GitHub migriert komplett zu Azure und stoppt vorerst neue Features

GitHub setzt alles auf eine Karte: Die Entwicklerplattform migriert komplett zu Microsoft Azure und stellt dafür sogar die Feature-Ent­wicklung zurück. Grund sind Kapazitätsprobleme und das rasante Wachstum von KI-Tools wie Copilot.

Azure-Migration hat oberste Priorität

GitHub steht vor einem der größten technischen Umbrüche seiner Geschichte. Die Entwicklerplattform plant die vollständige Migration ihrer gesamten Infrastruktur zu Microsoft Azure, und zwar binnen 24 Monaten. Das ambitionierte Vorhaben hat derart hohe Priorität, dass GitHub seine Teams dazu auffordert, die Entwicklung neuer Features zu verschieben.

Chief Technology Officer Vladimir Fedorov machte in einer internen Nachricht deutlich, dass GitHub unter Kapazitätsproblemen in seinem Rechenzentrum in Virginia leidet. "Es ist existenziell für uns, mit den Anforderungen von KI und Copilot Schritt zu halten", schreibt er laut vorliegenden Dokumenten. Das explosive Wachstum bei KI-gestützten Workflows und Entwickleraktivitäten bringe die aktuelle Infrastruktur an ihre Grenzen, so der CTO.

Laut The Verge beschleunigt sich diese Entwicklung in den vergangenen Wochen zusehends. GitHub erlebte in den vergangenen Monaten mehrere Ausfälle, teilweise aufgrund der Ressourcenbeschränkungen im Rechenzentrum in Virginia. Die Plattform, die 2008 gegründet wurde und mittlerweile über 100 Millionen Entwickler weltweit beherbergt, kämpft also mit den Folgen ihres eigenen Erfolgs.


Tiefere Microsoft-Integration

Die Azure-Migration ist nur ein Teil einer umfassenderen Neuausrichtung. Nach dem Rücktritt von CEO Thomas Dohmke im August verliert GitHub seine langjährige Unabhängigkeit innerhalb des Microsoft-Konzerns. Statt einen Nachfolger zu ernennen, wurde und wird GitHub tiefer in Microsofts CoreAI-Organisation integriert.

GitHub-Mitarbeiter werden ermutigt, von Slack zu Microsoft Teams zu wechseln, um die Kommunikation mit Microsoft-Kollegen zu erleichtern. Das zeigt, wie ernst Microsoft die Verschmelzung der beiden Unternehmen betreibt. Die 2018 für 7,5 Milliarden Dollar (etwa 6,5 Milliarden Euro) übernommene Plattform wird damit stärker in das Microsoft-Ökosystem eingebunden als je zuvor.

Die geplante Migration birgt erhebliche Risiken. Fedorov räumt ein, dass frühere Migrationsprojekte zu Azure "ins Stocken geraten sind und manchmal gescheitert" sind. Besonders kritisch dürften GitHubs MySQL-Cluster werden, die das Rückgrat des Dienstes bilden und auf Bare-Metal-Servern laufen. Diese lassen sich nicht einfach in die Cloud verlagern.

Eine Migration dieser Größenordnung könnte weitere Störungen zur Folge haben, warnen Branchenbeobachter. GitHub hostet mittlerweile über 420 Millionen Repositories und verarbeitet täglich Millionen von Code-Commits. Jeder Ausfall würde Entwicklerteams weltweit betreffen und könnte erhebliche wirtschaftliche Folgen haben.

Was denkt ihr über GitHubs radikale Neuausrichtung? Seht ihr die Azure-Migration als notwendigen Schritt oder als Risiko für die Plattform? Teilt eure Einschätzungen in den Kommentaren mit uns.

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