Galaxy Watch & Co. erreichen dank Forschertrick cm-genaue Ortung
Smartwatches könnten bald präziser orten als viele Profigeräte. Eine neue Studie zeigt: Mit den richtigen Algorithmen lassen sich selbst handelsübliche Uhren bis auf wenige Zentimeter genau bestimmen - ganz ohne Spezialhardware.
Das Team um Sanghyun Yoon von der Seoul National University hat untersucht, wie weit sich die in modernen Smartwatches verbauten GNSS-Chips tatsächlich ausreizen lassen. Im Zentrum steht ein Verfahren namens Real-Time Kinematic, kurz RTK. Es nutzt nicht nur die Ankunftszeit der Satellitensignale, sondern auch deren Phasenlage - winzige Schwingungsunterschiede, die Rückschlüsse auf den Abstand im Zentimeterbereich erlauben. Damit das funktioniert, wird das Gerät mit einer bekannten Referenzposition abgeglichen: Aus der Differenz beider Messungen lässt sich der Fehler präzise herausrechnen.
In der Praxis war diese Technik bisher teuer und empfindlich. Sie verlangte spezielle Antennen, stabile Funkverbindungen und Mehrfrequenzempfänger. Die Forscher setzten dagegen laut der Studie auf handelsübliche Hardware: eine Pixel Watch 1, eine Galaxy Watch 6 und ein Pixel 5-Smartphone. Alle Geräte arbeiteten nur mit den üblichen L1-Signalen von GPS, Galileo, BeiDou und QZSS - also mit exakt dem, was heute auch in Consumer-Geräten steckt. Die Rohdaten wurden sekundengenau aufgezeichnet und mit einer modifizierten Auswertesoftware in das RTK-Verfahren eingespeist.
Technisch gesehen ist der Unterschied gewaltig. Normale GPS-Messungen liefern nur die sogenannte Pseudorange, also grobe Laufzeitdaten. RTK dagegen arbeitet dank "double differencing" anders: Es vergleicht die Phaseninformationen mehrerer Satelliten zwischen zwei Empfängern, eliminiert systematische Fehler und testet so lange mögliche Kombinationen, bis diese zu allen Signalen gleichzeitig passen. Der Rechenaufwand ist beträchtlich, doch moderne Chipsätze schaffen das längst in Echtzeit.
Die Studie von Yoon und Kollegen, erschienen in GPS Solutions (2025), versteht sich als Machbarkeitsnachweis. Sie zeigt, was möglich ist, wenn man vorhandene Chips richtig ausliest - und deutet an, was bald Standard werden könnte. Denn die Grenze zwischen Profitechnik und Alltagsgerät verschiebt sich rasch. Was einst auf Vermessungsstative gehörte, trägt man möglicherweise bald am Handgelenk.
Siehe auch:
Smartwatches schlagen Profi-GPS: zentimetergenaue Ortung
Bislang war zentimetergenaue Ortung Spezialisten vorbehalten - Ingenieuren, Vermessern, Robotik-Forschern, dem Militär. Sie nutzten hochsensible GPS-Antennen, Referenzstationen und aufwendige Auswertesoftware. Fitnessuhren dagegen kamen bestenfalls auf ein bis zwei Meter Genauigkeit, was für Joggingrouten oder Höhenprofile genügte. Doch jetzt zeigen Forscher: Selbst eine handelsübliche Smartwatch kann die Grenze zur Präzisionsmessung überschreiten - wenn man sie richtig ausliest.Das Team um Sanghyun Yoon von der Seoul National University hat untersucht, wie weit sich die in modernen Smartwatches verbauten GNSS-Chips tatsächlich ausreizen lassen. Im Zentrum steht ein Verfahren namens Real-Time Kinematic, kurz RTK. Es nutzt nicht nur die Ankunftszeit der Satellitensignale, sondern auch deren Phasenlage - winzige Schwingungsunterschiede, die Rückschlüsse auf den Abstand im Zentimeterbereich erlauben. Damit das funktioniert, wird das Gerät mit einer bekannten Referenzposition abgeglichen: Aus der Differenz beider Messungen lässt sich der Fehler präzise herausrechnen.
In der Praxis war diese Technik bisher teuer und empfindlich. Sie verlangte spezielle Antennen, stabile Funkverbindungen und Mehrfrequenzempfänger. Die Forscher setzten dagegen laut der Studie auf handelsübliche Hardware: eine Pixel Watch 1, eine Galaxy Watch 6 und ein Pixel 5-Smartphone. Alle Geräte arbeiteten nur mit den üblichen L1-Signalen von GPS, Galileo, BeiDou und QZSS - also mit exakt dem, was heute auch in Consumer-Geräten steckt. Die Rohdaten wurden sekundengenau aufgezeichnet und mit einer modifizierten Auswertesoftware in das RTK-Verfahren eingespeist.
Wir konnten erstmals zeigen, dass eines der getesteten Smartwatch-Modelle mithilfe seiner internen Antenne eine RTK-Positionsbestimmung im Zentimeterbereich erreichtDas Ergebnis überrascht selbst Fachleute: In Laborszenarien mit freier Sicht und externer Antenne erreichten die Geräte Fix-Raten von nahezu 100 Prozent - also stabile Zentimetergenauigkeit bei fast jeder Messung. Sogar mit der internen Antenne der Galaxy Watch 6 gelang das zu 99,3 Prozent, während die Pixel Watch 1 bei rund 82 Prozent lag. Nur wenige Jahre zuvor galt das als unmöglich: Zu schwache Antennen, zu verrauschte Signale, zu wenig Rechenleistung.
Technisch gesehen ist der Unterschied gewaltig. Normale GPS-Messungen liefern nur die sogenannte Pseudorange, also grobe Laufzeitdaten. RTK dagegen arbeitet dank "double differencing" anders: Es vergleicht die Phaseninformationen mehrerer Satelliten zwischen zwei Empfängern, eliminiert systematische Fehler und testet so lange mögliche Kombinationen, bis diese zu allen Signalen gleichzeitig passen. Der Rechenaufwand ist beträchtlich, doch moderne Chipsätze schaffen das längst in Echtzeit.
Neues Ortungs-Kapitel
Damit öffnet sich ein neues Kapitel für Ortung im Alltag. Wenn Smartwatches tatsächlich präzise genug werden, ließen sich Bewegungen von Läufern oder Radfahrern millimetergenau erfassen, Drohnen exakt in Formation fliegen oder Augmented-Reality-Anwendungen punktgenau verankern.Die Studie von Yoon und Kollegen, erschienen in GPS Solutions (2025), versteht sich als Machbarkeitsnachweis. Sie zeigt, was möglich ist, wenn man vorhandene Chips richtig ausliest - und deutet an, was bald Standard werden könnte. Denn die Grenze zwischen Profitechnik und Alltagsgerät verschiebt sich rasch. Was einst auf Vermessungsstative gehörte, trägt man möglicherweise bald am Handgelenk.
Was ist GPS?
GPS (Global Positioning System) ist ein globales Navigationssatellitensystem zur Positionsbestimmung, das seit den 1970er Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Es löste ab 1985 das alte Satellitennavigationssystem Transit ab.
Das System ist seit Mitte der 1990er Jahre voll funktionsfähig und ermöglicht seit der Abschaltung der künstlichen Signalverschlechterung im Jahr 2000 auch zivilen Nutzern eine Genauigkeit von oft besser als 10 Metern.
Die offizielle Bezeichnung lautet "Navigational Satellite Timing and Ranging - Global Positioning System" (NAVSTAR GPS). GPS wurde am 17. Juli 1995 offiziell in Betrieb genommen.
Das System ist seit Mitte der 1990er Jahre voll funktionsfähig und ermöglicht seit der Abschaltung der künstlichen Signalverschlechterung im Jahr 2000 auch zivilen Nutzern eine Genauigkeit von oft besser als 10 Metern.
Die offizielle Bezeichnung lautet "Navigational Satellite Timing and Ranging - Global Positioning System" (NAVSTAR GPS). GPS wurde am 17. Juli 1995 offiziell in Betrieb genommen.
Wie funktioniert GPS?
GPS basiert auf Satelliten, die mit codierten Radiosignalen ständig ihre aktuelle Position und die genaue Uhrzeit ausstrahlen. Aus den Signallaufzeiten können spezielle Empfänger ihre eigene Position und Geschwindigkeit berechnen.
Theoretisch reichen die Signale von drei Satelliten aus, um die genaue Position zu bestimmen. In der Praxis wird das Signal eines vierten Satelliten benötigt, da GPS-Empfänger keine ausreichend genaue Uhr haben.
Die Satellitenkonstellation umfasst sechs Bahnebenen, die 55° gegen den Äquator geneigt sind. In jeder Ebene kreisen mehrere Satelliten in 20.200 km Höhe und umrunden die Erde zweimal pro Sterntag.
Theoretisch reichen die Signale von drei Satelliten aus, um die genaue Position zu bestimmen. In der Praxis wird das Signal eines vierten Satelliten benötigt, da GPS-Empfänger keine ausreichend genaue Uhr haben.
Die Satellitenkonstellation umfasst sechs Bahnebenen, die 55° gegen den Äquator geneigt sind. In jeder Ebene kreisen mehrere Satelliten in 20.200 km Höhe und umrunden die Erde zweimal pro Sterntag.
Welche Signale werden gesendet?
GPS sendet auf drei Hauptfrequenzen: L1 (1575,42 MHz) überträgt den zivilen C/A-Code und den militärischen P/Y-Code. L2 (1227,60 MHz) überträgt hauptsächlich den P/Y-Code, seit 2005 auch den neuen L2C-Code.
Die L5-Frequenz (1176,45 MHz) ist seit 2010 im Aufbau und soll die Robustheit des Empfangs verbessern. Sie ist vor allem für Luftfahrt und Rettungsdienste vorgesehen.
Der C/A-Code ist öffentlich zugänglich und ermöglicht zivile Navigation. Der P/Y-Code ist verschlüsselt und militärischen Nutzern vorbehalten, bietet aber höhere Genauigkeit und Störfestigkeit.
Die L5-Frequenz (1176,45 MHz) ist seit 2010 im Aufbau und soll die Robustheit des Empfangs verbessern. Sie ist vor allem für Luftfahrt und Rettungsdienste vorgesehen.
Der C/A-Code ist öffentlich zugänglich und ermöglicht zivile Navigation. Der P/Y-Code ist verschlüsselt und militärischen Nutzern vorbehalten, bietet aber höhere Genauigkeit und Störfestigkeit.
Wie genau ist GPS?
Der Standard Positioning Service (SPS) für Zivilisten erreicht eine Genauigkeit von 7,0 m (95% der Messungen) bzw. 3,6 m RMS. Der militärische Precise Positioning Service (PPS) ist auf 5,9 m bzw. 3 m RMS ausgelegt.
Mit Differenzial-GPS (DGPS) lässt sich die Genauigkeit auf Zentimeterbereich steigern. Satellitengestützte Verbesserungssysteme wie EGNOS in Europa erreichen kontinentweit Genauigkeiten von etwa einem Meter.
Bis zum Jahr 2000 war die zivile Genauigkeit künstlich auf etwa 100 Meter verschlechtert (Selective Availability), um militärische Vorteile zu bewahren. Diese Beschränkung wurde dauerhaft abgeschaltet.
Mit Differenzial-GPS (DGPS) lässt sich die Genauigkeit auf Zentimeterbereich steigern. Satellitengestützte Verbesserungssysteme wie EGNOS in Europa erreichen kontinentweit Genauigkeiten von etwa einem Meter.
Bis zum Jahr 2000 war die zivile Genauigkeit künstlich auf etwa 100 Meter verschlechtert (Selective Availability), um militärische Vorteile zu bewahren. Diese Beschränkung wurde dauerhaft abgeschaltet.
Welche Anwendungen hat GPS heute?
GPS wird in Navigationssystemen für Autos, Smartphones und Outdoor-Geräte genutzt. In der Luftfahrt ermöglicht es präzise Anflüge, in der Seefahrt ersetzt es traditionelle Navigationsmethoden.
In der Landwirtschaft wird GPS beim Precision Farming eingesetzt, in der Geodäsie für zentimetergenaue Vermessungen. Auch Rettungsdienste, Logistikunternehmen und der öffentliche Nahverkehr nutzen GPS zur Positionierung.
Moderne Anwendungen umfassen Geocaching, Fitness-Tracking, Geotagging von Fotos und die Synchronisation von Telekommunikationsnetzen über die hochpräzise GPS-Zeit.
In der Landwirtschaft wird GPS beim Precision Farming eingesetzt, in der Geodäsie für zentimetergenaue Vermessungen. Auch Rettungsdienste, Logistikunternehmen und der öffentliche Nahverkehr nutzen GPS zur Positionierung.
Moderne Anwendungen umfassen Geocaching, Fitness-Tracking, Geotagging von Fotos und die Synchronisation von Telekommunikationsnetzen über die hochpräzise GPS-Zeit.
Zusammenfassung
- Handelsübliche Smartwatches können mit neuen Algorithmen zentimetergenau orten
- Forscher nutzten Real-Time Kinematic (RTK) für präzise Positionsbestimmung
- Getestet wurden normale Geräte wie Pixel Watch 1 und Galaxy Watch 6
- Galaxy Watch 6 erreichte mit interner Antenne 99,3 Prozent Genauigkeit
- RTK vergleicht Phaseninformationen mehrerer Satelliten zwischen Empfängern
- Mögliche Anwendungen: millimetergenaue Bewegungserfassung bei Sportlern
- Studie erschienen in GPS Solutions zeigt Verschiebung zur Alltagstechnik
Siehe auch:
- EU reagiert auf GPS-Störungen mit Ausbau eigener Satellitenflotte
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Thema:
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