisher über 40 Personen.

Artemis-Programm plant ab Mitte der 2020er Jahre die Rückkehr zum Mond mit dauerhafter Präsenz. China baut eine eigene Raumstation (Tiangong) und plant ebenfalls bemannte Mondlandungen.

Langfristziele: bemannte Marsmissionen in den 2030er oder 2040er Jahren. SpaceX entwickelt das Starship-System speziell für interplanetare Reisen. Herausforderungen sind Strahlenschutz, Lebenserhaltung und psychologische Aspekte bei jahrelangen Missionen.
Zusammenfassung
  • Studie mit 37 Astronauten untersucht geschlechterspezifische Veränderungen
  • 57 Prozent der Raumfahrenden zeigten Anzeichen einer Augapfelabflachung
  • Gehirne von Frauen und Männern reagieren unterschiedlich auf Schwerelosigkeit
  • Männer entwickeln dreimal häufiger Anzeichen des Neuro-ocular-Syndroms als Frauen
  • Aber: Zu wenige Astronautinnen erschweren statistische Aussagekraft der Ergebnisse
  • Gesichert ist: Alter, Gewicht und Flugerfahrung haben keinen wesentlichen Einfluss

Siehe auch:
Jetzt einen Kommentar schreiben


Alle Kommentare zu dieser News anzeigen
Seben 1000-114 im Preisvergleich
Tipp einsenden
❤ WinFuture unterstützen
Sie wollen online einkaufen? Dann nutzen Sie bitte einen der folgenden Links, um WinFuture zu unterstützen: Vielen Dank!