Goovis Art im Test: 110-Zoll-Heimkino zum Aufsetzen und Mitnehmen

Mehr als nur Unterhaltung

Im Praxistest offenbart das Goovis Art überraschende Vielseitigkeit. Bei der Filmwiedergabe überzeugt die Bildqualität durchweg: Die OLED-Technologie sorgt, wie schon erwähnt, für tiefe Schwarzwerte und lebendige Farben. Selbst bei hellem Tageslicht bleibt das Bild gut sichtbar.

Die 60-Hz-Bildwiederholrate genügt für flüssige Filmwiedergabe und die meisten Spiele. Bei schnellen Bewegungen oder kompetitiven Shootern wären höhere Frequenzen wünschenswert, für den vorgesehenen Einsatzzweck reicht die Darstellung aber völlig aus. HDR-Inhalte kann das Display nicht nativ darstellen, die hohe Grundqualität der OLED-Panels gleicht das jedoch teilweise aus.

Mobiles Gaming (mit Controller) funktioniert hervorragend. Action- und Rennspiele laufen flüssig und die große Darstellung verstärkt das Spielerlebnis deutlich. Die Kombination aus Steam Deck oder ROG Ally mit dem Goovis Art dürfte derartige Handhelds in portable Großbild-Konsolen verwandeln. Besonders auf Reisen, im Flugzeug oder im Hotelzimmer spielt diese Kombination ihre Stärken aus. Doch es gibt auch Games, die man wohl lieber weiterhin auf einem klassischen Display spielen wird, etwa Strategiespiele.
Goovis ArtPraktisch für Drohnenpiloten

Professionelle Anwendungen

Eine Stärke zeigt das Gerät im professionellen Einsatz: Als externer Kameramonitor über HDMI angeschlossen, bietet es Fotografen und Filmemachern eine große, hochauflösende Vorschau direkt vor den Augen. Die offene Bauweise erlaubt dabei weiterhin die Kontrolle über Kameraeinstellungen und Umgebung. Besonders bei Gimbal-Aufnahmen oder Drohnenflügen könnte sich diese Lösung als praktischer als herkömmliche Feldmonitore erweisen.

Trotz der guten Bildqualität stößt das Goovis Art bei produktiven Aufgaben aber an seine Grenzen, auch wenn der Hersteller diese Möglichkeit selbst bewirbt. Textverarbeitung, E-Mails oder Bildbearbeitung sind gewöhnungsbedürftig, da jede Kopfbewegung das Bild mitbewegt. Für stundenlange Büroarbeit eignet sich das Display daher nicht. Doch es gibt auch hier Spezialfälle, wo man dieses Zusatzdisplay zu schätzen lernt: etwa beim Arbeiten im Garten oder im Auto, wenn die Sonne scheint und ein klassisches Laptop-Display stört oder der Platz begrenzt ist.

Lautsprecher inkludiert, Note ausreichend

Die eingebauten Lautsprecher erfüllen ihren Zweck, klingen aber erwartungsgemäß dünn und mit wenig Bässen. Sie eignen sich für YouTube-Videos, Videokonferenzen oder eben zwischendurch, für Filme oder Musik sind hingegen Kopfhörer Pflicht. Der 3,5-mm-Klinkenausgang ermöglicht den Anschluss von Kopfhörern, wobei der tief versenkte Port nicht mit allen Steckern kompatibel ist. Bluetooth-Audio kann aber natürlich auch über das angeschlossene Gerät genutzt werden.

Grundsätzlich erfordert die optimale Positionierung ein wenig Geduld. Der exakte Punkt bzw. die Einstellung für scharfe Darstellung über das gesamte Sichtfeld ist eher klein, weshalb die Ersteinrichtung etwas fummelig ist und einige Sekunden dauern kann. Sitzt das Headset nicht perfekt zentriert, erscheint ein Auge scharf, das andere unscharf. Hier hilft nur geduldiges Nachjustieren. Goovis ArtDas 'Zero-Pressure'-Kopfband ist wesentlich komfortabler, muss aber extra bestellt werden

Komfort hat seinen Preis

Das mitgelieferte Stoffband erfüllt seinen Zweck, wirkt aber etwas billig. Das dünne Material und die simple Klettverschluss-Konstruktion passen nicht zur ansonsten hochwertigen Verarbeitung. Bei längerem Tragen könnte das Band zudem am Hinterkopf drücken, das ist aber wie so oft von der Kopfform und dem persönlichen Empfinden abhängig.

Hier könnte sich die Investition in das optionale "Zero-Pressure"-Kopfband (kostet 51,95 Euro) lohnen, das mit einem Drehverschluss am Hinterkopf für bessere Gewichtsverteilung sorgt. Das stabilere Band verteilt das ohnehin geringe Gewicht gleichmäßiger und reduziert Druckstellen deutlich. Die Montage ist in wenigen Sekunden erledigt, die Verbesserung des Tragekomforts jedoch erheblich. Ein Nachteil hier: Man kann sich damit nicht besonders gut (oder auch gar nicht) an eine Kopfstütze lehnen. Goovis ArtLinks sind die Verriegelung für den Pupillenabstand und die Lautstärke, rechts der Schalter für (stereoskopisches) 3D und die Helligkeit

Stereoskopisches 3D möglich

Hervorzuheben ist auch die 3D-Fähigkeit des Displays. Stereoskopische Inhalte im Side-by-Side-Format werden per Knopfdruck in beeindruckende räumliche Darstellungen umgewandelt. Die Trennung der beiden Bildkanäle funktioniert sauber, Ghosting oder Übersprechen sind nicht erkennbar.

Die Kompatibilität erstreckt sich über nahezu alle modernen Geräte: Steam Deck, Nintendo Switch, PlayStation 5, Xbox Series X|S und sogar professionelle Kameras lassen sich problemlos anschließen. Lediglich ältere Geräte ohne USB-C-Displayausgabe oder HDMI bleiben außen vor. Die Switch benötigt im Dock-Modus den HDMI-Adapter, mobile Android-Geräte müssen USB-C-Videoausgabe unterstützen - nicht alle Mittelklasse-Smartphones bieten das.

Alltagstauglichkeit

Nach mehreren Wochen im Einsatz haben sich bei uns klare Einsatzszenarien herauskristallisiert. Auf Reisen ersetzt das Goovis Art problemlos Tablet oder Laptop-Displays für Unterhaltungszwecke. Die kompakte Bauweise und das geringe Gewicht machen es zum Reisebegleiter, allen voran im Flugzeug. Im Hotelzimmer erspart man sich den oft schlechten Fernseher.

Zu Hause eignet es sich perfekt für privates Entertainment, wenn der Fernseher besetzt ist oder Partner nicht gestört werden sollen. Die Möglichkeit, nebenbei noch die Umgebung wahrzunehmen, unterscheidet es positiv von vollständig abschottenden VR-Brillen, man kann etwa die Kinder im Auge behalten und das wortwörtlich. Goovis Art

Langzeitperspektive

Ein unterschätzter Vorteil ist die Langlebigkeit des Konzepts. Ohne eigenes Betriebssystem, Apps oder Akku altert das Gerät nicht wie andere Elektronik. Keine Software, die nicht mit Updates versorgt wird, Akkus verschlechtern sich nicht, Sicherheitsupdates sind nicht erforderlich. Solange Geräte Video über USB-C ausgeben, bleibt das Goovis Art nutzbar - eine Investition mit ungewöhnlich langer Perspektive.

Diese Einfachheit hat jedoch auch Nachteile. Während AR-Brillen und VR-Headsets ständig neue Features per Software-Update erhalten, ist und bleibt das Goovis Art immer das, was es ist: ein hervorragendes Display, nicht mehr und nicht weniger. Wer auf zukünftige AR-Features oder Hand-Tracking hofft, ist hier falsch.

Ohne Smartphone, Laptop oder die optionale Android-Box ist das Headset nutzlos. Der Kabelsalat bei HDMI-Verbindungen mit separater Stromversorgung wirkt anachronistisch. Hier wäre eine elegantere Lösung wünschenswert gewesen.

Fazit

Goovis Art ist ein mehr als interessantes Gerät, das sich allerdings in einer Nische zwischen mobilem Display und VR-Brille platziert. Es ist aber, dessen muss man sich im Klaren sein, eine Brille, die nicht für alle gemacht ist. Sie ersetzt weder den Fernseher noch die VR-Brille, sondern ergänzt beide sinnvoll.

Wer häufig unterwegs ist, Wert auf Privatsphäre legt oder spezielle professionelle Anwendungen hat, findet in dem ab 476,95 Euro erhältlichen Gerät eine durchdachte Lösung. Die Bildqualität überzeugt, die Vielseitigkeit überrascht, und die kompakte Bauweise macht es zum praktischen Begleiter. Allerdings erfordert der spezielle Formfaktor eine klare Vorstellung vom geplanten Einsatzzweck. Wer etwa im Flugzeug nicht auf sein "Heimkino" verzichten will oder nicht möchte, dass der Sitznachbar mitbekommt, was man sich ansieht, der findet im Goovis Art eine zweifellos spannende Lösung.

Der größte Kritikpunkt ist da gar nicht einmal die "Schuld" von Goovis Art: Es ist eben ein Headset, das man herumtragen, aufsetzen und sich auch daran gewöhnen muss. Wem das nichts ausmacht, der kann hier ruhig zugreifen. Denn man kann an der grundsätzlichen Idee etwas zum Aussetzen finden - an der Qualität kann man das nicht.

Goovis Art Auf der Herstellerseite bestellen Zum Angebot
Technische Daten zum Goovis Art
Display 2x Micro-OLED, 1920 x 1080 Pixel, PWM
Virtuelle Bildschirmgröße 400 Zoll bei 4 m
Farbraum DCI-P3 90 (entspricht 110 % sRGB)
Optisches   System ASPH-Objektive mit mittlerer Blende
Dioptrieneinstellung 0 bis -3,5 D
Unterstützte 3D-Formate SBS-Halbbreite 3D
Unterstützte Panorama-Videoformate 360° 2D-Video
Grafik-Engine GIE4.0
Betrachtungsform Open-View 3D
Anschlüsse Abnehmbares Dual-Typ-C-Kabel, 3,5mm Audiobuchse
Stereo-Lautsprecher Integriert
Besonderheiten Faltbares Stirnmodul, Aufbewahrungstasche
Siehe auch:
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